«Vertrauensschock mit Potenzial»

Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Stilllegung weiter Teile der US-Verwaltung dürften «vernachlässigbar sein». Zu diesem Schluss kommt Felix Bril, Ökonom bei der Beratungsfirma Wellershoff & Partners.

Thomas Griesser Kym
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Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Stilllegung weiter Teile der US-Verwaltung dürften «vernachlässigbar sein». Zu diesem Schluss kommt Felix Bril, Ökonom bei der Beratungsfirma Wellershoff & Partners. Mit jedem zusätzlichen Tag, den der Haushaltstreit zwischen Demokraten und Republikanern andauert, steige aber die Gefahr, dass die Verunsicherung von Konsumenten und Unternehmen zunimmt, was sich negativ auswirke auf Konsum und Investitionen, folgert Brill.

Eine Milliarde als Tropfen

Zusätzliche Brisanz ortet der Ökonom darin, dass bis 17. Oktober die Schuldenobergrenze der USA von derzeit 16 700 Mrd. $ erhöht werden muss. Damit scheine der nächste politische Konflikt programmiert.

Brill hält die Schätzung der Forschungsfirma IHS für «plausibel», wonach der Government Shutdown die US-Wirtschaft mit 300 Mio. $ pro Arbeitstag oder 1,5 Mrd. $ pro Woche belastet. Zum Vergleich: Die ganze Wirtschaftsleistung der USA beträgt 16 660 Mrd. $ im Jahr, entsprechend 320 Mrd. $ je Woche. Sollte der Shutdown zum Beispiel eine Woche dauern, entspräche die geschätzte Belastung 0,5% der wöchentlichen Wirtschaftsleistung oder 0,01% des Bruttoinlandprodukts (BIP) eines Jahres. «Selbst wenn der Shutdown also zwei oder drei Wochen andauert, wäre der direkte konjunkturelle Effekt immer noch vernachlässigbar», sagt Brill.

Der Shutdown hat 800 000 Staatsangestellte in unbezahlte Zwangsferien geschickt. Das sind 0,7% aller Angestellten ausserhalb des Agrarsektors. Gäben die betroffenen Familien während einer Woche gar kein Geld aus, wären dies laut Brills Schätzung 1 Mrd. $ weniger an Konsumausgaben. In der Realität aber werde nur ein Bruchteil dieser Milliarde nicht ausgegeben, denn Mieten müssen bezahlt und Lebensmittel gekauft werden, und auf das Auto verzichten wohl nur wenige Amerikaner.

Vertrauensverlust in die Politik

«Mehr Sorgen» bereitet Brill die Möglichkeit, dass der Haushaltstreit länger dauert und weiter eskaliert. Unter Konsumenten und Unternehmen könnte sich Verunsicherung und ein Vertrauensverlust in die politischen Kräfte breit machen. Vorhaben wären blockiert, weil wegen geschlossener Behörden Bewilligungen nicht erteilt werden. Insgesamt hätte «ein Vertrauensschock das Potenzial, die US-Wirtschaft erheblich in Mitleidenschaft zu ziehen», sagt Brill.

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