Neue Struktur bei Raiffeisen. Aber: Vielfalt bleibt eine Herausforderung

Lokale Genossenschaften erhoffen sich nun mehr Durchsetzungskraft von der neuen Struktur bei Raiffeisen.

Stefan Borkert , Maurizio Minetti
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Ostschweizer Raiffeisenbanken befürworten die Reformen. Bild: Urs Bucher (Gossau, 19. Februar 2018)

Ostschweizer Raiffeisenbanken befürworten die Reformen. Bild: Urs Bucher (Gossau, 19. Februar 2018)

Am Samstag hat sich die Raiffeisen-Gruppe eine neue Struktur gegeben. Neu geschaffene Gremien sollen den 229 Besitzerbanken wieder mehr Macht gegenüber der Tochtergesellschaft Raiffeisen Schweiz geben. Bisher gab es keinen in den Statuten verankerten Austausch zwischen Raiffeisen Schweiz und legitimierten Vertretern der Raiffeisenbanken. Das hat sich nun geändert (siehe Grafik). Grund für diesen Umbau ist, dass die Bankengruppe eine Machtfülle der Zentrale wie in der Ära des Ex-CEO Pierin Vincenz verhindern will. Gegen Vincenz läuft eine Strafuntersuchung wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung.

An der Basis kommt die neue Struktur grundsätzlich gut an. Urs Schneider, Präsident des Thurgauer Raiffeisenverbandes sagt: «Wir unterstützen die sogenannte Reform 21. Die Thurgauer Delegierten hätten daher auch den Anträgen zugestimmt.

Für den Einbezug der Basis eingesetzt

Schon in der Vergangenheit habe der Thurgauer Verband sich für einen starken Einbezug der genossenschaftlichen Basis eingesetzt. Eine solche könne mit dem Prinzip «one bank, one vote», mit der Einsetzung des Rats als Austauschgremium für den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz sowie von Fachgremien, die sich mit den operativen Fragen der Gruppe beschäftigen, erreicht werden. Er merkt aber an, dass es auch in Zukunft eine Herausforderung bleibe, die teils sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der autonomen Raiffeisenbanken «unter einen Hut zu bringen».

Dominik Holderegger, Leiter der Raiffeisenbank Tägerwilen, eine der grössten in der Schweiz, ist überzeugt, dass die neuen Strukturen es ermöglichen werden, dass die lokalen Genossenschaften die Bedürfnisse der Banken beziehungsweise ihrer Kunden gegenüber Raiffeisen Schweiz als zentraler Dienstleister noch direkter und mit mehr Durchsetzungskraft platzieren können. Wie in jeder föderalistischen Struktur sei dabei die Koordination der verschiedensten Interessen herausfordernd.

Thomas Haas, Leiter der Raiffeisenbank Mittelrheintal ergänzt: «Wir freuen uns sehr über die beschlossene Reform. Als regionale Raiffeisenbank profitieren wir enorm von diesem neuen Miteinander. Mit der neuen Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe können wir unsere wie auch die Bedürfnisse unserer Kunden noch besser in die Gruppe und bei Raiffeisen Schweiz einbringen.» Es gebe nun eine klare Gremienstruktur auf Seiten der Banken. Dieser institutionalisierte Austausch innerhalb der Gruppe schaffe Effizienz, Transparenz und vor allem Vertrauen.

Johannes Holdener, Chef der Raiffeisenbank St.Gallen, die eine Niederlassung der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft ist und nicht eine autonome Genossenschaft wie die über 200 anderen Raiffeisenbanken, stösst ins gleiche Horn. Er ergänzt, mit der Verankerung des Grundsatzes «one bank, one vote» erhalte man zudem als Raiffeisenbank eine Stimme an der Generalversammlung.