Von 100 auf 0: Wie das Coronavirus einen Ostschweizer Veranstalter und Kommunikator beutelt

Das Veranstaltungsverbot und Betriebsschliessungen treffen Reinhard Frei und seine Agentur Freicom wuchtig.

Thomas Griesser Kym
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Reinhard Frei, Inhaber der Agentur Freicom, in seinem Büro. Momentan arbeitet er aber im Home-Office.

Reinhard Frei, Inhaber der Agentur Freicom, in seinem Büro. Momentan arbeitet er aber im Home-Office.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 10. Januar 2019)

Seit 25 Jahren ist der Rheintaler Reinhard Frei im Geschäft und hat schon viele Krisen erlebt, «aber noch keine wie jetzt mit dem Coronavirus». Frei ist Inhaber der Agentur Freicom, die Kommunikationsdienstleistungen anbietet und Veranstaltungen organisiert. Das Geschäft mit den Events «haben wir auf null runtergefahren», sagt Frei.

Während er und sein Team das 26. Rheintaler Wirtschaftsforum Mitte Januar noch reibungslos über die Bühne gebracht haben, findet der Ostschweizer Personaltag nicht wie geplant am 11. Juni statt. Frei:

«Wir haben diesen Anlass mit rund 400 Teilnehmenden relativ früh abgesagt und auf den 24. September verschoben.»

Er spricht von Glück, dass er früh dran war, denn: «Viele Veranstaltungen werden nun auf September oder Oktober verschoben, da werden die freien Termine knapp.»

«Das Zwischenmenschliche bleibt wichtig»

Frei sagt, er habe den Olma-Messen innert einer Woche für das neue Datum zusagen müssen. Parallel dazu musste das Team die Referenten kontaktieren. Alle bis auf einen können auch im September dabei sein, und als Ersatz wurde eine neue Referentin verpflichtet. Abmeldungen von Teilnehmenden habe er bisher keine erhalten, seit 10. März allerdings auch keine neuen Anmeldungen.

Frei zeigt sich überzeugt:

«Events braucht es auch in Zukunft. Man kann viel machen über Videokonferenzen, aber eben nicht alles. Das Zwischenmenschliche bleibt wichtig.»

Deshalb gehen auch die Vorbereitungen für das Wirtschaftsforum Thurgau im November weiter. Oder jene für das Gipfeltreffen von Kolumnisten und Slammern im Oktober auf dem Säntis.

Reges Interesse am Newsletter

Nicht ganz, aber weitgehend zum Stillstand gekommen ist auch das Kommunikationsgeschäft, wie Frei sagt. Er betreibt Krisenkommunikation und klassische PR. Noch vergangenes Jahr habe er «ein paar schöne neue Kunden gewonnen», auch im Detailhandel, doch einige Händler hätten nun geschlossen.

Um im Gespräch zu bleiben, hat Frei jüngst in einem Newsletter, betitelt mit «Kommunikation in Ausnahmesituationen», auf seine Dienstleistungen aufmerksam gemacht. Gerade in der Krise sei eine stringente Kommunikation essenziell. Von den 1200 Abonnenten hätten über die Hälfte den Newsletter geöffnet, sagt Frei. Normalerweise seien es 10 bis 15 Prozent. Und der konkrete Rücklauf? «Wir haben spontan zwei Anfragen erhalten von St.Galler Firmen.»

Gourmetrestaurants mit Heimlieferservice

Die Krise werde der Digitalisierung nachhaltig Schub verleihen. «Auch ältere Menschen nutzen nun Skype, Microsoft Teams und andere digitale Kommunikationskanäle.» Das habe Folgen für Detailhandel, Gastronomie usw. «Wer nicht digitalisiert ist, wird es schwer haben.» Frei weiss von Gourmetrestaurants, die nun einen Heimlieferservice aufgezogen haben. Zumindest einige dürften das auch nach der Krise parallel zum Restaurationsbetrieb weiterführen, sagt er.

Den Behörden erteilt Frei «sehr gute» Noten. Klar lasse sich kritisieren, es fehle ein Krisenstab aus Experten oder man ha­be zu spät reagiert, aber «der Bundesrat hat das Heft in die Hand genommen und führt über die Parteigrenzen hinweg hervorragend». Lob findet Frei für Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit. «Solche Leute, die ruhig, sachlich und überzeugend kommunizieren, braucht es noch viel mehr in der Politik.»