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Wie der Preis einer Briefmarke zu Stande kommt

Gedankenlos kleben wir eine Briefmarke auf eine Postkarte aus den Ferien, und der Empfänger freut sich über den Gruss. Doch wie funktioniert das mit dem Porto eigentlich?
Natalie Ehrenzweig
Ein Spruch für die Ansichtskarte ist schnell gefunden, aber welche Briefmarke braucht es für den Versand? (Bild: Getty)

Ein Spruch für die Ansichtskarte ist schnell gefunden, aber welche Briefmarke braucht es für den Versand? (Bild: Getty)

Nostalgiker und Anhänger einer persönlichen Kommunikation werden auch diesen Sommer am Ferienort nach schönen Postkarten Ausschau halten. Darauf schreibt man dann einen netten Gruss aus der Ferne, erzählt vielleicht schon vom Erlebten oder zeigt einfach, dass man an die Daheimgebliebenen gedacht hat. Damit die Grüsse ankommen, gehört oben rechts auf die Karte das Porto. Wer in Australien ist, klebt 2.30 Dollar drauf, aus Frankreich 1.20 Euro und aus Norwegen 18 Kronen. Doch wer erhält eigentlich dieses Geld? Schliesslich wandert unsere Postkarte durch viele Hände, bis sie beim Empfänger ist.

Erstaunlicherweise hat das Porto nur indirekt einen Zusammenhang mit den Kosten, die beim Verschicken einer Ansichtskarte von Australien in die Schweiz anfallen. Das wichtigste Dokument, um diese Frage klären zu können, ist der Weltpostvertrag, der ein völkerrechtlicher Vertrag zur Gründung des Weltpostvereins 1874 war – Sitz des Vereins ist übrigens Bern. Im Weltpostvertrag sind grundlegende Bestimmungen und Vorschriften über den Briefpostdienst zwischen den mittlerweile 192 Mitgliedsstaaten niedergeschrieben. Die Konditionen werden alle vier Jahre neu verhandelt. Wer den Preis einer Schweizer Briefmarke festlegt, ist im Schweizer Postgesetz festgehalten: «Preisanpassungen in der Grundversorgung, also A- und B-Post, müssen durch den Bundesrat genehmigt werden», erläutert Post-Sprecherin Nathalie Dérobert Fellay.

Einheitlicher Tarif für Entwicklungsländer

Wenn nun eine Postkarte von Australien in die Schweiz verschickt wird, werden drei Schritte unterschieden: erstens der Weg vom Briefkasten zur sendenden Postgesellschaft, zweitens der internationale Transport zwischen den Ländern und drittens der Weg zum Briefkasten des Empfängers. «Der Weltpostverein kümmert sich nur um den dritten Schritt, nämlich die finanziellen Ausgleichsleistungen, die das im Inland zustellende Postunternehmen von dem einliefernden ausländischen Postdienstleister erhält», erklärt Paul Schoorl, Vergütungsexperte des Weltpostvereins.

Im erwähnten Vertrag werden die sogenannten Endkosten festgelegt. «Die sendende Postgesellschaft zahlt der empfangenden Postgesellschaft einen Betrag für die Zustellung im Destinationsland», so Francis Meier, Mediensprecher des Bundesamts für Kommunikation (Bakom). Die teilnehmenden Länder könnten ausserdem noch Zusatzvereinbarungen mit Ländern treffen. «Die Endkosten berechnen sich in der Regel als ein Prozentsatz des Inlandpreises für die jeweiligen Sendungen im Destinationsland. Dabei wird davon ausgegangen, dass in den Inlandpreisen neben den Kosten für die Zustellung auch Kosten für Marketing, Verkauf, Annahme und eine Gewinnmarge enthalten ist. Deshalb sind die Endkosten in der Regel tiefer als die Inlandpreise», weiss Francis Meier. Für Entwicklungsländer gebe es zudem einen einheitlichen Kilo-Tarif, welcher keinen Bezug zu den Inlandpreisen mehr habe: «Die Endkosten hängen ausserdem vom Ursprungsland, vom Format, vom Gewicht, von der Geschwindigkeit in der Zustellung und von der Zustellqualität ab».

«Die Endkosten hängen vom Ursprungsland, vom Format, vom Gewicht, von der Geschwindigkeit der Zustellung und von der Zustellqualität ab.»

Natürlich wird nicht bei jeder Postkarte, die aus den Auslandferien nach Hause geschickt wird, gleich eine Abrechnung mitgeschickt, sondern es findet eine jährliche Abrechnung statt. «Basis bildet das Volumen in Kilo und die jeweiligen Durchschnittsgewichte, welche mittels Strukturerhebungen ermittelt werden», sagt Francis Meier. Die Postgesellschaft, welche Gläubiger ist, erstelle die Abrechnung, welche dann von der anderen Postgesellschaft geprüft werde. «Anschliessend werden die Rechnungsbeträge miteinander verrechnet und die Differenz über ein Clearingsystem abgerechnet».

Ob nun all diese Kosten mit der Briefmarke abgegolten sind, ist eigentlich dem jeweiligen Land überlassen. Der Preis für eine Briefmarke ist nach wirtschaftlichen Grundsätzen festzulegen, steht im Postgesetz. «Die versendende Postgesellschaft ist verantwortlich dafür, die Ansichtskarte zum Bestimmungsland oder eben der Transfergesellschaft zu transportieren. Da der Weltpostverein diese Kosten nicht behandelt, wird die Postgesellschaft versuchen, ihre Kosten vom Kunden zurückzubekommen via Porto», erklärt Paul Schoorl.

Wie der Preis einer Briefmarke festgelegt wird, ist in jedem Land anders. Laut Postvertrag soll der Preis aber so gestaltet sein, dass möglichst alle Menschen Zugang zum Postverkehr haben. «Es soll beim Preis ein Gleichgewicht zwischen Marktpreis, politisch-ökonomischen Interessen wie Erschwinglichkeit, Kostendeckung und Entwicklungsstand geschaffen werden», betont Paul Schoorl.

Apps statt Postkarten

Wem das mit der Briefmarke zu komplex ist, kann heute auch Postkarten verschicken, ohne sich selbst um das Porto zu kümmern. Zahlreiche Apps ermöglichen es, Postkarten von eigenen Ferienfotos zu verschicken. So zum Beispiel der PostCard Creator, der vor gut vier Jahren lanciert wurde. «2017 wurden damit mehr als 9 Millionen Postkarten verschickt und die App über 1,6 Millionen Mal heruntergeladen», freut sich Nathalie Dérobert Fellay.

«Das Reise- und Kommunikationsverhalten der Menschen hat sich verändert», erklärt Gion Schneller vom Postkartenverlag Photoglob, weshalb heute viel weniger Postkarten in den Briefkästen landen als noch etwa in den 1990er-Jahren, als in der Schweiz noch 60 Millionen Postkarten – nicht wie heute 20 Millionen – verkauft wurden. Es gebe immer mehr Destinationen, in denen man Mühe habe, überhaupt Ansichtskarten zu finden. Und statt einer Karte schicke man einfach eine Nachricht mit dem Smartphone. «Die Uni Bern hat ausserdem in einer Studie erhoben, dass Leute in den Ferien erst nach etwa zehn Tagen Lust bekommen, Karten zu schreiben. Man muss also auch lange genug verreisen», so der Geschäftsführer. Wie viele Postkarten die Schweizer Post jährlich befördert, wird nicht erfasst.

Erste Briefmarke aus England

Lange Zeit war die Ansichtskarte die günstigste Form der schriftlichen Korrespondenz. Die Branche kam Ende 19. Jahrhundert in Schwung: Der wachsende Tourismus und die Massenproduktion trugen das Ihre zur Entwicklung bei. Die Ansichtskarte war bis zum Ersten Weltkrieg sozusagen das SMS der damaligen Zeit, denn die Post wurde in den Städten mindestens dreimal täglich zugestellt. 1840 erschien in England die erste Briefmarke – davor musste der Empfänger das Porto bezahlen. Drei Jahre danach gaben auch Zürich und Genf erste Briefmarken aus. 2005 gab die Schweiz erstmals vier Briefmarken heraus, die Fotos zeigten, die mit Handys aufgenommen wurden. 2013 führte die Schweizer Post die SMS-Briefmarke ein. (red)

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