Vögele weiter im Sinkflug

Rote Zahlen, weniger Umsatz und die Aktie auf Talfahrt – Charles Vögele kommt nicht zur Ruhe. Die Banken geben der Modefirma nun weitere zwei Jahre Zeit.

Ernst Meier
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Markus Voegeli Operativer Leiter und Finanzchef von Charles Vögele (Bild: ky)

Markus Voegeli Operativer Leiter und Finanzchef von Charles Vögele (Bild: ky)

PFÄFFIKON. Markus Voegeli, Chef von Charles Vögele, ist nicht zu beneiden. Seit August 2013 führt er den Modekonzern als operativer Chef und Finanzchef im Doppelmandat. Und er hat eine sehr fordernde Aufgabe: Den kriselnden Schweizer Traditionskonzern wieder auf die Erfolgsspur – sprich in die schwarzen Zahlen – zu bringen. 2014 sah es noch so aus, als ob Charles Vögele an Flughöhe gewinnt, denn nach drei tiefroten Jahren arbeitete man erstmals wieder rentabel.

Doch die Hoffnung war von kurzer Dauer: Das Ende des Euro-Mindestkurses vom 15. Januar 2015 und der rekordwarme Herbst machten den Plänen von Markus Voegeli einen Strich durch die Rechnung. Gestern präsentierte er am Hauptsitz in Pfäffikon das Ausmass der Misere.

Lage angespannt

Charles Vögele schrieb 2015 einen Betriebsverlust von 51,3 Mio. Franken. Unter dem Strich resultierte gar ein Konzernverlust von 61,8 Mio. Franken. Im Vorjahr lag das Minus bei 10,8 Mio. Franken. Die Verkäufe gingen 2015 um 11% auf 803 Mio. Franken zurück. Während in der Schweiz der Umsatz um knapp 8% sank, zeigten sich die Verkäufe in den übrigen Regionen stabil bis leicht rückläufig (in Euro). Charles Vögele erzielt in den 167 Schweizer Filialen rund ein Drittel des Gesamtumsatzes. Total zählt das Unternehmen 763 Filialen.

Weiterer Abbau in Prüfung

Trotz der miserablen Zahlen und dem anhaltenden Preisdruck durch Frankenstärke und Einkaufstourismus bleibt Verwaltungsratspräsident Max Katz optimistisch. Er konterte Negativschlagzeilen. «Von einem Endspiel bei Charles Vögele kann keine Rede sein. Wir verfügen über einen Plan, wie wir die Firma wieder zum Erfolg zurückführen», gab sich Katz kämpferisch. Der Modekonzern sei auf dem rechten Weg.

«Die von uns eingeleiteten Massnahmen sind richtig. Wir müssen nun einfach noch mehr Gas geben», ergänzte Markus Voegeli. Dabei sei ein weiterer Stellenabbau kein Tabu. Charles Vögele hat bereits 50 Stellen in der Zentrale in Pfäffikon gestrichen. Laut des Chefs erfolgte die Hälfte des Stellenabbaus durch natürliche Fluktuation. Gegen 25 Personen sei gekündigt worden.

«Leute mitten im Leben»

Ausländische Konkurrenten wie Zara oder H&M sowie selber verursachte Managementfehler kosteten Charles Vögele in den letzten zehn Jahren deutlich an Flughöhe. Besonders schmerzhaft war eine völlig misslungene Neuausrichtung: Das Konzept, junge Mode präsentiert von Film-Stars wie Penelope Cruz und Til Schweiger, kam bei der Stammkundschaft gar nicht an. Um neue Konsumentinnen und Konsumenten in die Geschäfte zu locken, fehlte dem börsenkotierten Unternehmen schliesslich der Schnauf. So führte das Abenteuer 2011 zu einem Rekordverlust von 114 Millionen Franken. Der Verwaltungsrat zog die Reissleine. Charles Vögele konzentriert sich seither auf «Mode in der besten Qualität im mittleren Preissegment, mit herzlicher Beratung für Menschen, die mitten im Leben stehen», wie es laut Eigendeklaration heisst.

Die Branche bleibt gefordert. Der Preisdruck und neue Konkurrenz aus dem Internet (Zalando, Fashion Friends usw.) setzen etablierten Anbietern zu. «Der Kuchen mit dem Filialverkauf wird jedes Jahr um zwei Prozent kleiner, weil Umsätze ins Onlinegeschäft abwandern», erklärte Voegeli. Bekannte Läden wie «Bernie's» oder «Companys» haben im letzten Jahr die Tore geschlossen. Auch mit den Filialen von Bata und Blackout ist es bald zu Ende.

Viele Möglichkeiten bieten

«Wir glauben nicht daran, dass in zehn Jahren nur noch online eingekauft wird» sagt Voegeli. Bei Charles Vögele wolle man mit einer «Omni-Channel-Lösung» punkten: Filialverkauf, Online, Abholmöglichkeit und Lieferservice. Weiter will Voegeli mit der Modernisierung der Kollektionen und dem Umbau der Filialen neue Kunden gewinnen. 300 der 761 Geschäfte seien bereits angepasst.

Zumindest in einem Bereich gab es gestern eine gute Nachricht: Für den Konzernumbau und die Rückkehr in die Profitabilität hat das Unternehmen nochmals Zeit bekommen. Der auf Ende Monat auslaufende überlebensnotwendige Bankkredit wurde verlängert. Die Limite des Bankenkonsortiums (darunter UBS und CS) von 245 Mio. Franken garantiert dem Unternehmen die Liquidität für die nächsten zwei Jahre.

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