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Das Lädelisterben erreicht die Stadtzentren

In den Städten stehen immer mehr Ladenflächen leer. Doch die Entwicklung schafft auch Gelegenheiten für neue Ladenkonzepte.
Daniel Zulauf
Keine Seltenheit: ein leer stehendes Geschäft in der Luzerner Altstadt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (26. Juni 2018))

Keine Seltenheit: ein leer stehendes Geschäft in der Luzerner Altstadt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (26. Juni 2018))

«Unser Textilangebot reicht aus, um zwölf Millionen Menschen einzukleiden. Wir sind aber nur achteinhalb Millionen in der Schweiz.» Milan Prenosil ist nicht in Feierstimmung. Er kommt direkt von der Generalversammlung der Zürcher Cityvereinigung, die der Inhaber der traditionsreichen Confiserie Sprüngli am Paradeplatz präsidiert. Der Dachverband des städtischen Detailhandels- und Dienstleistungsgewerbes zählt 1350 Firmen mit rund 60 000 Angestellten, und fast überall tönt es gleich: Die Märkte sind gesättigt, die Konkurrenz durch den Onlinehandel nimmt zu. Die Umsätze schrumpfen, und die Kosten bleiben hoch. Die fallenden Margen zwingen viele Händler zur Aufgabe.

Nach den aktuellsten Berechnungen des Marktforschungs­instituts GfK sind in den letzten sieben Jahren landesweit netto 6000 Verkaufsstellen verschwunden. Lange Zeit grassierte das Virus nur in den ländlichen Gegenden. Doch jetzt hat es auch die Städte erreicht. In Zürich stehen gegenwärtig rund 10 000 Quadratmeter Ladenfläche leer. Ein leeres Fussballfeld in der grössten Stadt des Landes, das tönt nach wenig, ist aber so viel wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Und der Trend weist «ganz klar in Richtung einer weiteren Zunahme», sagt Prenosil.

«Ich sehe Kunden, die sich das Angebot zeigen und sich beraten lassen und dann online bestellen.»

Die Prognose ist umso düsterer, als die in Zürich angebotenen Verkaufsflächen seit dem Höhepunkt vor zwei Jahren um fast ein Drittel abgenommen haben, wie das Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner berechnet hat. Ähnlich verläuft die Entwicklung auch in Basel und in Genf. In kleineren Zentren wie Luzern und St. Gallen bewegt sich das Angebot immer noch leicht aufwärts.

In den Mieten ist der Angebotsüberhang erst bedingt zu erkennen. In den 144 Läden an der Zürcher Bahnhofstrasse seien die Mieten im Durchschnitt vielleicht um 10 Prozent gesunken, schätzt Prenosil. Die Nachfrage nach Verkaufsflächen an der teuersten Einkaufsmeile der Schweiz bleibt hoch. Viele internationale Ketten warten auf eine günstige Gelegenheit, dort Fuss zu fassen. Doch ein Abschluss um jeden Preis kommt auch für potente Mieter immer weniger in Frage.

Laut Wüest Partner sind die Mieten in Zürich und Genf in den vergangenen fünf Jahren um 10 Prozent bis 15 Prozent zurückgegangen. Der Schrumpfungsprozess der Finanzindustrie hat diesen Metropolen besonders stark zugesetzt, ebenso die abnehmende Zuwanderung, von der sie in den vergangenen Jahren überproportional profitieren konnten.

Leben mit dem Strukturwandel

Doch die Entwicklung schafft auch Gelegenheiten: «Neue Foodkonzepte erhalten an Frequenzstandorten Chancen, die sie vorher wegen der hohen Mieten kaum hatten», sagt Matthias Bachmann, Mitinhaber der Luzerner Confiserie Bachmann, die demnächst eine dreistöckige Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse eröffnet. «Die Kaufkraft in Zürich ist einiges höher als in Luzern, und die Kunden sind weniger preissensibel», erklärt er die Logik der Expansion. Generell nehme der Flächenbedarf des Detailhandels ab, was neue Ladenkonzepte hervorrufe, die mit dem Strukturwandel umgehen könnten, glaubt der Confiseur.

Basel befindet sich in dieser Hinsicht in einer eher vorteilhaften Position, glaubt Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel. In der alten Bausubstanz der Stadt Basel sind kleinere Flächen naturgemäss die Norm. Was vor einigen Jahren die Entwicklung des lokalen Handels noch gebremst hatte, erweist sich heute als Vorteil, glaubt Böhm. «Wir haben in Basel kein Problem, Flächen zu füllen», sagt er. Die City habe sich in den vergangenen Jahren tendenziell sogar an die Stadtränder hinaus ausgedehnt. Selbstredend macht der Grenzverkehr den Basler Händlern besonders stark zu schaffen. Doch auch hier sieht Böhm nicht nur Nachteile: «Der Strukturwandel läuft bei uns schneller ab als in Zürich oder Luzern. Wir stellen uns seit Jahren darauf ein.»

Diese Erfahrung macht auch Ralph Bleuer, Präsident von Pro City St. Gallen. Trotzdem erlebt er mit seiner auf Papeterieartikel und Bürobedarf spezialisierten Handelsfirma Markwalder heute Dinge, die er noch vor drei Jahren kaum für möglich gehalten hätte. «Ich sehe Kunden, die sich das Angebot zeigen und sich beraten lassen und dann online bestellen.» Es sei kein seltenes Phänomen, dass Läden höhere Kundenfrequenzen verzeichnen und dennoch weniger Umsatz erzielen. «Die Welt des Handels hat sich in den vergangenen 20 Jahren um 180 Grad gedreht», sagt Bleuer, der das Metier seit 40 Jahren kennt. «Leise hoffen wir alle auf eine Gegenbewegung, aber zurzeit dominiert doch mehr das Unbehagen.»

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