Vorsichtige Spurensuche

Experten sind sich einig: Den aktuellen Schaden der Katastrophe in Japan zu beziffern ist derzeit kaum möglich – das würde auch dem wahren Leid der japanischen Gesellschaft nicht gerecht, wie immer wieder betont wird (siehe auch Interview).

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Experten sind sich einig: Den aktuellen Schaden der Katastrophe in Japan zu beziffern ist derzeit kaum möglich – das würde auch dem wahren Leid der japanischen Gesellschaft nicht gerecht, wie immer wieder betont wird (siehe auch Interview). Ökonomische Fragen erscheinen angesichts der Tragödie nebensächlich. Einer vorsichtigen Prognose der wirtschaftlichen Auswirkungen – als ersten Richtungsweiser – entziehen sich die Analysten aber nicht.

Beispielsweise gehen die Experten von Axa Investment Managers Deutschland ebenfalls davon aus, dass sich die Folgen der Katastrophe für die Weltwirtschaft in Grenzen halten – sofern es nicht zu einer «jetzt noch nicht absehbaren Eskalation» komme. Wie Axa mitteilte, sei eine umfassende Rezession unwahrscheinlich, weil Japan kein besonders grosser Importeur ausländischer Waren sei. Im Land selber wird die Katastrophe das Wachstum kurzfristig hemmen. Auf die betroffenen Regionen entfallen laut Axa 5% bis 7% des japanischen Bruttoinlandprodukts und 7% der gesamten Industrieproduktion. Viele Zulieferbetriebe seien dort angesiedelt.

Allerdings dürften bestimmte Wirtschaftstätigkeiten in andere Regionen verlagert werden. Das war schon nach dem Erdbeben von Kobe 1995 der Fall. Damals wurden jedoch keine Kraftwerke zerstört. Jetzt kämpfe Japan mit Energieengpässen, die vermutlich Wochen, wenn nicht Monate dauern könnten, stellen Analysten der Frankfurter ING Asset Management fest. Zumindest vorübergehend sei in einigen Sektoren mit Werkschliessungen zu rechnen. (T. F.)