Vögele kommt nicht zur Ruhe

Mit Frank Beeck wirft bei der Modekette Charles Vögele ein weiterer Firmenchef nach kurzer Zeit das Handtuch. Die Misere reicht über eine Dekade zurück.

Hans Bärtsch
Merken
Drucken
Teilen
Frank Beeck (Bild: ky/Sigi Tischler)

Frank Beeck (Bild: ky/Sigi Tischler)

PFÄFFIKON SZ. Gerade mal ein Jahr leitete Frank Beeck Vögele, immerhin zweieinhalb Jahre hatte Vorgänger André Maeder durchgehalten. Kurz ist beides – und ein Ausdruck des Zustands der Modekette. Diesen prägen tiefrote Zahlen: 119 Mio. Fr. Verlust schrieb Vögele vergangenes Jahr, weitere 54 Mio. Fr. im 1. Semester 2012.

Schiffbruch mit Filmstars

Das Verhängnis reicht zurück ans Ende der 90er-Jahre. Damals expandierte Vögele, vom Familienbetrieb zur Publikums-AG geworden, in horrendem Tempo. Im In- und Ausland wurden Umsatz gebolzt und Marktanteile erhöht – und die Erträge vernachlässigt. Kurz nach der Jahrtausendwende musste Vögele stark bremsen. Eine neue Führung unter Daniel Reinhard lenkte den Konzern in ruhigere Bahnen. Mit der Expansion in vielversprechende Märkte im Osten (Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn) wurde der Bogen allerdings erneut überspannt.

2008 gab Reinhard die Firmenleitung krankheitsbedingt ab. Nachfolger Maeder gab wieder Vollgas – nicht punkto Expansion, sondern indem er das Geschäftsmodell auf den Kopf stellte. Nicht mehr Frauen um die 40 sollten das Hauptzielpublikum sein, sondern jüngere Kunden wie bei H&M. Für die Werbung engagierte Maeder Filmstars wie die Cruz-Schwestern und Til Schweiger. Doch der Erfolg blieb mehrheitlich aus, und zudem fühlte sich die frühere Stammkundschaft vergrault und suchte Unterschlupf bei der Konkurrenz wie zum Beispiel C&A.

Vor einem Jahr musste Maeder gehen. Beeck sollte Vögele sanft zurück zu seinen Stärken führen, zusammen mit Sanierer Hans Ziegler (Oerlikon, Erb-Gruppe) als Verwaltungsratspräsident. Die Strategie stimmt nach wie vor, offensichtlich aber nicht die Art des operativen Vollzugs der Neuausrichtung. So jedenfalls erklärte Vögele gestern die sofortige Trennung von Beeck. Interimschef ist Finanzchef Markus Voegeli.

Migros in Warteposition

Zu schaffen macht Vögele auch die laue Wirtschaftslage samt der Frankenstärke und dem Einkaufstourismus. Und in jenen europäischen Ländern, in denen Vögele sonst noch aktiv ist, halten sich die Konsumenten beim Kleiderkauf zurück. Hinzu kommen Altlasten etwa in der Logistik. Seit 2008 ist die Migros an Vögele beteiligt, inzwischen mit 25%. Der Grossverteiler spricht stets von einer reinen Finanzbeteiligung. Gut möglich, dass daraus mehr wird, falls bei Vögele alle Dämme brechen.