Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Versace wird amerikanisch

Das Luxusmode-Label Versace wird vom US-Modeunternehmer Michael Kors übernommen. Nach zahlreichen anderen Verkäufen verliert Italien damit eine weitere weltberühmte Marke.
Dominik Straub, Rom
Blick auf eine Versace-Filiale in der Modehochburg Mailand: Wer hier in Zukunft einkauft, tut es bei einem US-Konzern. (Bild: Francesa Volpi/Bloomberg (24. September 2018))

Blick auf eine Versace-Filiale in der Modehochburg Mailand: Wer hier in Zukunft einkauft, tut es bei einem US-Konzern. (Bild: Francesa Volpi/Bloomberg (24. September 2018))

Über einen bevorstehenden Verkauf der italienischen Edelmarke Versace an den 59-jährigen US-amerikanischen Modeunternehmer und Designer Michael Kors war schon an der Mailänder Fashion Week gemunkelt worden – gestern ist die Übernahme offiziell bekanntgegeben worden. Kors übernimmt Ver­sace für 1,83 Milliarden Euro (2,12 Milliarden US-Dollar) vollständig; gleichzeitig wird die bisherige Michael Kors Holdings Limited in Capri Holding umbenannt. 80 Prozent der Anteile an Versace sind bisher von den Mitgliedern der Gründerfamilie Versace gehalten worden, weitere 20 Prozent befanden sich im Besitz des US-Investmentfonds Blackstone, der 2014 bei den Italienern eingestiegen war. Donatella und Santo Versace sowie Donatellas Tochter Allegra Versace werden einen Minderheitsanteil an der neuen Capri Holding erwerben.

Firmengründer Gianni Versace selber lebt nicht mehr: Der Modeschöpfer war am 15. Juli 1997 im Alter von 51 Jahren vor seiner Villa in Miami Beach von einem Serienmörder erschossen worden. Gianni Versace hatte das Unternehmen im Jahr 1978 gegründet. Sein Handwerk hatte er von seiner Mutter gelernt, die in Reggio Calabria im tiefsten Süden des Landes eine kleine Schneiderei führte. Als junger Mann war Versace nach Mailand gezogen, wo er schnell die ersten Erfolge als Modedesigner feierte. 1988 traten die jüngeren Geschwister Donatella und Santo Versace ebenfalls in das Unternehmen ein. Donatella leitete das Jugend-Label Versus, Santo kümmerte sich um das Administrative.

Erstaunlich hoher Kaufpreis

Versace ist eines der berühmtesten Modelabels der Welt – und ein Beispiel für den lange Zeit erfolgreichen «Familien-Kapitalismus» Italiens. Zum Zeitpunkt des Mordes am Firmengründer befand sich die Edelmarke auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Der brutale Mord, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, hat den Kultstatus der Marke Versace einerseits noch zusätzlich erhöht, das Unternehmen aber gleichzeitig in seinen Grundfesten erschüttert. Donatella und Santo Versace waren klug genug, das Unternehmen erfahrenen externen Managern anzuvertrauen, während Donatella versuchte, das kreative Erbe ihres verstorbenen Bruders weiterzuführen.

Die Zahlen des Unternehmens waren zuletzt trotz diverser Restrukturierungen wenig berauschend: 2016 hat Versace bei einem Umsatz von 686 Millionen Euro einen Verlust von 7,4 Millionen Euro verzeichnet; 2017 resultierte wieder ein kleiner Nettogewinn von 15 Millionen Euro. Angesichts dieser bescheidenen Resultate erscheint der Kaufpreis von über 1,8 Milliarden Euro hoch – tatsächlich hat der Aktienkurs der Michael Kors Holdings Limited am Montag aufgrund der Berichte über den bevorstehenden Kauf von Versace um 8 Prozent nachgegeben. Ein gutes Geschäft war Versace jedenfalls für Blackstone: Als der Investmentfonds vor vier Jahren eingestiegen war, wurde das italienische Unternehmen noch mit einer Milliarde Euro bewertet.

Zu klein für die globalisierte Wirtschaft

Die Übernahme von Versace stellt ein weiteres Kapitel im seit Jahren anhaltenden Ausverkauf italienischer Luxusgüter-Marken dar. Fendi und der Römer Edel-Juwelier Bulgari sind vom französischen LVMH-Konzern einverleibt worden, Gucci und Brioni wurden vom Pariser Unternehmen Kering übernommen. Valentino ist vom Fonds der Herrscherfamilie von Katar gekauft worden, Cerrutti ist chinesisch. Verkaufsgerüchte ranken sich auch um Salvatore Ferragamo und Roberto Cavalli. Italienisch sind immerhin noch Armani und Prada, die beiden grössten Modelabels des Landes mit Umsätzen von zwei bis vier Milliarden Euro. Aber auch Armani hat durchblicken lassen, dass er sich auf der Suche nach einem «Partner» befinde.

Die Gründe für die Verkäufe sind meist dieselben: Die italienischen Familienunternehmen sind in der globalisierten Wirtschaft zu klein, um alleine überleben zu können. Nicht selten fehlt es auch an einem Nachfolger, der die Firma übernehmen kann oder will. Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini von der Lega bedauerte gestern den Verkauf von Versace in die USA: «Ich bin zwar für den freien Handel, aber ich bin es auch leid, dass unsere besten Marken der Modebranche, im Food-Sektor und in der Technologie von ausländischen Unternehmen übernommen werden», erklärte Salvini.

Die Regierung, die sich seit ihrem Amtsantritt vor knapp vier Monaten mehr oder weniger ausschliesslich mit der Immigration beschäftigt, hat bisher nichts unternommen, um die Rahmenbedingungen der italienischen Unternehmen zu verbessern und den Ausverkauf damit zu bremsen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.