Arbeitsmarkt

Viel Arbeit für die Arbeitsämter

13000 Personen waren im Dezember in der Ostschweiz arbeitslos. Das sind rund 3400 mehr als vor Corona.

Kaspar Enz
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Die Ostschweizer Arbeitsvermittlungszentren waren dieses Jahr gefordert.

Die Ostschweizer Arbeitsvermittlungszentren waren dieses Jahr gefordert.

Bild: Donato Caspari

Dass im Winter die Arbeitslosigkeit steigt, ist nichts aussergewöhnliches. Doch die einkehrende Ruhe auf den Baustellen ist dieses Jahr wohl nicht der einzige Grund für die steigenden Arbeitslosenzahlen. «Seit der Bund im Oktober die Massnahmen gegen die Pandemie verschärfte, habe ich mit einem Anstieg gerechnet», sagt Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit. «Ich bin eher überrascht, dass es nicht früher dazu kam.»

Vor allem in den von den Massnahmen betroffenen Branchen wie der Gastronomie, in der Reisebranche oder dem Eventbereich stieg nun auch die Arbeitslosigkeit. Aber nicht nur dort. «Bei manchen Unternehmen ist eine gewisse Verzweiflung spürbar, dass es nicht besser wird», sagt Wessner. Das gelte auch für die exportorientierte Metall- und Maschinenindustrie. «Mittlerweile haben wir Stellensuchende aus fast allen Branchen.»

Massiver Anstieg im Frühling

2,8 Prozent betrug die Arbeitslosenquote in den Kantonen St.Gallen und Thurgau im Dezember. Das klinge vielleicht nicht nach viel, meint Wessner. «Aber wir hatten einen massiven Anstieg im Frühling nach dem Lockdown.» Im Thurgau sind heute 4290 Personen arbeitslos gemeldet, das sind fast 1000 mehr als vor einem Jahr. Im Kanton St.Gallen sind es 7914 Arbeitslose, 2300 mehr als Ende 2019. In beiden Kantonen sind derzeit 22000 Personen auf der Suche nach einer Stelle. «Und dies trotz massivem Einsatz der Kurzarbeit. Man kann nicht sagen, es sei nichts passiert», sagt Wessner.

Und für die Betroffenen sei es schwieriger geworden, etwas zu finden. «Vor einem Jahr hatten wir noch eine positive Wirtschaftslage, die Unternehmen schufen neue Stellen», sagt Wessner. Doch mit Corona sind die Ausbauprojekte in den Schubladen verschwunden.

Nach dem heftigen Anstieg blieb die Arbeitslosigkeit aber recht stabil. Auf einem hohen Niveau zwar, sagt Karin Jung, Chefin des Amts für Wirtschaft und Arbeit im Kanton St.Gallen. «Aber angesichts der einschneidenden Massnahmen präsentiert sich die Wirtschaft robust, was in diesem Ausmass doch erstaunlich ist.» Dazu trug die Erholung im Sommer bei, aber auch die Kurzarbeit. Sie habe ihren Zweck einmal mehr erfüllt, sagt Jung. Auch dank ihr seien Massenentlassungen vergleichsweise rar geblieben.

Über eine halbe Milliarde für Kurzarbeit

Doch die relative Stabilität war teuer erkauft. «Wir haben im Thurgau 180 Millionen Franken in Form von Kurzarbeitsentschädigungen ausbezahlt», sagt Wessner. Im Kanton St.Gallen waren es schon im Oktober über 370 Millionen. Im April, als die Kurzarbeit ihren Höhepunkt erreichte, fielen im Kanton St.Gallen 4,5 Millionen Arbeitsstunden bei über 60000 Beschäftigten aus.

Ein absoluter Rekordwert. Doch noch im Sommer arbeiteten im Kanton St.Gallen jeweils über 10000 Angestellte kurz. Nun steigen auch die Anmeldungen wieder an. Knapp 3000 Betriebe mit fast 40000 Beschäftigten haben im Kanton St.Gallen für den Januar Kurzarbeit angemeldet.

Mit der Flut von Kurzarbeitsgesuchen und RAV-Anmeldungen, aber auch mit der Kontrolle von Schutzkonzepten waren auch die Wirtschaftsämter gefordert. Oft musste improvisiert werden, «aus Standortförderern wurden kurzfristig Hotline-Berater», sagt Karin Jung.

Und während manche Firmen Stellen abbauten, stellten die RAV ein: Um Stellensuchende zu beraten, Kurzarbeitsgesuche zu bearbeiten, und nun im Hinblick auf die Programme zur Unterstützung von Härtefällen. «Wir haben gerade heute Morgen rund zehn Leute aus den RAV dafür eingestellt», sagt Daniel Wessner.

Licht am Ende des Tunnels?

Ob die Unterstützungen für Härtefälle Besserung bringen? «Der Staat kann nicht jede Entlassung und jeden Konkurs verhindern», sagt Wessner. Und das soll er auch nicht. «Es nützt nichts, Firmen künstlich am Leben zu erhalten.»

Für viele der direkt betroffenen Branchen sieht Wessner denn auch Licht am Ende des Tunnels. «Wenn die Massnahmen einmal gelockert werden, können sie sich schnell erholen. Denn die Leute wollen nachholen: Sie wollen wieder reisen, an Konzerte gehen oder auswärts essen.» Schwieriger könnte die Lage für die Exportindustrie werden, meint er. «Die Krise hat viele unserer Exportmärkte stärker getroffen. Es ist fraglich, wie schnell die sich erholen - und wieder bei uns bestellen.»

Branche Kurzarbeitende in %

Gastgewerbe 53,5% Textilien, Bekleidung, Schuhe 34,4% Papier & Druck 31,3% Kunst, Sport, Unterhaltung 30,0% Metall 29,7% Fahrzeugbau 29,3% Maschinenbau 25,9%

Alle Beschäftigten 13,1% Quelle: AWA SG/Tabelle: let