Ostschweizer Ferienanbieter im Wartestand +++ Schutzkonzepte in Arbeit +++ Vom Ausland nur Stornierungen

Die Ostschweiz ist eine Feriendestination, die bei Inländern beliebt ist. Die Reiselust steht aber im Konflikt mit der Coronakrise.

Stefan Borkert
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Campingplätze machen sich bereit für Gäste und warten einstweilen auf das Konzept des Verbandes.

Campingplätze machen sich bereit für Gäste und warten einstweilen auf das Konzept des Verbandes.

Bild: Andrea Stalder

Die Tourismusbranche ist durch das Coronavirus schwer getroffen worden. Das gilt auch für die Ostschweiz. Die Aufforderung, zu Hause zu bleiben, verträgt sich nicht gut mit dem touristischen Grundgedanken des Reisens, hat folgerichtig der Schweizer Tourismusverband festgestellt. Er zeigt sich aber kooperativ und verständnisvoll: «Es ist nicht im Interesse der Tourismusbranche, dass es eine zweite Infektionswelle gibt.» Die Allianz, die am Sonntag beim Bundesrat vorgesprochen hat, versichert, dass sie im Hinblick auf eine zeitnahe Öffnung alles daran setzen werde, entsprechende Massnahmen zu erarbeiten, um sowohl Gäste als auch Mitarbeitende zu schützen. Diverse Schutzkonzepte, unter konsequenter Berücksichtigung der Kriterien des Bundesamts für Gesundheit (BAG), seien bereits erarbeitet. Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, sagt, dass heute eine Sitzung der Ostschweizer Tourismusorganisationen stattfinde. An dieser werde man sich dann auch mit dem Tourismusgipfel befassen.

Reisebüros mit wenig Neubuchungen

Von diesem Gipfel haben unterdessen Reisebüros zunächst wenig profitiert. Jörg Waldvogel von der Chrisway Travel AG St.Gallen erklärt, dass der inländische Tourismus im Vordergrund stehe. «Unsere Outgoing-Branche wird zurzeit nicht prioritär behandelt.» Anfragen hätten sie glücklicherweise schon, aber konkrete Neubuchungen für die kommenden Monate seien selten. Diese Anfragen kämen allesamt aus dem Ausland. Am Geschäftsmodell will Waldvogel unterdessen nicht rütteln: «Wir sind auf beratungsintensive Reisen spezialisiert und werden das auch in Zukunft bleiben. Für eine Analyse der Situation und daraus folgende Konzepte ist es noch zu früh.»

Daniel Pauli, Chef des Flussschiffspezialisten Thurgau Travel in Weinfelden, sagt, das Ergebnis des Gipfels sei für Auslandreisen ja nicht relevant. Grossen Handlungsbedarf für die Flusskreuzfahrten sieht Pauli jedoch nicht: «Auf unseren Schiffen herrscht seit jeher ein sehr hoher Hygienestandard. Dinge wie Handdesinfektion für Gäste und Crew oder verschiedene Putz- und Hygieneprotokolle, die je nach Bedarf eingesetzt werden können, gehören seit vielen Jahren zum Standardrepertoire.»

Anfragen aus der Schweiz

Alexandre Spatz vom Thurgauer Wellnesshotel Golf Panorama und Präsident von Hotellerie Ostschweiz ist froh, dass sich eine Tourismusallianz gebildet hat. Anfragen bekämen sie mehrheitlich aus der Schweiz. Er versichert ausserdem, dass sich die Direktoren und Gastgeber der geöffneten Ostschweizer Hoteliers an die BAG-Normen halten. Eine Ostschweizer Gästekarte und weitere kreative Ideen seien in Planung. Andre Balzer, Inhaber der Gruppenhaus.ch GmbH, die 1000 Gruppenhäuser im Ausland, der Schweiz und auch in der Ostschweiz verwaltet, sagt, dass die Anfragen zunehmen. Für März, April und Mai hätten sie allerdings fast nur Stornierungen. Aber nun kämen wieder Anfragen, und diese vor allem aus der Schweiz. «Wir raten den Verwaltern zur Vorsicht und Kulanz bei Umbuchungen, und viele Gruppen verschieben gegebenenfalls Termine in den Sommer und Herbst. Dort müssen dann die Vorgaben beachtet werden, zum Beispiel zur Gruppengrösse.»

André Eisele, Sprecher der Schweizer Jugendherbergen, geht von Sommerferien aus, die allerdings anders aussehen werden als bisher gewohnt. Für die Kreuzlinger Jugendherberge gibt es wieder Anfragen: «Seit drei Wochen verzeichnen wir wieder Neubuchungen für die Sommer- und Herbstmonate. Das stimmt positiv.» Zurzeit seien das ausschliesslich Anfragen aus der Schweiz. «In Kreuzlingen haben wir vor allem Buchungen von Familien aus den Regionen Zürich, Bern, Basel und Zentralschweiz.» Eisele ergänzt: «Wir arbeiten an einem Schutzkonzept. Es braucht gewisse Anpassungen an der Infrastruktur zur Einhaltung der Distanzregeln. Das heisst, dass wir Bereiche umstellen, ausdünnen oder Trennelemente wie Plexiglasscheiben in öffentlichen Bereichen installieren.»

Beim Eschenzer Campingplatz Hüttenberg gehen viele Buchungen aus der Schweiz für die Sommerferien ein.

Beim Eschenzer Campingplatz Hüttenberg gehen viele Buchungen aus der Schweiz für die Sommerferien ein.

Fabienne Engbers

Beim vielfach ausgezeichneten Campingplatz Hüttenberg oberhalb von Eschenz laufen derzeit viele Buchungen ein. Geschäftsführer Marcel Meier sagt: «Anfragen und Buchungen sind nie ausgeblieben. Derzeit werden wir so richtig mit Buchungen für die Sommerferien überflutet.» Die Anfragen kämen allesamt aus der Schweiz. «Vom Ausland kommen nur Stornierungen.» Nun warte er noch das Sicherheitskonzept des Campingverbands ab.

Jeder Vierte bucht keine Ferien mehr

Die Schweizer Bodenseeregion ist wichtig für die Reka-Dörfer, von denen es auch in Wildhaus und Urnäsch welche gibt. Damian Pfister, Leiter Reka-Ferien, sagt: «Die Kantone St. Gallen und Thurgau sind wichtige Quellmärkte für Reka-Ferien in der Schweiz. Gäste aus diesen Kantonen fahren in alle Landesteile.» Und man habe nun ein umfassendes Schutzkonzept erstellt.
Das braucht es auch, denn die Coronakrise wirft auf das Reiseverhalten lange Schatten. In einer heute publizierten Umfrage von Ebooker spiegeln die Ostschweizer Daten das wider. Sprecherin Claudia Parker erläutert: «Knapp 12 Prozent der Ostschweizer haben private Ferienreisen mit Antritt Mai/Juni gebucht. Mit Reiseantritt Juli/August sind es 18,4 und für September/Oktober 8,8 Prozent.» Etwa 33 Prozent hätten keine Ferien gebucht, planten dies aber noch zu tun, und ein Viertel hat keine Ferien gebucht und plane das auch nicht.
Nach Corona tendierten ein Drittel der Schweizer zu Inlandreisen und nach wie vor 24 Prozent zu Europareisen. In der Ostschweiz seien das 31,2 Prozent, die häufiger im Inland reisen. 21,6 Prozent der befragten Ostschweizer werden ausserdem weniger oft in Europa reisen. Viele warten auch noch ab. Mehr als 27 Prozent der Ostschweizer Reiselustigen würden kurzfristig buchen. Corona habe auch Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl und die Solidarität. Knapp 50 Prozent der Befragten wollen demnach künftig eine Reiseversicherung abschliessen. Und ebenfalls etwa 50 Prozent wollen kleinere Hotels oder Pensionen bei der Buchung unterstützen. (bor)