Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Milliardenumsatz für Pilatus Flugzeugwerke:
Neuer PC-24 beflügelt das Geschäft

Höhenflug für die Pilatus Flugzeugwerke: 2018 haben sie – nach 2015 – erneut die Milliarden-Umsatzgrenze erreicht. Insgesamt lieferte Pilatus im vergangenen Jahr 128 Flugzeuge aus – zum ersten Mal auch den Businessjet PC-24.
Raphael Bühlmann
Ab diesem Jahr wird in Stans die Produktion des PC-24 hochgefahren. (Bild: Roger Grütter)

Ab diesem Jahr wird in Stans die Produktion des PC-24 hochgefahren. (Bild: Roger Grütter)

Bei der Pilatus Flugzeugwerke AG stand das vergangene Geschäftsjahr erneut im Zeichen des neuen PC-24. Allerdings mit dem Unterschied, dass sich dieser in der Buchhaltung nicht mehr nur auf der Aufwandseite niederschlägt: mehr Umsatz, mehr Gewinn oder mehr Arbeitsplätze verzeichnet Pilatus dank dem Businessjet (siehe Kasten). 23 produzierte und davon 18 ausgelieferte PC-24 standen Ende Jahr zu Buche. Und doch: beim Besuch unserer Zeitung am Hauptsitz in Stans war die Rede von einem «anstrengenden Jahr». Doch nicht die Verkäufe oder technische Schwierigkeiten hielten die Nidwaldner auf Trab – die Entwicklung des Jets ist grossmehrheitlich abgeschlossen, die wichtigsten Zertifizierungen hat man in der Tasche und die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung haben sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Nein, wie man den PC-24 entwickelt und verkauft, scheint man in Nidwalden sehr gut verstanden zu haben.

Umgetrieben hat die Flugzeugbauer vor allem die Frage, wie man den rund 17 Meter langen und breiten Jet auf effiziente Art und Weise zusammenbaut. «Nachdem wir mit dem letzten Arbeitstag des Jahres 2017 die Zertifizierung erhalten haben, gingen 2018 die Arbeiten mit dem Aufbau der Serienproduktion erst richtig los», erklärt Oscar J. Schwenk. Der Pilatus-Verwaltungsratspräsident unterstreicht dabei: «Die Entwicklung beim Flugzeugbau ist eine Sache, der Transfer der dabei gewonnenen Erkenntnisse in die Produktionshallen eine ganz andere». Auch CEO Markus Bucher bezeichnet den Umbau zur seriellen Fertigung als «ein hartes Stück Arbeit». Von der Bestellung bis zur Auslieferung: über alle Unternehmensbereiche hätten Prozesse angepasst werden müssen.

10,7 Millionen für die Standardausführung

Und dafür braucht Pilatus mehr Platz in Stans. Unter anderem deshalb stellt man die Produktion des PC-6 ein und baut eine neue Produktionshalle mit einer Fläche von 11'000 Quadratmeter. Hier soll ab Mitte Jahr die Produktion des Strukturbaus hochfahren werden. 150 bis 170 zusätzliche Arbeitsplätze werden damit geschaffen. Die Rekrutierung – gerade im Bereich Strukturbau – sei nicht ganz einfach, sagt Bucher. Man habe aber viel in Aus- und Weiterbildung investiert. Dies soll gewährleisten, dass Pilatus in Zukunft den Bestellungen nachkommen kann. Die Produktionskapazität soll bei jährlich rund 50 PC-24 liegen. «Anlässlich der der Eröffnung der European Business Aviation Convention & Exhibition (Ebace) am 21. Mai in Genf öffnen wir unsere Bestellbücher wieder – und lassen sie offen», kündigt Verwaltungsratspräsident Schwenk an.

Damit gibt Pilatus auch den definitiven Preis für den Businessjet bekannt. Nachdem man die ersten 84 PC-24 zum Stückpreis von 9 Millionen Dollar verkauft hatte, hat man weitere Verbesserungen vorgenommen. Nun hat Pilatus den Verkaufspreis für das Standardmodell bei 10,7 Millionen Dollar festgesetzt. 11,2 Millionen soll er laut Schwenk mit «einer guten und schönen Ausstattung», kosten. Zu den technischen Verbesserungen zählt etwa die Zertifizierung, auf Naturpisten landen zu dürfen. Laut Pilatus sei der PC-24 damit der einzige Businessjet weltweit, der von Grund auf dafür entwickelt wurde, auf Naturpisten wie Gras oder Sand landen zu können. Die hoch montierten und speziell angeordneten Triebwerke sowie die Klappensysteme und das robuste Fahrwerk würden dies ermöglichen. Mit einem düsengetriebenen Flugzeug schnell weite Distanzen zurücklegen und dennoch fast überall landen zu können, sei in verschiedenen Regionen der Welt äusserst gefragt.

Durchbruch in China

Die Stanser Pilatus Flugzeugwerke AG erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1092 Millionen Franken (Vorjahr 986 Millionen). Das Betriebsergebnis beträgt 157 Millionen (Vorjahr 135 Millionen). Insgesamt verkaufte man letztes Jahr 128 Flugzeuge, 80 PC-12 NG, 27 PC-21, 18 PC-24 und 3 PC-6. Bei Letzterem, dem Pilatus-Porter, wird nach 60 Jahren und über 500 ausgelieferten Modellen die Produktion dieses Jahr eingestellt.

Mit 55,2 Prozent generiert Pilatus letztes Jahr mehr als die Hälfte des Umsatzes mit privaten Kunden, im Geschäftsfeld General Aviation (inklusive PC-24). Der Rest geht auf das Konto von Regierungsaufträgen, dem Geschäftsbereich Government Aviation. Nach Regionen blieben die USA mit einem Anteil von 31,8 Prozent der wichtigste Zielmarkt, gefolgt von Europa (27,2 Prozent) und Australien (21,6 Prozent). Einen «Durchbruch» habe man laut Pilatus in China erzielen können. 20 PC-12 NG konnte man nach China verkaufen.

Diese würden in der kommerziellen Luftfahrt für die Bedienung von Kleinflughäfen in einer nordwestlichen Provinz zum Einsatz kommen. Pilatus rechnet bei einem weiteren wirtschaftlichen Aufschwung Chinas mit weiteren Aufträge. Für Pilatus ebenfalls immer wichtiger werden die Serviceleistungen. Die im Bereich Government Aviation üblich vereinbarten Dienstleistungen, wie Wartung oder Reparaturen, finden nun auch im Zusammenhang mit dem PC-24 vermehrt Anwendung im Geschäftsbereich General Aviation. Doch genau wegen solcher Serviceleistungen, die mittlerweile mehr als 20 Prozent des Umsatzes ausmachen, sieht sich Pilatus derzeit einem Verfahren konfrontiert. Das Eidgenössische Aussendepartement ermittelt, ob Pilatus es versäumt hat, den Bund über seine Tätigkeit in Saudi-Arabien, Katar, Jordanien und den Vereinigten Arabischen genau zu informieren. Diese Länder sind oder waren Teil der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Luftkrieg gegen den Jemen. Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk stellte sich anlässlich der Präsentation der Geschäftszahlen nach wie vor auf den Standpunkt, dass man den Bund korrekt über die Tätigkeit in den Ländern informiert habe.

Ferner habe man den Nachweis erbracht, dass der Jet auch steile Anflugmanöver meistere und gleichzeitig auf kurzen Pisten landen könne - eine notwendige Bedingung, die etwa für den Anflug auf den Flughafen London City erfüllt sein muss. Aber auch für Firmen, die nicht selten in der Nähe von Werksarealen kleine Flugfelder hätten, sei dies ein Kaufargument.

USA bleiben der wichtigste Zielmarkt

Für Pilatus werde es nun darum gehen, diese Vorteile in die Welt zu tragen, und mit dem PC-24 in möglichst vielen Ländern präsent zu sein. Von Stans aus bearbeite man Flottenaufträge (Bestellungen ab drei Maschinen) und Gebiete, die Pilatus keinem lokalen Händler zugewiesen hat. Dennoch dürften die Nidwaldner stärker von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig werden. Ausbalancieren kann das Unternehmen dies mit der Sparte Government Aviation - dem zweiten Geschäftsbereich von Pilatus. Die Regierungsaufträge seien zwar aufwendig in der Akquisition und Abwicklung, dafür gross in den Volumen und weniger von der Konjunktur unabhängig.

Der wichtigste Markt bleibt die USA, wo Pilatus im vergangenen Jahr bezeichnenderweise den ersten PC-24 einem Käufer übergeben hat. Ein Ereignis, von dem Oscar J. Schwenk voller Enthusiasmus erzählt. Verständlich, zumal auch die Bestelleingänge positiv stimmen und sich damit der Erfolg des PC-24 abzuzeichnen beginnt. Weit über eine halbe Milliarde habe man in das Projekt investiert. «11,5 Jahre hat die Entwicklung gedauert und ich habe viel gelitten im vergangenen Jahrzehnt», erzählt Schwenk. Mit diesem Jahr dürfte dies ein Ende haben: «Jetzt konsolidieren wir», titelt Pilatus seinen Geschäftsbericht 2018.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.