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Der Elektro-Golf aus dem «Trabi»-Werk

Im Werk in Zwickau trimmt Volkswagen 8000 Angestellte fit fürs Elektronikzeitalter. Berlin steuert Milliarden an den Umbau bei.
Christoph Reichmuth aus Zwickau
Volkswagen-Werk in Zwickau: Wo früher Trabis vom Band rollten, werden heute moderne E-Autos gebaut. (Bild: Oliver Killig, 30.August 2019)

Volkswagen-Werk in Zwickau: Wo früher Trabis vom Band rollten, werden heute moderne E-Autos gebaut. (Bild: Oliver Killig, 30.August 2019)

Ein Ballet von rotierenden Roboterarmen, schweissenden Geräten, alles vollautomatisch. Die über 1600 Roboter arbeiten erstaunlich geräuscharm in diesen gigantischen Hallen im Volkswagen-Werk in Zwickau, das so gross ist wie elf Fussballfelder. Die Mitarbeiter fahren mit Fahrrädern durch die Gänge, um von A nach B zu gelangen. Hier baute der Konzern bis vor kurzem Fahrzeuge mit reinen Verbrennungsmotoren, 1350 Autos pro Tag liefen vom Band, 300 000 Autos pro Jahr.

Jetzt wird das Werk, in dem einst der Trabant gebaut worden ist, umgestellt auf elektrobetriebene Modelle. Ein Novum weltweit, noch nie wurde ein laufender Betrieb vollständig umgerüstet von Verbrennungs- auf Elektromotoren. Ab nächstem Sommer sollen aus Zwickau mit seinen 8000 Angestellten nur noch Elektrofahrzeuge ausgeliefert werden, der Konzern investiert in den Standort am Rande des Erzgebirges 1,2 Milliarden Euro.

Drei E-Modelle von VW, einen von Seat, zwei von Audi, Made in Zwickau. Heiko Rösch leitet den Karosseriebau, er steht vor einem Skelett eines neuen E-Fahrzeuges, eine Art E-Golf, den sie hier etwas sperrig ID.3 nennen: «Der gesamte Unterboden wird die Batterie sein. Man sitzt quasi auf der Batterie», sagt der 52-Jährige. Es werden Modelle ab 30 000 Euro mit Reichweiten von 330, 420 oder 550 Kilometern gebaut. Umso leistungsstärker die Batterien, desto teurer das Auto. Die Batterien sollen eine Lebensdauer von 160 000 Kilometern haben.

Umstellung oder Strafzahlungen an EU

Die Umrüstung bei Volkswagen ist nach Ansicht von Automobilexperten dringend notwendig, damit der deutsche Automobilmarkt mit Konkurrenten in Asien Schritt halten kann. Der Ökonom Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagt: «Wir brauchen die Elektroautos dringend, um ab 2020 die EU-Richtlinien einhalten zu können.» Ab nächstem Jahr hat die EU den zulässigen Grenzwert beim CO2-Ausstoss bei Neuwagen deutlich gesenkt. Werden diese nicht eingehalten, drohen hohe Strafzahlungen.

Unterstützt werden die Anstrengungen der deutschen Automobilindustrie für saubere Antriebstechniken vom Bundesumweltministerium in Berlin. Gemäss einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» von gestern schlägt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) milliardenschwere Massnahmen für den Klimaschutz vor. Demnach sollen bis 2030 mindestens sieben Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge auf deutschen Strassen unterwegs sein. Käufer von Elektrofahrzeugen sollen nach den Plänen staatlich subventioniert werden. Je nach Grösse und Leistungsfähigkeit des Elektrofahrzeuges erhalten E-Auto-Käufer 2000 bis 4000 Euro vom Staat. Zudem möchte Scheuer die Steuern auf E-Autos senken.

Zeitgleich soll auch die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge ausgebaut werden. Allein diese Massnahmen sollen den Staat bis 2030 10 Milliarden Euro kosten. Zudem plant der Verkehrsminister Preissenkungen für Bahnfahrten. Deutschland muss seine Emissionen im Verkehr senken, um die Klimaziele zu erreichen. Die Emissionen des Verkehrs liegen laut Berichten noch heute auf dem Niveau von 1990.

Im Zwickauer Werk werden sämtliche Mitarbeiter derzeit auf die neue Technologie umgeschult. Obschon mehr Roboter die Arbeiten von Menschen übernehmen werden, können die Angestellten ihre Jobs mindestens bis 2029 behalten, auch dank Steigerung der Kapazität um 10 Prozent auf 330 000 E-Autos jährlich. Gewerkschaften warnen durch die Umstellung auf die Elektromobilität dennoch vor massivem Stellenabbau. In Deutschland hängen 800 000 Arbeitsplätze direkt an der Automobilindustrie, der Umstieg auf E-Antriebe bringt in den nächsten Jahren laut IG Metall 150 000 Jobs in Gefahr, allen voran in der Zuliefererbranche.

Reinhard de Vries, Technologie und Logistikchef im Zwickauer Werk, ist überzeugt, dass sich die Elektroautos – nicht zuletzt dank staatlicher Finanzierungshilfe – bei den Kunden durchsetzen werden. «Wir machen Autos für Millionen, nicht für Millionäre», sagt er.

Kommen die Investitionen von Volkswagen zu spät?

Der Frage, ob die deutsche Automobilindustrie mit der Fokussierung auf E-Mobilität nicht reichlich spät komme, weicht de Vries aus. Er meint lediglich: «Wir sind im Plan. Der Prozess der Elektrofahrzeuge ist nicht mehr aufzuhalten.» Zuversichtlich zeigt sich auch Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer: «Ich gehe davon aus, dass VW den Umschwung schafft.» BMW und Mercedes seien in der alternativen Antriebstechnik noch nicht auf dem Stand von Volkswagen. «Die brauchen noch ein, zwei Jahre länger, aber dann setzt sich der Elektroantrieb auch dort durch.» Dudenhöffer geht davon aus, dass 2035 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr gebaut werden. «Den Diesel wird es schon Jahre vorher nicht mehr geben.»

Heiko Rösch führt stolz durch die riesige Halle, spricht über die Aufbruchstimmung, die die Mitarbeiter im Werk in Zwickau nach anfänglicher Skepsis erfasst habe. Die Umstrukturierung erfordere von den Mitarbeiterin einiges ab. «Wir nennen das Umziehen im Kleiderschrank, weil das alles so beengt ist.» Als Nächstes will VW auch die Werke in Emden und Hannover auf Elektroautos umstellen.

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