VW soll Eintauschprämie für alte Diesel erwägen

BERLIN. 8,5 Millionen Dieselautos müssen in Europa nach dem VW-Abgasskandal umgerüstet werden. Das ist teuer und zeitintensiv. Die Manipulation bei Volkswagen kommt den Konzern somit auf alle Fälle teuer zu stehen. Ab Januar sollen die Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen und umgerüstet werden.

Christoph Reichmuth
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Ein Service-Techniker verschafft sich Einblick in einen Dieselmotor. (Bild: epa/Julian Stratenschulte)

Ein Service-Techniker verschafft sich Einblick in einen Dieselmotor. (Bild: epa/Julian Stratenschulte)

BERLIN. 8,5 Millionen Dieselautos müssen in Europa nach dem VW-Abgasskandal umgerüstet werden. Das ist teuer und zeitintensiv. Die Manipulation bei Volkswagen kommt den Konzern somit auf alle Fälle teuer zu stehen. Ab Januar sollen die Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen und umgerüstet werden.

VW arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung für die Umrüstung. Das ist knifflig: Es sind ja nicht nur VW-Modelle, sondern auch Seat, Skoda oder Audi mit der Schummelsoftware ausgerüstet. Das heisst, dass es pro Motor, Getriebeart (Automatik oder Handschaltung), Hubraum und Baujahr verschiedene Lösungen zur Behebung des Problems braucht.

Wo ein Update allein nicht hilft

Besonders kompliziert gestaltet sich die Umrüstung bei den 1,6-Liter-Hubraum-Diesel-Motoren. Dort reicht laut Presseberichten nicht alleine ein Softwareupdate aus, eingebaut werden muss zusätzlich eine neue Technik. Alleine in Deutschland müssen ab Januar 2,4 Millionen betroffene VW-Modelle zurück in die Werkstatt.

Das deutsche «Handelsblatt» rechnet mit enormen Zusatzbelastungen der VW-Vertragswerkstätten im Land. Neben der üblichen täglichen Arbeit müssten demnach pro Werkstatt 1100 Dieselmodelle quasi nebenbei umgerüstet werden. Zeitaufwand: Mindestens 90 Minuten pro Fahrzeug. Den Konzern kostet das Milliarden.

Betroffene Diesel in die Türkei?

In der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg macht man sich offensichtlich Gedanken, wie die Kosten für die Rückrufaktion möglichst im Rahmen gehalten werden können.

Unbestätigten Medienberichten zufolge erwägt der Konzern zumindest für die 2,4 Millionen in Deutschland betroffenen Fahrzeuge, den Kunden statt Nachbesserung eine grosszügige Eintauschprämie auf Neuwagen zu gestatten. VW würde die alten, von der Software betroffenen Dieselmodelle demnach grosszügig im Wert beurteilen. Die Kunden hätten dann die Möglichkeit, das bisherige Modell umzurüsten oder gleich zu günstigen Konditionen – dank des Eintausches des alten Autos – einen neuen Wagen aus dem VW-Konzern zu beziehen. Entschieden sei dazu allerdings noch nichts, heisst es aus VW-Mitarbeiterkreisen. Wie dem auch sei: VW würde dann die zurückgenommenen alten Dieselautos entweder verschrotten oder ausserhalb der EU, etwa in der Türkei oder in Afrika, weiterverkaufen.

Toyota überholt VW

Eine wenig erfreuliche Meldung erreichte den VW-Konzern am Montag. Laut neuester Statistik wird VW bei den Verkaufszahlen von Toyota überholt. Toyota hat demnach bis Ende September weltweit 7,49 Millionen Autos verkauft, Volkswagen «lediglich» 7,43 Millionen. Allerdings steht dies nicht mit dem Dieselskandal im Zusammenhang.

Bei der Erhebung der Verkaufszahlen war die Manipulation gar noch nicht bekannt. Zumindest in Deutschland hat der Ruf von VW als verlässliches Auto nicht gelitten. In Deutschland werden nach Auffliegen der Schummelei sogar mehr VW-Fahrzeuge bestellt, heisst es aus Konzernkreisen. Konkrete Zahlen werden indes nicht genannt.