Vom Schaf in die Wand

Werner und Christian Büchel machen in Sennwald Isolationsmaterial aus Schafwolle – und retten sie so vor dem Kehricht.

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Sennwald. «Was den menschlichen Körper wärmt, isoliert auch das Haus», sagt Werner Büchel, 74, aus Überzeugung. Er steht in der Werkhalle in seinem Zweimannbetrieb in Sennwald und weiss über alles Auskunft, was mit Schafwolle zu tun hat. Seit vielen Jahren verarbeitet der Liechtensteiner Rohwolle, wie sie auf Bauernhöfen zweimal im Jahr in grossen Mengen anfällt, zu wertvollem Isolationsstoff für den Hausbau.

Büchel ist Tüftler und Selfmademan, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten intensiv mit dem Thema Baubiologie und natürlichen Baustoffen beschäftigt hat. Zur Schafwolle ist er gekommen, als er von einem Rheintaler Schafbauern auf die Frage, was er mit der Wolle mache, die trockene Antwort bekam: «Die beste Entsorgung ist immer noch die Kehrichtverbrennungsanlage.»

Sanftes Waschen

Heute steht Büchel zusammen mit Sohn Christian, 41, nicht ohne Stolz in einer Halle der ehemaligen Tuchfabrik Sennwald, wo die LanaTherm ihren Geschäftssitz hat und unter anderem Isoliermatten für Ökohäuser herstellt.

Mit der Schafwolle hat Büchel ganz klein angefangen. Als er realisierte, welch wertvollen Rohstoff Schafwolle darstellt, hat er den Bauern im Tal die Rohwolle abgenommen, gewaschen und zu Dämmstoffen verarbeitet. Als die Mengen immer grösser wurden, lagerte er den Waschvorgang nach Belgien aus.

«Die verstehen es, die Wolle nach meinen Angaben so schonend zu behandeln, dass das Lanolin, der natürliche Schutz der Wolle vor Feuchtigkeit, nicht ganz ausgewaschen wird», sagt Büchel. Ein Wasserbad mit Borsalz oder Harnstoffderivaten (für den Menschen unbedenkliche natürliche Stoffe) schützt vor Motten und anderen Insekten.

«Der grosse Vorzug der Schafwolle ist die Fähigkeit, bis zu einem Drittel des Eigengewichts Feuchtigkeit an sich zu binden und bei Trockenheit wieder abzugeben», sagt Christian Büchel. Auf dieser Eigenschaft beruht denn auch die ausgezeichnete Wirkung der Schafwolle für das Raumklima. In Kombination schaffen Wärmeschutz und Feuchtigkeitsausgleich im Sommer und Winter ein angenehmes Wohngefühl.

Für Büchels kommt ein spektakulärer Zusatznutzen hinzu: «Die Filtrierung und Bindung von Raumschadstoffen.» Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Schafwolle zum Beispiel Formaldehyd absorbieren und den Menschen vor ungesunden Ausdünstungen aus verleimten Holzplatten bewahren könne.

40 Tonnen Rohwolle

Es ist ein Höllenlärm, wenn Werner Büchel in der Fabrikhalle die über 40 Jahre alte Maschine zum Laufen bringt. Ein Ungetüm, das Vater und Sohn vor ein paar Jahren in Tschechien gefunden haben.

Der Vater hat die Maschine, die vorher Garn produzierte, für seine Zwecke umgebaut.

Zuerst wird die saubere Wolle im Wolf aufgelockert und später auf der Kardmaschine zu Matten verarbeitet. Über mehrere, mit verschieden feinen Reisszähnen versehene Walzen wird die Wolle der Faser nach aufgespalten, als dünnes Vlies läuft sie übers Band und wird auf der letzten Walze zur gewünschten Dicke aufgerollt.

«Ab vier Zentimeter dicke Matten dienen für Zwischenwände, bis zu 25 Zentimeter dick sind die Matten für Aussenwände», sagt Christian Büchel. Jedes Jahr verarbeitet die LanaTherm in Sennwald 40 Tonnen.

Haus als dritte Haut

Die Matten fühlen sich weich und flauschig an. Fast zu schade, dieses Material hinter Wänden zu verstecken. Doch Werner Büchel macht hier keine Kompromisse. Im ökologischen Hausbau sei nur das Beste gut genug.

«Das Haus ist die dritte Haut des Menschen, und auch die muss atmen können und temperaturregelnd sein.» Aus diesem Grund würden diese Isoliermatten am Bau denn auch nicht mit Plastik abgedeckt, sondern mit «Windpapier», einer Mischung aus Woll- und Zellulosefasern, das Büchel ebenfalls entwickelt hat, aber ausser Haus produzieren lässt. Markus Rohner

Aus der Wolle dieses Schafs wird statt Pullovern eine Matte.

Aus der Wolle dieses Schafs wird statt Pullovern eine Matte.

Werner und Christian Büchel bringen Schurwolle in Häuserwände. (Bilder: Daniel Ammann)

Werner und Christian Büchel bringen Schurwolle in Häuserwände. (Bilder: Daniel Ammann)