Verteilt führen, gemeinsam folgen

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Firmenkultur Was ist gute Führung? Wie motiviere ich meine Mitarbeitenden, mir als Chef zu folgen? Diese Fragen waren Teil zweier Podien am jüngsten EcoOst-Symposium in St. Gallen. Laut Hermann Arnold, Mitgründer und Präsident der Softwarefirma Haufe-Umantis, sollte im modernen Betrieb das «Wir» eine viel grössere Rolle spielen. Wer es verstehe, eine Kultur aufzubauen, bei der verteilt geführt und gemeinsam gefolgt werde, sei im Vorteil. Man lebe heute in einem Umfeld, in dem alles geteilt werde – nur bei der Führung von Unternehmen gelte das nicht. Doch eine Firma könne viel mehr leisten, wenn nicht nur einer entscheide, sondern wenn sie «im Wesentlichen von den Mitarbeitenden geführt wird», sagte Arnold. Dazu gehöre, dass nicht nur der Chef die Mitarbeitenden kritisiere, sondern diese auch ihn. «Das Feedback muss in beide Richtungen gehen.»

Wolfgang Jennewein, Professor für Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen, bestätigt dies. Nur dort, wo Mitarbeitende nicht einfach Befehlsempfänger seien, sondern gefragt würden, was sie für das Unternehmen leisten könnten und wollten, entstehe eine Firmenkultur, in der neue Ideen geboren würden und die Belegschaft nicht einfach Dienst nach Vorschrift schiebe. Hier hinke die Wirtschaft noch extrem dem Hochleistungssport hinterher. Erfolgreiche Fussballteams hätten es «schon längst verstanden, das Potenzial zu nutzen».

Jens Breu, Chef der SFS Group, machte deutlich, dass es für die Zukunftsfähigkeit einer Firma entscheidend sei, wie man seine Führungskräfte, Spezialisten und Talente fordere und fördere. Die SFS Group lege «grossen Wert auf die emotionale Bindung zum Unternehmen». Ruedi Heim, Chef der Aadorfer Kifa AG, sprach über Generationenwechsel. Heute fordere die hohe Dynamik einer Branche ein Familienunternehmen besonders heraus. Auch Familienfirmen stiessen an ihre Grenzen, speziell in der Finanzierung. Während eine AG Generationenwechsel durch die Erhöhung des Aktienkapitals löse, müssten kleine Firmen «erhebliche Risiken für die Liquidität stemmen», denn vieles hänge beim Wechsel auch vom Verhalten der Familie ab. (art)