Von der Unschuld überzeugt: St.Galler Kantonsgericht spricht Betreuer vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs frei

Einem Betreuer wurde vorgeworfen, eine geistig und körperlich beeinträchtigte Frau missbraucht zu haben. Der Mann wehrte sich gegen das erstinstanzliche Urteil. Nun spricht ihn das Kantonsgericht St.Gallen von Schuld und Strafe frei.

Claudia Schmid
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Das Kantonsgericht St.Gallen ist von der Unschuld des Sozialpädagogen überzeugt.

Das Kantonsgericht St.Gallen ist von der Unschuld des Sozialpädagogen überzeugt.

Archivbild: Ralph Ribi

Das Kantonsgericht St.Gallen hat einen Sozialpädagogen vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Anstaltspflegling vollumfänglich freigesprochen. Damit hat sich der Mann erfolgreich gegen das erstinstanzliche Urteil gewehrt, das ihn Mitte 2018 schuldig erklärt und ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt hatte.

Erfundene Geschichten erzählt

Zu einer Anklage gegen ihn war es gekommen, weil eine geistig und körperlich beeinträchtigte Frau erzählt hatte, ihr Betreuer habe sie abends ins Pikettzimmer geholt, wo es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. An der Berufungsverhandlung vom Dienstag hatte der Beschuldigte die Vorwürfe wie schon vor dem Kreisgericht St.Gallen zurückgewiesen.

Die Frau sei seit vielen Jahren auf ihn fixiert gewesen, erklärte er. Auf seine Abwesenheit wegen Freitagen oder Ferien habe sie nicht selten verärgert und mit Krisen reagiert. Sie sei auch auf seine Frau und Kinder eifersüchtig gewesen. Es sei vorgekommen, dass sie sich vor sein Auto gestellt habe, um ihn daran zu hindern, Feierabend zu machen. Diese nicht immer einfache Situation sei im Team besprochen worden. Die Frau habe immer wieder erfundene Geschichten erzählt. Dies hätten auch andere aus dem Betreuungsteam wahrgenommen.

Keine Unregelmässigkeiten aufgefallen

Habe sie etwas nicht gewollt, habe die Frau sich durchaus wehren und Nein sagen können, erklärte eine Arbeitskollegin, die als Zeugin befragt wurde. Gegenüber dem Betreuungsteam habe die Frau manchmal sehr fordernd sein können. Ihr gegenüber habe sie nie von sexuellen Übergriffen durch den Beschuldigten erzählt. Ihr sei nie etwas in dieser Richtung aufgefallen.

Im Gegensatz zur Vorinstanz war das Kantonsgericht St.Gallen von der Unschuld des Betreuers überzeugt. Es sprach ihn von Schuld und Strafe frei. Die Kosten der Untersuchungs- und Gerichtsverfahren von rund 40'000 Franken trägt der Staat. Zudem erhält der Mann eine Entschädigung.

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