«Von lecker zu köstlich»

Wenn Jungunternehmen private Investoren suchen, um ihre Geschäftsidee voranzutreiben, sind beide Seiten gefordert, sagt Alexander Stoeckel, Partner einer St. Galler Beteiligungsfirma.

Martin Sinzig
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Anlässe wie der Thurgauer Technologietag sind gute Gelegenheiten für Jungunternehmer, um Kontakte mit potenziellen Investoren zu knüpfen. (Bild: Reto Martin)

Anlässe wie der Thurgauer Technologietag sind gute Gelegenheiten für Jungunternehmer, um Kontakte mit potenziellen Investoren zu knüpfen. (Bild: Reto Martin)

ST. GALLEN. Jährlich 2000 Anträge bearbeitet die St. Galler Venture-Capital-Gesellschaft «b-to-v», doch nur bei fünf bis 15 der eingereichten Businesspläne entscheidet sich das Unternehmen für eine Beteiligung. Alexander Stoeckel, Partner der «b-to-v Partners AG», schilderte an einem Startimpuls-Anlass des Instituts für Jungunternehmen (IFJ) die Prozesse und die Erwartungen der Investoren.

Wachstum und Rendite

«Eine Würstchenbude ist in der Regel kein Venture-Capital-Fall», skizzierte der Referent die strengen Auswahlkriterien. Es gehe primär darum, ob ein Jungunternehmen überhaupt für diese Form der Wachstumsfinanzierung geeignet sei. Dazu zählten vor allem Unternehmen mit aggressiven Wachstums- und vielleicht sogar Börsenplänen. «Wir denken auch beim Einstieg in ein Investment schon gemeinsam mit dem Unternehmer über den Exit nach», verdeutlichte Stoeckel. Die Kapitalgeber seien schliesslich Unternehmer, die nicht einfach Geld investieren wollten, sondern Interesse daran hätten, eine neue Unternehmensidee zum nachhaltigen Erfolg zu bringen.

Die Chance eines Neins sei angesichts dieser Voraussetzungen relativ gross, sagte Stoeckel. Gründer, die abgelehnt würden, seien oft frustriert, sollten eine Absage jedoch nicht persönlich nehmen. Stoeckel verglich das Verhältnis zwischen Jungunternehmern und Investoren mit der modernen Partnersuche, dem Internet Dating. Ein systematisches Vorgehen dränge sich auf. «Nur wenn man weiss, worauf man sich einlässt, kann die Ansprache erfolgreich sein.» Daher gelte es sorgfältig auszuwählen, wie und wo man sich vorstelle. Aus der Liste der potenziellen Investoren sollen zunächst die guten, dann die Traumpartner kontaktiert werden. «Von lecker zu köstlich» laute die Devise. Die richtige Ansprache von Investoren sollte empathisch laufen. Ideal sei die persönliche Kontaktaufnahme zum Beispiel an einem Anlass. Stoeckel rät zu einem offenen und selbstbewussten Auftreten mit einer kurzen und prägnanten Zusammenfassung der Unternehmensidee, nicht mit einem 60seitigen Businessplan.

Auch Google wurde abgelehnt

Das erste Treffen mit dem potenziellen Investor dürfe man aber nicht als Test oder als Übung sehen. Wie beim Dating gelte es auch hier, die Sache ernst, wenn auch nicht übermässig ernst zu nehmen. Die Aussagen und Beurteilungen aus diesem Erstgespräch sollten Jungunternehmer in aller Ruhe verarbeiten. Absagen sollen sie nicht als persönliche Niederlage empfinden. Selbst die Firma Google sei einst von einem Venture-Capital-Geber abgelehnt worden, ermutigte Stoeckel.

Alexander Stoeckel (Bild: Martin Sinzig)

Alexander Stoeckel (Bild: Martin Sinzig)

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