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Versteigerung: Stadler-Lokomotiven gehen weg zum Schnäppchenpreis

Auf der Onlineplattform eines Auktionshauses versuchen die Liquidatoren einer Leasinggesellschaft 13 Lokomotiven loszuschlagen. Diese waren von Stadler nach Südafrika verkauft worden, nachdem der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer das Vossloh-Werk in Valencia übernommen hatte. Die Zwischenbilanz zeigt: Die ursprünglich weit über drei Millionen Franken teuren Loks gehen weg für weniger als eine Million.
Thomas Griesser Kym
Zwei Lokomotiven von Vossloh respektive Stadler nach ihrer Ankunft in Südafrika. (Bild: Col André Kritzinger, Wikipedia / Kapstadt, 2. April 2015)

Zwei Lokomotiven von Vossloh respektive Stadler nach ihrer Ankunft in Südafrika. (Bild: Col André Kritzinger, Wikipedia / Kapstadt, 2. April 2015)

Darum geht es:

  • 2013 erhält der deutsche Vossloh-Konzern eine Bestellung über 70 Lokomotiven für die südafrikanische Passagierverkehrsgesellschaft Prasa. Auftragsvolumen: 225 Millionen Euro oder gut 3 Millionen Euro pro Lok.
  • In den Jahren 2014 und 2015 stellt Vossloh im spanischen Werk in Valencia die ersten 25 Lokomotiven her. Davon werden schrittweise 13 Loks nach Südafrika geliefert.
  • 2016 übernimmt der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler das Vossloh-Werk rückwirkend per Anfang Jahr und wird damit auch zum Verkäufer der Vossloh-Loks.
  • Die dieselelektrischen Loks erweisen sich als ungeeignet für Teilstrecken, auf denen Prasa sie einsetzen will. Konkret ist der Abstand der Loks zur Oberleitung zu gering. Die Verantwortung für den Fehler liegt bei Prasa.
  • Die Beschaffung der Loks ist von Korruptionsvorwürfen begleitet. Südafrikanische Gerichte aller Instanzen haben festgestellt, die alte Prasa-Führung habe den Vertrag zur Beschaffung der Loks in einem «korrupten Ausschreibungsverfahren» der Leasinggesellschaft Swifambo zugeschanzt.
  • Swifambo hat sich als Folge der Gerichtsurteile in freiwillige Liquidation begeben. Die Liquidatoren versuchen, die 13 Loks zu versteigern.

Acht Loks sind weg, fünf warten noch auf Käufer

Die Onlineversteigerung der 13 dieselelektrischen Loks ist in vollem Gang. In einem ersten Schritt ist es gelungen, zwischen dem 1. und 12. September acht Loks zu verkaufen. Wie Hannes Müller, Liquidator der Leasinggesellschaft Swifambo, auf Anfrage schreibt, gingen die Loks zu Preisen zwischen 13,5 und 14 Millionen Rand weg. Das sind umgerechnet 824'000 bis 854'000 Euro oder 900'000 bis 930'000 Franken pro Lok.

Für die übrigen fünf Loks, die bis 12. September keinen Abnehmer gefunden haben, läuft die Auktion bis 4. Oktober weiter. Aktuell betragen die Gebote für vier der Loks je 12 Millionen Rand und für die fünfte 11 Millionen. Das sind umgerechnet 800'000 respektive 730'000 Franken.

Skeptiker haben Recht behalten

Angesichts der für die acht Loks bezahlten Preise und der aktuellen Gebote für die übrigen fünf Loks behalten die Skeptiker Recht: Viele Beobachter hatten die Erwartung geäussert, dass die Versteigerung der Loks nur einen Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises einspielen würde. Auf dem falschen Dampfer ist dagegen die südafrikanische «Engineering News», die eine Wertsteigerung auf 4,1 Millionen Euro pro Lok ausgemacht haben wollte.

Wer der oder die Käufer der bereits versteigerten Loks sind, darf Müller nicht sagen. Nur so viel: Sie sind an eine oder mehrere südafrikanische Gesellschaften gegangen. Die Loks sind geeignet für gewisse Strecken in Südafrika sowie für Schienensysteme in 16 anderen Ländern. Auf den Kaufpreis drauf muss der Käufer noch 12 Prozent Kommission als Prämie für das Auktionshaus bezahlen sowie 15 Prozent Mehrwertsteuer.

Stadler möchte das Kapitel gerne abschliessen

Stadler selber beobachtet die Auktion lediglich von der Seitenlinie. Die 13 Loks wurden ebenso bezahlt wie jene weiteren 12 Loks, die Vossloh hergestellt hat und die nun seit Jahren im spanischen Stadler-Werk von Stadler Rail Valencia parkiert sind. Stadler-Patron Peter Spuhler würde diese Loks gerne raus haben aus seinen Hallen. Ob es für die Loks einen Markt gibt und wenn ja, einen Käufer zu finden, das ist die Aufgabe von Swifambo-Liquidator Hannes Müller.

Stadler hofft auf Tram-Auftrag aus Polen

Stadler ist der einzige Bieter für 60 Niederflur-Trams, welche die Verkehrsgesellschaft der polnischen Grossstadt Krakau beschaffen will. Knackpunkt ist der Preis: Stadler offeriert die Fahrzeuge für 619 Millionen Zloty (155 Millionen Franken), doch das Budget der Gesellschaft MPK Krakau beträgt lediglich 555 Millionen Zloty (139 Millionen Franken). Dennoch will MPK das Stadler-Angebot prüfen.

Nächstes Jahr erhält MPK die ersten Fahrzeuge aus einer Bestellung von 50 Trams, die man Anfang 2018 bei einem Konsortium aus Stadler und der polnischen Solaris Bus & Coach (SBC) geordert hatte. Mittlerweile ist SBC vom spanischen Stadler-Rivalen CAF übernommen worden, doch Stadler hat das Solaris-Tramgeschäft erworben. (T.G.)

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