Volltreffer eines Kartenspielers

Ihre ausgeklügelten Kunststoffprodukte finden Verwendung bei Aids-Tests, aber auch für Pipetten. Oder in Kaffeemaschinen und in vielem mehr. Nun ist die Treff AG nominiert für den Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz.

Thomas Griesser Kym
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Ein Treff-Mitarbeiter in einem der Reinräume, die 1400 der 11 000 Quadratmeter Produktionsfläche des Unternehmens belegen. (Bilder: Ralph Ribi)

Ein Treff-Mitarbeiter in einem der Reinräume, die 1400 der 11 000 Quadratmeter Produktionsfläche des Unternehmens belegen. (Bilder: Ralph Ribi)

DEGERSHEIM. «Wir verkaufen Know-how.» Das sagt der Geschäftsführer eines Unternehmens, das Jahr für Jahr Abermillionen Komponenten aus Kunststoff herstellt. Die Rede ist von Guido Vollrath und der Treff AG, die für den Prix SVC Ostschweiz nominiert ist. Die Degersheimer Firma mit 190 Mitarbeitenden verarbeitet zwar nahezu alle Arten von Thermoplasten mittels Spritzguss, sieht sich aber doch mehr als Dienstleister. Zu 90% ist das Unternehmen, das rund 50 Mio. Fr. umsetzt, als Zulieferer tätig. «Die Kunden kommen mit einer Idee oder einem Problem zu uns, und gemeinsam suchen wir eine Lösung», erklärt Vollrath. Deshalb spielt das Engineering eine zentrale Rolle: Treff erstellt Machbarkeitsstudien, entwickelt Produkte, konstruiert Werkzeuge, garantiert Validierungen sowie Rückverfolgbarkeit und unterhält ein Sicherheitslager, um Kunden jederzeit just in time beliefern zu können.

Von Sauberkeit bis Reinheit

Hauptprodukte der Sparte Industrie sind technische Teile. Hergestellt werden sie in Hygienezonen, weil die Erzeugnisse auch in Geräten für Lebensmittel verbaut werden. So ist Treff etwa ein gewichtiger Lieferant von Baugruppen für Kaffeemaschinen mehrerer namhafter Marken. Noch strenger sind die Anforderungen an die Sauberkeit in der Sparte Medizintechnik, für die Treff mehrere Reinräume eingerichtet hat. Hier werden Laborwaren, Medizinprodukte und Produkte für die In-vitro-Diagnostik (IVD) hergestellt, also beispielsweise für Aids- oder Hepatitis-Tests. Es sind mehrheitlich Einmalprodukte in hohen Stückzahlen, die noch im Reinraum in eine Primärverpackung kommen. «Jedes Produkt wird mit einer Kamera kontrolliert», sagt Vollrath.

Neben dem Engineering und der Herstellung bietet Treff auch die Montage von Baugruppen, Ultraschallschweissen und – mit Schweizer Partnerfirmen – Oberflächenveredelung wie Lackieren und Beschichten. Auch kann der Kunde die Produkte bedrucken oder beschriften lassen. Das Beschriften mit Laser erlaubt eine individuelle Kennzeichnung jedes einzelnen Produktes, was wiederum Vorteile für die Rückverfolgbarkeit bietet.

Ingenieure im Verkauf

Am Standort Degersheim ist Vollrath mit den Rahmenbedingungen sehr zufrieden, wie er sagt. «Schwierig, aber nicht unmöglich» sei die Rekrutierung von Fachkräften. Treff beschäftigt Kunststofftechnologen, Projektleiter, Werkzeugmacher. Zudem bildet man in der Produktion sieben Lernende aus. Selbst im Verkauf sind Ingenieure tätig, denn «unsere Kunden wünschen technische Beratung». Glücklicherweise gebe es in der Ostschweiz einen Kunststoff-Cluster, mit anderen Firmen wie SFS, Plaston, Noventa, Sika Automotive, Huber + Suhner oder Wagner. Und Vollrath hofft, dass die Nominierung für den Unternehmerpreis die Treff AG bekannter macht, was die Rekrutierung erleichtern könnte.

Die Schweiz ist ein teurer Produktionsstandort. Deshalb konzentriere sich Treff auf anspruchsvolle Formteile und Projekte, sagt Vollrath. «Unsere Kunden kaufen global ein, bei Standardprodukten sind die Preise auf dem Weltmarkt zu tief.» Als Folge der Frankenaufwertung hat Treff ihren Kunden Preisnachlässe gewährt. Kompensiert wurden diese über den billigeren Einkauf von Rohstoffen und über Abstriche an der Marge. Direkt in den Export liefert Treff rund 45% ihrer Produkte, indirekt aber, wenn man die Ausfuhren der Schweizer Kunden einbezieht, sind es etwa 95%. An der Überbewertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro «haben wir zu beissen. Einen Wechselkurs von 1.10 können wir aber verkraften, da wir in der Produktion einen hohen Automatisierungsgrad haben», sagt Vollrath.

Kartenspieler als Gründer

Forcieren will Treff den dritten Pfeiler – TreffLab. Unter diesem Namen stellt das Unternehmen Laborartikel für den manuellen Einsatz her, also zum Beispiel Pipetten, Reaktionsgefässe usw. Die Produkte werden global über ein Händlernetz aus 50 freien Agenturen vertrieben, vor allem in den USA, in Deutschland, Japan, Südafrika und der Schweiz. «Bei TreffLab investieren wir in neue Produkte», sagt Vollrath.

Aber auch in der Medizintechnik habe man «noch ein paar Ideen». In der eigentlichen Produktion gehe es vor allem darum, immer noch rationeller zu werden. Und was hat es mit dem Namen Treff auf sich? Als Gründer Rudolf Frei 1946 sein Unternehmen als Frei AG ins Handelsregister eintragen wollte, erfuhr er, dass es schon viele andere Betriebe mit dem Namen Frei gebe. So wählte er, seiner Leidenschaft fürs Kartenspiel folgend, die Farbe Treff oder Kreuz der französischen Spielkarten. Dazu passt, was Vollrath über die Treff AG sagt: «Wir sind ein bodenständiges Unternehmen und sehen uns als Familie.» Apropos Familie: Das Unternehmen gehört nach wie vor der Gründerfamilie.

Guido Vollrath Geschäftsführer der Treff AG (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Guido Vollrath Geschäftsführer der Treff AG (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

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