Vollgeld – kein besseres Geld

Börsenspiegel

Daniel Kalt Chefökonom Schweiz UBS Wealth Management
Drucken
Teilen

Am 10. Juni wird das Schweizer Stimmvolk über die Vollgeld-Initiative befinden. Angesichts der komplexen Materie dürfte vielen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Entscheidung nicht leichtfallen. Denn die Initianten versprechen das Blaue vom Himmel für ein Experiment, das in dieser Form noch nie durchgeführt wurde – schon gar nicht in einer offenen, global vernetzten Volkswirtschaft wie der Schweiz.

Mit der Einführung von Vollgeld wollen die Initianten unser Geldwesen total umbauen. Damit würden sie enorme Unsicherheit schaffen und vor allem den Privathaushalten enorme Nachteile aufbürden. So könnten sowohl Private wie auch KMU ihre Guthaben nicht mehr bei einer Bank ihrer Wahl auf der Bilanz halten. Banken müssten in einem Vollgeldregime die Lohnkonten ihrer Kunden ausserhalb der Bankbilanz führen. Dazu müssten eigens nur dafür vorgesehene Transaktionsbanken geschaffen werden, welche die Einlagen der Kunden wiederum vollständig bei der SNB deponieren (= Vollgeld). Diese Konten würden gemäss den Vorstellungen der Initianten nicht verzinst.

Wie Schnee an der Frühlingssonne

Dies wäre höchstproblematisch. Wenn die Inflation dereinst zurückkehrt, würden die Vollgeldsparguthaben der Privatanleger, aber auch die Barmittel, welche die KMU für ihre täglichen Zahlungsgeschäfte brauchen, unverzinst dahinschmelzen wie Schnee an der Frühlingssonne.

Das Versprechen, dass es mit Vollgeld nie mehr zu einer Finanzkrise kommen wird, beruht auf einem grossen Irrtum. Die Initianten orten nämlich im Risiko eines «Bankruns» durch private Sparer die einzige und alleinige Gefahr für Probleme im Finanzsektor. Sie übersehen dabei, dass nicht nur private Spareinleger, sondern auch andere Geldgeber einer Bank das Vertrauen und damit die Gelder entziehen können.

So geschehen während der Finanzkrise von 2008/2009, als sich der Bankensektor mit genau diesem Problem konfrontiert sah. Ebenso kann es auch in einem Vollgeldsystem zu einer Immobilienblase und in der Folge zu Problemen im Bankensektor kommen. So wird klar, dass die Initianten mit dem Vollgeldkonzept ein leeres Versprechen für ein angeblich krisensicheres Bankwesen abgeben.

Da macht es viel mehr Sinn, den von der Finanzmarktaufsicht und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) seit der Finanzkrise beschrittenen Weg weiterzu- verfolgen und dafür zu sorgen, dass die Banken die inzwischen deutlich verschärften Vorgaben zur Haltung von Eigenkapital und Liquiditätspolster auch tatsächlich umsetzen und einhalten.

Daniel Kalt Chefökonom Schweiz UBS Wealth Management