Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VOLKSWIRTSCHAFT: «Hin und Her macht die Taschen leer»

Wettbewerb und Flexibilität sind Trümpfe der Schweiz, die auch im internationalen Vergleich stechen. Reiner Eichenberger spricht zu Chancen und Risiken am Anlegerapéro der Bank Acrevis in St. Gallen.
Stefan Borkert
Zuwanderer sollen sich an Kosten beteiligen, die sie verursachen, sagt Reiner Eichenberger. (Bild: Urs Bucher)

Zuwanderer sollen sich an Kosten beteiligen, die sie verursachen, sagt Reiner Eichenberger. (Bild: Urs Bucher)

Interview: Stefan Borkert

Reiner Eichenberger, sind Sie als Anleger ein Zocker?

Ganz sicher nicht. Mit Einzelaktien kann man den Markt nicht schlagen. In einem intakten Aktienmarkt ist alles Wissen über die Zukunft eigentlich schon im Aktienkurs enthalten. Wir wissen, dass Aktien langfristig die bessere Anlage sind als etwa Obligationen. Aber wir wissen nicht genau, welche Aktien das sind.

Was empfehlen Sie also den Anlegern?

Auf jeden Fall langfristig denken und anlegen. Es gilt immer noch die alte Börsianerweisheit: Hin und Her macht die Taschen leer. Ich lege in Aktien so an, dass es mir Spass macht. Man sollte in das investieren, wozu man eine Beziehung hat. Es muss Spass machen, den Kurs zu beobachten, den Börsenbericht zu lesen und sich mit der Unternehmung zu beschäftigen. Aber man muss auch aufpassen. So sollte ein Autonarr nicht nur Autoaktien halten, sondern zur Absicherung sein Portfolio trotzdem noch breit streuen. Dazu braucht es dann auch eine gute Beratung.

Für nicht geringe Turbulenzen und Diskussionen hat der SNB-Entscheid vor drei Jahren gesorgt, als der Mindestkurs aufgehoben wurde. War das richtig oder falsch?

Das war klar der richtige Entscheid. Die SNB hat das hervorragend gemacht. Ich meine, den Kurs von einer anderen Währung loszulösen, ohne dass es vorher Spekulationen gab. Es wäre für die SNB sehr teuer geworden, wenn es Spekulanten gelungen wäre, Positionen aufzubauen. Die SNB wusste, dass diese spekulativen Attacken kommen würden. Das heisst, die SNB hätte den Kurs nur mit dem weiteren Aufbau von massiven Positionen verteidigen können.

Aber viele Unternehmen stöhnten unter dem hohen Schweizer Franken.

Der starke Schweizer Franken ist volkswirtschaftlich gesehen überhaupt kein Problem. Natürlich war die Exportindustrie ­gefordert und diejenigen, die im Wettbewerb mit dem Import ­stehen. Das ist klar. Das ist auch ­anstrengend. Aber gesamtvolkswirtschaftlich muss man ja die Konsumseite sehen. Und dank dem teuren Schweizer Franken konnten wir in der Zeit fantastisch leben. Wenn man den realen Konsum anschaut, dann war es eine goldene Zeit. Das wissen vor allem jene, die in die Ferien gegangen sind, die ein Auto oder sonstige Produkte gekauft haben, da die Importpreise massiv gesunken sind. Aber klar, für konzentrierte Interessengruppen, wie etwa die Produzenten, ist das störend.

Ein häufiger Vorwurf ist, dass Arbeitsplätze vernichtet wurden.

Wir haben und hatten Vollbeschäftigung. Ein schwächerer Franken führt eben auch dazu, dass wir mehr exportieren, mehr produzieren und deswegen mehr Zuwanderung brauchen.

Sie haben sich mehrfach geäussert, dass der Franken gar nicht überwertet ist.

Ich verstehe die SNB nicht, wenn sie sagt, der Franken sei zu hoch. Die Schweiz hat den höchsten Exportüberschuss pro Kopf in Europa. Man kann keinen hohen Exportüberschuss haben, wenn der Franken zu stark bewertet ist. Im Gegenteil. Der hohe Franken spiegelt die enorme Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. Und er ist auch ein Jungbrunnen für die Schweizer Wirtschaft. Denn mit einem schwachen Franken überleben auch Firmen, die Arbeitskräfte für etwas einsetzen, das gar nicht produktiv ist.

Ist es ein Vorteil für die Schweiz, dass sie eine eigene Währung hat?

Generell ist Kleinheit ein Vorteil, Grösse hat viele Nachteile. Es wird häufig einfach zu viel Unterschiedliches zusammengepackt. Aber ich will nicht das Loblied der Kleinheit singen. Entscheidend ist die flexible Schweizer Wirtschaftsstruktur. Wenn man eine eigene Währung hat, dann gibt es auch Schwankungen. Aber das hält auch fit. Man kann nur reagieren, wenn man flexibel ist, wenn man auch neue Geschäftstätigkeiten rasch aufbauen kann.

Reizthemen wie die Zuwanderung gehen Sie offensiv an. Sie fordern von der Politik auch Massnahmen. Wie sollten die aussehen?

Man muss nicht gegen die Zuwanderung etwas machen, sondern Zuwanderung vernünftig lenken. Zuwanderung ist in der Schweiz ein Riesenproblem wegen des starken Bevölkerungswachstums über die letzten zehn Jahre gesehen. Das verursacht, um nur ein Beispiel zu nennen, beim Infrastrukturausbau enorme Kosten. Zuwanderer sollten sich über Abgaben an diesen Kosten beteiligen. Sie kommen ja in die Schweiz, weil es ihnen hier besser geht.

Macht die EU da mit?

Bestimmt. Der Bundesrat sollte seine Verhandlungslinie ändern und überlegen, welche Lösungen am ehesten EU-kompatibel sein könnten. Kontingente sind das sicher nicht. Die EU steuert in allem, was sie macht, nicht mit Kontingenten, sondern mit finanziellen Abgaben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.