Vom Dorf in den Weltraum

Ein kleines Unternehmen aus Eggersriet sorgt mit seiner Technologie dafür, dass Satellitendaten punktgenau zur Erde übertragen werden können. Der Chef und Inhaber der Synopta GmbH ist seit Jahrzehnten in der Raumfahrtindustrie tätig.

Thomas Griesser Kym
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Jens Kunde (links) und Reinhard H. Czichy mit dem Laserstrahl-Empfänger einer optischen Bodenstation. (Bild: Urs Bucher)

Jens Kunde (links) und Reinhard H. Czichy mit dem Laserstrahl-Empfänger einer optischen Bodenstation. (Bild: Urs Bucher)

EGGERSRIET. «Der Weltraum begleitet mich mein ganzes Leben.» Das sagt Reinhard H. Czichy, Alleininhaber und Chef der Synopta GmbH. Das Unternehmen ist in einer Werkhalle in Eggersriet eingemietet. Dort entwickeln und produzieren acht Festangestellte und bis zu sieben Teilzeitler hochpräzise Mechanismen zur Ausrichtung des Laserstrahls von optischen Kommunikationssystemen, die auf Satelliten im Weltraum eingesetzt werden. Dieser Tage nun hat die Synopta Grund zum Feiern gehabt: Das erste dieser Geräte wurde erfolgreich auf dem Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-1A der Europäischen Raumfahrtagentur ESA erprobt. Dieser war Anfang April vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana aus ins All transportiert worden und umkreist seither unseren Planeten in einer Höhe von 700 km.

Im All und auf der Erde

Sentinel-1A ist das erste Mitglied der Sentinel-Flotte, dem in den kommenden Jahren weitere Satelliten folgen sollen. Diese sollen allerlei Informationen über die Erde liefern, die wichtig sind für Katastrophen- und Krisenmanagement, Meeres- und Klimaforschung oder Land- und Atmosphärenüberwachung. Um die gesammelten Daten zu übertragen, ist Sentinel-1A mit einem Laserkommunikations-Terminal der schwäbischen Firma Tesat-Spacecom ausgerüstet. Ein zentrales Element dieses Terminals ist das Coarse Pointing Assembly (CPA) der Synopta. Dieses Gerät ermöglicht es, den Laserstrahl auf seinem Weg zu einem anderen Satelliten oder zu einer Bodenstation präzise auszurichten.

Auch dort ist die Synopta mit von der Partie. Denn im künftigen Routinebetrieb werden die Sentinel-Satelliten die gewonnenen Daten zu geostationären Satelliten in einer Umlaufbahn von 36 000 km über der Erde senden, die sie an Bodenstationen weiterleiten. Auch diese Satelliten, von denen der erste bald starten soll, haben Terminals mit CPAs der Synopta an Bord, und diese stellt auch optische Bodenstationen her.

Fachleute, gerne auch ältere

Dem Einsatz des ersten CPAs sind mehrjährige Entwicklungs-, Produktions- und Testarbeiten vorangegangen – verbunden mit «einem hohen finanziellen Risiko», sagt Jens Kunde, der sich mit Czichy die Geschäftsleitung der Synopta teilt. Nach dem ersten Erfolg aber kann die Firma weitere CPAs für Tesat-Spacecom und die ESA bauen, und über einen Folgeauftrag wird derzeit verhandelt. Dass die Firma in Eggersriet sitzt, hat damit zu tun, dass es Czichy «in der Ostschweiz so gut gefallen hat», als er einst für die Fisba Optik in St. Gallen arbeitete. Seine Karriere in der Raumfahrtindustrie begann Czichy 1982 bei MBB in München, wo er Sternensensoren für einen Röntgensatelliten entwickelte. Es folgten Abstecher zur Fisba, zur ESA in Holland, wo er nachwies, dass Laserkommunikation im Weltall funktioniert («eine Pioniertat»), zu Contraves Space (damals Oerlikon-Bührle, heute Ruag Space) und zum US-Konzern Lockheed Martin.

2004 machte sich Czichy selbständig und gründete mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau die Synopta. Diese startete mit Beratung und Engineering und expandierte in die Herstellung. Czichy scharte ein Team aus Ingenieuren, Physikern, Informatikern, Konstrukteuren und Maschinenbauern um sich. In Brüssel hält ein Büro Kontakt zu EU und Nato, in Phoenix eines zur US-Industrie. Viele der Mitarbeitenden sind ältere Fachleute; «sie haben die Erfahrung und das Wissen und geben dieses an die Jüngeren weiter», sagt Czichy. Die Raumfahrt sei eine konservative Branche: «Das systematische Herangehen an Problemlösungen und die Entwicklungsmethoden ändern sich nicht. Und sind unsere Geräte einmal im All im Einsatz, müssen sie 20 Jahre wartungsfrei laufen. Das braucht langjährige Erfahrung.»

Und wie denkt Czichy über ausserirdisches Leben? «Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in den Tiefen des Weltalls Planeten gibt mit Lebensformen.»

Ein CPA zur Laserstrahlausrichtung im Reinraum in Berlin, wo Synopta die Geräte montiert und testet. (Bild: S. Foser/Synopta)

Ein CPA zur Laserstrahlausrichtung im Reinraum in Berlin, wo Synopta die Geräte montiert und testet. (Bild: S. Foser/Synopta)

Das Synopta-CPA (eingewickelt in die quadratische Folie auf der runden Scheibe) am Satelliten Sentinel-1A. (Bild: pd)

Das Synopta-CPA (eingewickelt in die quadratische Folie auf der runden Scheibe) am Satelliten Sentinel-1A. (Bild: pd)