ERNÄHRUNG
Volle Teller trotz Dürren, Fluten und Stürmen

Immer mehr Menschen mit weniger Land satt bekommen, und dies nachhaltig und verantwortungsvoll – Ideen dazu lieferte eine Runde aus Expertinnen und Experten am Symposium St.Gallen.

Thomas Griesser Kym
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Ein Feld mit jungen Pflanzen, gezogen mit Saatgut des Agrochemiekonzerns Syngenta.

Ein Feld mit jungen Pflanzen, gezogen mit Saatgut des Agrochemiekonzerns Syngenta.

Bild: Patrick B. Krämer/KEY

Die Weltbevölkerung nimmt zu, zehn Milliarden Menschen dürften es bis 2050 sein. Gleichzeitig setzt der Klimawandel, der immer mehr Temperaturextreme, Waldbrände, Dürren, Überschwemmungen, Wirbelstürme usw. mit sich bringt, der Landwirtschaft zu.

Was tun? Darüber diskutierte im Rahmen des St.Gallen Symposiums eine Runde, bestehend aus Professorin Louise Fresco, Präsidentin der niederländischen Universität Wageningen und Expertin für Nahrungsmittelproduktion, Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber und Erik Fyrwald, Chef des Agrochemiekonzerns Syngenta.

Zu viel Protein hier, zu wenig dort

Professorin Louise Fresco.

Professorin Louise Fresco.

Bild: PD

Unter der Moderation von Judith Walls, HSG-Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement, wurde rasch klar: Auch bei Nahrungsmitteln geht es um Vertrauen. Denn, wie Fresco sagte:

«Der Konsument sieht im Laden nur das Endprodukt.»

Deshalb werden, wie Fyrwald sagte, Transparenz und Rückverfolgbarkeit immer wichtiger. In die gleiche Kerbe hieb Scheiber, dessen Arbeitgeber Anlagen zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe und zur Herstellung von Nahrungsmitteln baut:

«Wir als Industrie müssen einen verantwortungsvollen Job machen.»
Bühler-Chef Stefan Scheiber.

Bühler-Chef Stefan Scheiber.

Bild: Michel Canonica

Dazu gehöre, zu erklären, was man tue. So hat es sich Bühler auf die Fahnen geschrieben, Anlagen und Prozesse zu entwickeln, die weniger Energie und Wasser verbrauchen, die den Abfall reduzieren und die Nahrungsmittel qualitativ verbessern. Auch forscht Bühler intensiv an pflanzlichen Fleischalternativen und an Insekten als Tierfutter. Die Bedürfnisse der Konsumenten seien aber unterschiedlich, sagte Scheiber:

«Während wir in der Schweiz zu viel Protein essen, haben die Menschen in afrikanischen Ländern zu wenig.»
Syngenta-Chef Erik Fyrwald.

Syngenta-Chef Erik Fyrwald.

Bild: Britta Gut

So sieht Syngenta seine Rolle

Fyrwald versuchte darzulegen, wie Syngenta als Firma einer Branche, die wiederholt in der Kritik stand und steht – Stichwörter gentechnisch verändertes Saatgut, Pestizide –, Teil der Lösung zu sein gedenke. So gehe es darum, immer mehr Menschen mit weniger Land ernähren zu können. Dazu könne Syngenta den Bauern mit entsprechendem Saatgut helfen, trotz Wetterextremen gute Ernteerträge zu erzielen, und dies erst noch, indem mehr CO2 im Boden gebunden werde.

Zudem sagte Fyrwald, Syngenta habe den Pestizideinsatz über die Jahre massiv reduziert. Umweltschützer kritisieren freilich, das sei nicht genug, wie etwa ein Streit um Syngenta-Pflanzenschutzmittel mit dem Fungizid Chlorothalonil zeigt. In diesen Kontext passt eine Aussage von Bühler-Chef Scheiber:

«Wir müssen auch mit jenen Leuten diskutieren, die anderer Meinung sind als wir.»