Ostschweizer Jungunternehmerpreis: Haben die bisherigen Finalisten das Sprungbrett genutzt?

Der Ostschweizer Jungunternehmerpreis versteht sich als Sprungbrett zum Erfolg. Ein Blick auf die Entwicklung der Start-ups zeigt: Die bisherigen Finalisten sind überwiegend positiv gewachsen.

Sarah Bünter
Drucken
Teilen
Neue Technologien, neue Ideen: Das Interesse an Firmengründungen und Innovationen soll in der Region hoch bleiben. (Bild: Getty)

Neue Technologien, neue Ideen: Das Interesse an Firmengründungen und Innovationen soll in der Region hoch bleiben. (Bild: Getty)

Von Fotovoltaikanlagen über Fruchtsäfte, zu Software mit Gesichtserkennungsfunktion oder einer Plattform für effiziente Feldbewirtschaftung. Die Vielfalt der Start-ups, welche in den vergangenen Jahren für den Jungunternehmerpreis Startfeld Diamant nominiert waren, ist gross. Seit 2012 wird der Preis von der St. Galler Kantonalbank in Zusammenarbeit mit Startfeld, dem regionalen Netzwerk für Start-ups und Innovation, verliehen. In diesem Jahr wiederholt sich diese Kür zum achten Mal.

Sieben Jahre sind somit seit dem allerersten Anlass verstrichen. Diese Zeitung hat die Finalisten zu ihrer Entwicklung und der Erfahrung mit dem Preis befragt. Von den 34 haben 22 an der Umfrage teilgenommen, drei Firmen haben in der Zwischenzeit ihre Geschäftstätigkeit aufgegeben.

Die Anzahl Jahre spielt eine Rolle

Das Resultat zeigt, dass sich die Zukunft für die an der Umfrage beteiligten Finalisten, bis auf eine Ausnahme, positiv entwickelt hat und sie in der Zwischenzeit eine Umsatzzunahme verbuchen konnten. Nur ein Start-up ist mittlerweile zur Freizeitaktivität der Gründer geworden, da die Finanzierung für den Durchbruch nicht funktioniert hatte. Im Einzelnen spiegeln die Resultate ein unterschiedlich starkes Wachstum der einzelnen Start-ups. Das Wachstum muss denn auch unter Berücksichtigung der vergangenen Jahre seit der Teilnahme am Wettbewerb gelesen werden (siehe Tabelle).

Weit über dem Durchschnitt aller Start-ups hat AgriCircle den Umsatz um das 100-Fache in fünf Jahren steigern können. Das Start-up hat im Jahr 2014 bei Startfeld Diamant mitgemacht und gewonnen. Gemeinsam mit Partnern entwickelt AgriCircle digitale Lösungen, die in der Landwirtschaft die Produktivität und Nachhaltigkeit erhöhen.

Auf dem zweiten Platz stehen gleich drei Start-ups, Dagsmejan, Eturnity und Weibel CDS mit ­einer Verzehnfachung des Umsatzes. Das Start-up Dagsmejan hat im Jahr 2017 beim Startfeld Diamant teilgenommen und entwickelt und produziert funktionale Schlafbekleidung. Die Pyjamas sorgen dafür, dass Temperaturschwankungen in der Nacht ausgeglichen werden. Eturnity war im Jahr 2016 Finalist und ist im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Das Start-up hilft seinen Kunden Verkaufs- und Beratungsprozesse von Unternehmen aus der Energiebranche zu vereinfachen. Das Start-up Weibel CDS war im Jahr 2012 der erste Gewinner von Startfeld Diamant. Es entwickelt innovative Injektions- und Mikroinfusionsinstrumente, die es ermöglichen, die Verabreichung von parenteralen Medikamenten sicherer, einfacher und schneller durchzuführen.

Rücksendungsquoten im Handel vermindert

Mit einer sechsstelligen Zunahme besetzt das Start-up ShoeSize.Me den dritten Platz. Es hat im Jahr 2015 am Wettbewerb teilgenommen und hilft Onlineshops mit einem Grössenempfehlungsservice für Schuhe, damit ihre Kunden die richtigen Grössen für jedes beliebige Modell bestellen. Auf diese Weise konnten laut ShoeSize.Me bereits einige Firmen ihre Rücksendungsquoten vermindern.

Die Unternehmen wurden auch zur Entwicklung der Anzahl Mitarbeiter befragt. Mit einer fünffachen Zunahme an Mitarbeitern belegt die bereits erwähnte Firma AgriCircle gemeinsam mit Prime Computer den ersten Platz. Das Start-up Prime Computer entwickelt sparsame Mini-PCs und Server mit 5-jähriger Garantie. Damit will die Firma ein Zeichen setzen und zeigen, dass IT-Hardware nachhaltig produziert und eingesetzt werden kann.

Am zweitmeisten Mitarbeiter hat die Firma Swiss Photovoltaik eingestellt, mit etwas mehr als ­einer Vervierfachung ihres Personalbestandes. Das Start-up hat sich auf erneuerbare Energien spezialisiert und bietet die Erledigung sämtlicher administrativer Aufgaben bis zur Installation und Nachbetreuung der Anlagen. Es hat im Jahr 2013 teilgenommen. Auf dem dritten Platz sind zwei Firmen platziert mit einer Vervierfachung der Anzahl Mitarbeitenden seit ihrer Teilnahme. Erneut sind darunter die bereits erwähnten Start-ups Dagsmejan und Eturnity.

Wie die Befragung zeigt, ist eine sehr positive Entwicklung der Start-ups zu verzeichnen. Der Startfeld Diamant kann somit als Sprungbrett für Ostschweizer Start-ups zum Erfolg bezeichnet werden. Auch OnlineDoctor erwähnt, dass der Startfeld Diamant mittlerweile zu einer Art «Qualitätssiegel» für innovative Start-ups aus der Ostschweiz geworden ist. Auf vielen Homepages wird auch ausdrücklich auf diese Teilnahme und Auszeichnung verwiesen. Nicht nur der Gewinn von je 5000 Franken pro Finalist und 30000 Franken für den Gewinner verlocken zur Teilnahme. Auch die mediale Aufmerksamkeit während der Nominationsphase bis zur Kür werten viele Start-ups als einen wichtigen Faktor für die Bekanntheit in der Region. So meint das Start-up Meteomatics, Finalist aus dem Jahr 2015 und Zukunftspionier in der Wetterprognose: «Die mediale Berichterstattung inklusive TVO und SRF hat uns sehr viel Bekanntheit eingebracht.»

Bestehendes kritisch hinterfragt

Doch auch die Managementseminare, die jeder Finalist besuchen darf, wurden mehrheitlich als äusserst wertvoll bewertet. Das Start-up Gartengold, welches den «Apfelsaft with a Mission» herstellt, hat durch die Seminare Bestehendes kritisch hinterfragen und neue Ideen von aussenstehenden Personen einfliessen lassen können. Aber nicht nur das eigene Konzept konnte noch einmal vertieft diskutiert werden, auch der Austausch mit den anderen Finalisten wurden von vielen Teilnehmern sehr geschätzt. Durch die Teilnahme haben viele Start-ups auch ihr Netzwerk ausbauen und sogar Kontakte für zukünftige Geschäftsbeziehungen knüpfen können.

Die positiven Erfahrungsberichte machen deutlich, dass die Finalisten von der Teilnahme am Startfeld Diamant offensichtlich vielseitig profitieren konnten. So erstaunt es nicht, dass alle Finalisten eine Teilnahme am Startfeld Diamant jungen Start-ups empfehlen.