Vier Investoren mit drei Millionen Franken: Nach dem Konkurs der Intracosmed springt die Swifiss AG als neues Unternehmen in die Bresche - Dölf Früh ist wieder an Bord

Am Standort der pleite gegangenen Intracosmed in Urnäsch werden weiterhin Kosmetika hergestellt. Ein Investorenquartett um den Unternehmer Philipp Untersander hat den Geschäftsbetrieb übernommen und wird rund 30 der bisher 78 Mitarbeitenden weiter beschäftigen. Auch die bisherige Geschäftsleitung und der frühere Mehrheitseigentümer Dölf Früh sind dabei. 

Thomas Griesser Kym
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Investor und Swifiss-Chef Philipp Untersander, umringt von den weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern: (von links): Corinne Becker-Widmer, Metin Ceylan, Ferruccio Vanin, Sophie Geiger. (Bild: Lisa Jenny / Urnäsch, 13. September 2019)

Investor und Swifiss-Chef Philipp Untersander, umringt von den weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern: (von links): Corinne Becker-Widmer, Metin Ceylan, Ferruccio Vanin, Sophie Geiger. (Bild: Lisa Jenny / Urnäsch, 13. September 2019)  

Eine misslungene Expansion ins Geschäft mit Eigen- und Lizenzmarken, ein zu optimistischer Budgetplan, eine zu geringe Liquidität und der Absprung zweier Grosskunden - dieser Mix hat die Urnäscher Kosmetikfirma Intracosmed in den Konkurs getrieben. Die Verantwortlichen haben aber den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Mit vereinten Kräften ist es gelungen, Investoren zu finden. Diese wollen am Standort Urnäsch weiterhin Kosmetika herstellen.  

Wie der Ausserrhoder Konkursamtsleiter Claudius Platzer sagt, hat eine vierköpfige Investorengruppe um den Unternehmer Philipp Untersander den Zuschlag erhalten. Das Quartett hat den gesamten Geschäftsbetrieb der Intracosmed samt Inventar übernommen und kann den Mietvertrag für das Firmengebäude zu sehr vorteilhaften Konditionen verlängern. Vorgesehen ist, mit rund 30 der bisher 78 Beschäftigten weiterhin Kosmetika in Lohnarbeit für Dritte herzustellen und als Full-Service-Dienstleisterin zu wirken, also auch im Kundenauftrag individuelle Produkte zu entwickeln, zu verpacken usw.   

Ein paar Millionen als Starthilfe

Wie Untersander sagt, stellt die Investorengruppe 3 Millionen Franken zur Verfügung. Davon ist nur ein kleiner Teil der Kaufpreis. Zwar wurde über diesen Stillschweigen vereinbart, doch lag das Angebot der Investoren für den Intracosmed-Geschäftsbetrieb um 20'000 Franken über der zweithöchsten Offerte der insgesamt vier Bieter. Der Grossteil des Kapitals ist gedacht als Starthilfe für das neue Unternehmen Swifiss AG, zur Sicherung der Liquidität, zur Finanzierung von Investitionen usw. Die Gläubiger der Intracosmed, die sich teils erhebliche Summen ans Bein streichen, haben der Transaktion zugestimmt. 

Neben Untersander beteiligen sich an der Rettung des Betriebs zu ähnlichen Teilen Ernst Sutter (früher Chef des Gossauer Fleischverarbeiters Ernst Sutter AG, bekannt als Suttero) von der ES Management AG, Christine Deppermann von der Metaflux AG, die unter anderem technische Sprays herstellt, und der Unternehmer und Financier Dölf Früh. Dieser hatte 2017 die Intracosmed, die bereits damals ein Sanierungsfall war, schon einmal vor der Pleite bewahrt und eine Mehrheit übernommen. Diese übergab er dann per Anfang 2019, als man das Unternehmen gerettet glaubte, an dessen Geschäftsleitung.  

«Die Mitarbeitenden sind der Schlüssel zum Erfolg»

Dölf Früh engagiert sich auch bei der Swifiss AG finanziell. (Bild: Andy Müller, Freshfocus / St.Gallen, 27. November 2015)

Dölf Früh engagiert sich auch bei der Swifiss AG finanziell. (Bild: Andy Müller, Freshfocus / St.Gallen, 27. November 2015)

Nun engagiert sich Früh erneut als Investor, wird aber weder eine operative Rolle spielen noch selber im Verwaltungsrat sitzen. Das Aufsichtsgremium ist noch nicht definitiv bestimmt. Sicher ist, dass Deppermann und Untersander in den Verwaltungsrat einziehen, und Deppermann wird voraussichtlich Präsidentin. Untersander übernimmt auch den Vorsitz der Geschäftsleitung, die komplettiert wird mit den beiden bisherigen Co-Geschäftsleitern Sophie Geiger und Ferruccio Vanin sowie den bisherigen Kadern Corinne Becker-Widmer und Metin Ceylan.

Gegenwärtig hält ein Team von rund zwei Dutzend Mitarbeitenden einen Minimalbetrieb aufrecht, um die Kunden der Intracosmed bei der Stange zu halten. Ab 1. Oktober wird dann der Betrieb unter dem Namen Swifiss weitergehen und schrittweise wieder hochgefahren. Rund 30 Beschäftigte erhalten ein Angebot und neue Arbeitsverträge, wobei die Konditionen praktisch identisch sind, also der Besitzstand gewahrt bleibt, wie Untersander sagt: «Es wird keine Abstriche geben.» Und: «Die Mitarbeitenden sind der Schlüssel zum Erfolg.»

Ein Unternehmer mit vielen Talenten

In einer ersten Phase bis Ende Jahr geht es laut Untersander darum, den Betrieb zu stabilisieren, und er will Vertrauen aufbauen zwischen ihm und der Belegschaft. Zudem will er Kunden besuchen und das Geschäft kennenlernen. Dies alles mit dem Ziel, die Firma zum Erfolg zu führen. Für das erste volle Betriebsjahr strebe man eine schwarze Null an und einen Umsatz von etwa 6,5 Millionen Franken. Zum Vergleich: 2018 waren es 20 Millionen, für 2019 hatte der Budgetplan 15 Millionen vorgesehen, was sich als deutlich zu hoch gegriffen entpuppte.

Untersander gehört die Catfil (Liechtenstein) AG. Diese ist eine Entwicklungsfirma mit drei Angestellten, die im Auftrag für andere Unternehmen arbeitet. In früheren Jahren hat Untersander laut seinen Angaben Firmen umstrukturiert sowie ein Unternehmen für Mobiliar für Spitäler und Arztpraxen (Spitalliegen, Medikamentenschränke usw.) gegründet und 2018 an einen Mitbewerber verkauft. Als weiteres Projekt baute er ein Unternehmen auf, das eine wasserlose Toilette als Weltneuheit entwickelte und das er schliesslich an einen Konzern veräusserte. «Dann bin ich runtergefahren und wollte kürzertreten - bis die Gelegenheit mit der Intracosmed kam.»

«Mehr Köpfe, mehr Kompetenzen»

Untersander ist in Heerbrugg aufgewachsen, hat damals «aus dem Nebel heraus ins Appenzellerland geschaut», an vielen Orten in der ganzen Welt gearbeitet und wohnt heute in Grabs. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Eines davon ist der Eishockeyspieler Ramon Untersander vom SC Bern.

Wie Untersander sagt, hätte er bei der Intracosmed auch im Alleingang in die Bresche springen können, doch Claudius Platzer brachte ihn mit Christine Deppermann und Ernst Sutter zusammen. «Mehr Köpfe bedeuten mehr Kompetenzen», erklärt Untersander den Entscheid, nicht als Einzelinvestor, sondern als Investorengruppe mitzumachen. Anschliessend habe er sich auch mit Dölf Früh getroffen.

«Ein gewisses Risiko»

«Wir haben rasch gemerkt, dass wir alle die gleiche Philosophie und die gleichen Ideen haben. Wir werden sachlich streiten, aber auf das gleiche Ziel hinarbeiten, und offen und ehrlich miteinander reden». Mit diesen Worten versucht Untersander Zweifel daran zu zerstreuen, dass die Investoren miteinander harmonieren. Auch von der Qualität der bisherigen Geschäftsleitung und der Belegschaft sowie der Produkte zeigt sich Untersander überzeugt.   

Über die Lösung mit Swifiss froh zeigt sich auch der Urnäscher Gemeindepräsident Peter Kürsteiner. «Damit ist eine gute Lösung gefunden, und ich bin sehr zuversichtlich, dass es eine langfristige ist.» Aber auch Kürsteiner weiss, ebenso wie die neuen Investoren: «Ein gewisses Risiko ist damit verbunden.»