VW steht vor Führungswechsel

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Deutschland Die Zahlen, die der Volkswagen-Konzern vor nicht allzu langer Zeit präsentiert hatte, waren exzellent. Umsatz, operatives Ergebnis, Gewinn – überall hat der Wolfsburger Autobauer die Werte aus dem Jahr 2014 übertroffen. Bei Umsatz und Ertrag erzielte der Konzern die besten Werte der Firmengeschichte – und konnte Platz eins der weltgrössten Autohersteller verteidigen. Die Dieselaffäre von 2015 schien wie weggeblasen.

Umso erstaunlicher sind die Berichte, die gestern in deutschen Fachmedien kursierten: VW-Chef Matthias Müller (64) soll offenbar am Freitag bei der Aufsichtsratssitzung zurücktreten. Ersetzt werden soll er durch Herbert Diess. Der 59-Jährige, der im Sommer 2015 von BMW zu den Wolfsburgern stiess, war bislang Chef der Kernmarke VW.

«Das Unternehmen hat Reformbedarf»

Die Meldungen wurden vom Konzern weder bestätigt noch dementiert. Einige Medien berichten, Diess habe schon länger am Stuhl von Müller gesägt. In einem Interview im Herbst sagte er: «In Wolfsburg und in Niedersachsen hat das Unternehmen mehr Reformbedarf, als so mancher vielleicht wahrhaben möchte.» Müller war zuletzt auch nicht unumstritten – zumindest nicht in der Bevölkerung. Alleine seine Rolle im Nachgang zur Dieselaffäre machte ihn für manche zur Hassfigur, da er dem Ruf geprellter VW-Kunden nach Rücknahme ihrer manipulierten Dieselautos in forschem Ton eine Absage erteilte. Zuletzt geriet Müller in die öffentliche Kritik, nachdem er hohe Managergehälter verteidigt hatte. Er selbst erhielt für 2017 eine Ver­gütung von nahezu 10 Mil­lionen Euro. Heftige Reaktionen löste aber vor allem sein Vergleich mit Zuständen in der DDR aus. Als er in einem Interview mit dem «Spiegel» gefragt wurde, was er von einer Begrenzung von Managergehältern auf 5 Millionen Euro jährlich halte, sagte Müller: «In Deutschland besteht der Drang, alles politisch regeln zu wollen. Aber wo soll das enden? Wir hatten so was bereits einmal in Form der DDR.» Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Mitglied im VW-Aufsichtsrat, konterte unsanft: «Eine Begrenzung von Managergehältern auf 5 Millionen Euro pro Jahr mit den Verhältnissen in der DDR zu vergleichen, ist komplett abwegig.»

Dieselskandal nicht ausgestanden

Die Änderung an der Konzernspitze dürfte am Freitag offiziell werden. Müller stand dem Konzern lediglich zweieinhalb Jahre vor, er folgte nach Auffliegen der Dieselaffäre im Herbst 2015 auf Martin Winterkorn, der gemäss der FAZ heute noch eine VW-Rente von mehr als 3000 Euro pro Tag erhält. Auf Herbert Diess wartet aber trotz der guten Zahlen eine Menge Arbeit: Der Dieselskandal ist noch immer nicht ausgestanden, kostete den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro durch Rückrufe, Schadenersatz und Strafe alleine in den USA. Die Gesamtkosten sind wegen hängiger Klagen in Europa noch nicht absehbar. Zudem wird weiter wegen des Verdachts auf Marktmanipulation durch VW im Zusammenhang mit der Dieselaffäre ermittelt. (crb)