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Visa-Anträge leicht gemacht

Termine bei der Botschaft wahrnehmen, komplizierte Fragebögen ausfüllen – das alles muss nicht sein. Ein Schweizer Start-up bietet an, den Aufwand beim Beantragen des Visums auf ein Minimum zu reduzieren.
Andreas Lorenz-Meyer
Auch für den Trip ins Reich der Mitte und zur Chinesischen Mauer braucht es ein Visum. (Bild: Donat Sorotkin/Getty; Peking, 25. April 2018)

Auch für den Trip ins Reich der Mitte und zur Chinesischen Mauer braucht es ein Visum. (Bild: Donat Sorotkin/Getty; Peking, 25. April 2018)

Chinesische Mauer, Basilius-Kathedrale in Moskau, das Mausoleum Tadsch Mahal in Indien. Wer diese berühmten Orte sehen will, braucht ein Visum für die Einreise ins jeweilige Land. Die Beantragung kann eine zeitraubende, mitunter nervige Angelegenheit sein. Auf die Reisetätigkeit wirkt sich die Visapflicht aber offenbar nicht negativ aus. Bei DER Touristik Suisse AG, ehemals Kuoni, gehört China jedenfalls seit Jahren zu den stark nachgefragten Destinationen. «Und das visapflichtige Vietnam ist derzeit nach Thailand das beliebteste Ziel in unserem Südostasien-Portfolio», so Mediensprecher Markus Flick.

Auch bei Indien und Russland gibt es ein Buchungsplus. Viel wichtigere Argumente für die Reise in ein bestimmtes Land seien Kultur, Natur, Anreise und Preisniveau. Höchstens bei Kurzreisen wie Städtetrips nach St. Petersburg könnte die Visumspflicht ein Grund sein, die Pläne zu ändern. Asien-Spezialist Asia 365 und der Nordland-Experte Kontiki von DER Touristik Suisse übernehmen für ihre Kunden gegen Gebühr die Behördengänge bei allen visumspflichtigen Ländern – Vietnam, China, Indien, Myanmar, Russland, Mongolei. Der Service wird sehr oft in Anspruch genommen. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach dem Aufwand. Kontiki verrechnet für die Einholung eines Russland-Visums 60 Franken pro Pass. Flick weist auf ländertypische Unterschiede hin.

«Nicht einfach, den Überblick zu behalten»

Ein China-Visum muss persönlich beantragt und abgeholt werden. Der Fragenkatalog für ein Indien-Visum ist ausführlich. Auf elektronischen Visumsanträgen für Russland sollte man Tippfehler strikt vermeiden. Generell gibt es für das Passfoto klare Richtlinien. Und teilweise müssen umfang­reiche Versicherungsbestätigungen beigelegt werden. «Hier den Überblick zu behalten, ist nicht immer ganz einfach», sagt Flick. Auch die Bearbeitungszeiten der Botschaften variieren. China etwa eine Woche, Myanmar und Indien zwei bis drei Tage. Hinzu kommt der Aufwand für die Vorbereitung. Flick rät Reisenden, das Thema bereits bei Buchung zu bedenken.

«Visa bedeuten nach wie vor einen grossen Umstand», stellt Niklas Zeller fest, Co-Gründer von Viselio. Das Berner Unternehmen will Kunden umständliche Prozeduren ersparen. Es führt vollständig digitalisierte Visa-Anträge für Russland, China, Indien und Vietnam durch. Vollständig digitalisiert heisst, die Kunden müssen den Antrag online ausfüllen, unterschreiben und mit dem Originalreisepass zu Viselio schicken – den Rest erledigt das Unternehmen.

«Visum in 7 Minuten», lautet das Versprechen. Die meisten Antragsteller schaffen diese Zeit oder bleiben sogar darunter. Beim Ausfüllen bemüht sich Viselio um Vereinfachung. Passnummer oder Adresse müssen nur einmal angegeben werden. Die Digitalisierung beschleunigt der Antrag massiv, so Zeller. Als Schlüsseltechnologie bezeichnet er die Übernahme von Daten aus anderen Systemen. Hier arbeitet Viselio mit dem Wetzikoner Dienst Umbrella Faces zusammen, der die Profildaten von Reisebüros ordnet. «Durch die Datenübernahme können wir einen grossen Teil des Formulars vorab ausfüllen», erklärt Zeller. Die Beschäftigung mit leidigen Details wie dem Visumstypus fällt dadurch weg. Voraussetzung für die Datenübernahme: Die Kunden verreisen mit Reiseveranstaltern oder Reisebüros, mit denen Viselio kooperiert.

Im Moment ist das bei 30 Prozent der Kunden so. Zudem benötigt Viselio die Erlaubnis zur Datenübernahme. Andere Visa-Agenturen würden das Visum zwar auch einholen, sagt Zeller, aber nicht beim Zusammenstellen des Antragsdossiers helfen. «Bei uns muss sich keiner mit russischen Regierungsseiten herumschlagen.» Durch den standardisierten Prozess sei es gelungen, den Prozentsatz der falsch oder unvollständig ausgefüllten Dossiers im Mai auf unter 14 Prozent zu drücken. In der Branche seien sonst 50 bis 60 Prozent üblich.

Treffen Dokumente morgens vor 9.30 Uhr bei Viselio ein, geht der Antrag noch am gleichen Tag raus. Sobald er in der Botschaft ist, aktualisiert der Viselio-Kurier den Status und gibt dabei das erwartete Abholdatum bekannt. Das wird von der Botschaft mitgeteilt oder basiert auf Erfahrungswerten. Kunden können den gesamten Ablauf auf einer Track &Trace-Seite online nachverfolgen. Den Prozess beeinflussen auch die Eigenheiten des jeweiligen Landes. Zeller kennt Botschaften, die nur Anträge annehmen, wenn sie mit Kugelschreiber in einer bestimmten Farbe unterschrieben wurden. Die Regeln können sich von einem Tag zum anderen und je nach Botschaftsmitarbeiter ändern.

Die Hälfte der Mitarbeiter sind IT-Spezialisten

Nicht zu vergessen die Konsulargebühren. China betreibt eine eher einheitliche und moderate Preispolitik, findet Zeller. Die Konsulargebühr beträgt für einen Schweizer bei einfachem Touristenvisum 70 Franken. Indien hat dagegen höhere Preise (205 Franken). Zu den Konsulargebühren kommen Viselios Servicegebühren. Die hängen von der gewählten Bearbeitungszeit ab: bei Touristenvisa 75 Franken für neun Werktage, 90 Franken für Expressanträge (fünf Werktage), 100 Franken für «Urgent»-An­träge (zwei Werktage). Der Preis umfasst den Versand und bei Russland eine Krankenkassen­bestätigung. Kostenbeispiel: Ein Schweizerin, die ein einfaches Touristenvisum für China beantragt, zahlt für die Standardbearbeitung 145 Franken – 70 Franken Konsulargebühr plus 75 Franken Viselio-Gebühr.

Seit Dezember 2016 ist Viselio in der Schweiz tätig, seit September 2017 mit der automatischen Plattform. Im Januar startete man in Deutschland und am 6. Juni in Österreich. Die Firma beschäftigt 33 Vollzeitmitarbeiter. Knapp die Hälfte sind IT-Leute. Dazu kommen Marketingspezialisten und die Kuriere. Schliesslich gibt es noch die Research-Abteilung, die den Service für die jeweilige Destination vorbereitet und aktualisiert. Die Mitarbeiter haben momentan eine Menge zu tun. Mit Russland, China, Indien, Vietnam deckt man zwar schon gut 75 Prozent des Visamarktes in den deutschsprachigen Ländern ab, so Zeller. Aber weitere Destinationen folgen, und in wenigen Monaten soll die ganze Visa-Palette bedient werden.

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