Verpackungsfirma K+D vergrössert Standort in St.Gallen

Die St.Galler Kartonverpackungsfirma K+D steht vor einem Ausbau. Es dürften 20 bis 25 Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Gegenzug macht ihre Spreitenbacher Schwesterfirma Limmatdruck Zeiler so gut wie sicher dicht. Das wird im Aargau wohl 150 Arbeitsplätze kosten.

Thomas Griesser Kym
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Im Herbst 2016 hat die K+D ihren Neubau an der Schuppisstrasse in St.Gallen eröffnet.

Im Herbst 2016 hat die K+D ihren Neubau an der Schuppisstrasse in St.Gallen eröffnet.

Bild: Hanspeter Schiess

Zwei Dutzend Jahre lang hatte Stefan Kuhn das 85 Jahre alte St.Galler Familienunternehmen K+D geführt. Seine beiden erwachsenen Kinder, die beide Betriebswirtschaft führen, hätten die Familientradition weiterführen können. Doch es kam anders: Vergangenen November verkaufte Kuhn die K+D AG samt deren Kerngeschäft, der Herstellung von Faltschachteln für die Pharmaindustrie, an die schwedische AR Packaging (ARP). Kuhn sprach von einem «Vernunftentscheid». Denn die Kunden würden durch Fusionen immer grösser, und diese internationalen Konzerne bevorzugten Zulieferer, die auch global liefern können.

Nun bietet sich der K+D die Chance zu einem Ausbau des Produktionsstandorts St.Gallen. Denn zusammen mit der K+D hatte ARP vergangenen November auch die deutsche RLC Packaging Group übernommen, die mit der Limmatdruck Zeiler AG in Spreitenbach ebenfalls einen Schweizer Standort hat.

«Risiko einer Massenentlassung»

Mit diesen beiden Akquisitionen «wurde die Standortpräsenz von AR Packaging in Zentraleuropa signifikant erhöht», schreiben die Schweden nun in einer Mitteilung. Erste Analysen im Rahmen der Integration der neuen Unternehmen hätten «einen klaren Handlungsbedarf im Hinblick auf die Situation in der Schweiz aufgezeigt».

Konkret bedeutet dies, der Limmatdruck Zeiler in Spreitenbach droht eine «Stilllegung der Produktion», verbunden «mit dem Risiko einer Massenentlassung». Insgesamt wären rund 150 Mitarbeitende betroffen. Profiteurin wäre die K+D, deren Standort an der Schuppisstrasse in St.Gallen im Gegenzug ausgebaut wird, falls ARP die Produktion in der Schweiz auf den Ostschweizer Standort fokussiert. Dies sei «ein denkbares Szenario», schreibt ARP.

Modernstes und produktivstes Faltschachtelwerk Europas

Vergleicht man die beiden Schweizer Unternehmen, ist ihre jeweilige Fitness offensichtlich wie Tag und Nacht. So sei das Werk der K+D mit seinen rund 80 Mitarbeitenden das modernste und produktivste Faltschachtelwerk Europas, sagte Kuhn schon vergangenen November. Anders die Limmatdruck Zeiler: «Die Performance am Standort Spreitenbach ist seit einiger Zeit hinter den Erwartungen zurück geblieben.» Daher sei «die Option, einen substanziellen Teil der Produktion von der Limmatdruck Zeiler AG zur K+D AG zu verlagern, ernsthaft in Betracht zu ziehen».

«Substanziell» bedeutet laut Stefan Kuhn, das Geschäft mit Pharma-, Kosmetik- und Non-Food-Verpackungen der Limmatdruck Zeiler würde nach St.Gallen gezügelt. Das grössere Geschäft mit Lebensmittelverpackungen dagegen hat in der Schweiz keine Zukunft; es soll in ausländische ARP- respektive RLC-Werke verlegt werden.

Stefan Kuhn, Verwaltungsrat und früherer Besitzer der K+D.

Stefan Kuhn, Verwaltungsrat und früherer Besitzer der K+D.

Bild: PD

Für die K+D geht Kuhn davon aus, dass sie hier 20 bis 25 Arbeitsplätze schaffen und neue Produktionslinien installieren kann:

«Damit wäre unser Standort voll ausgebaut und im Dreischichtbetrieb voll ausgelastet.»

ARP äussert sich dahingehend, man sei «bemüht», angesichts der rund 150 betroffenen Mitarbeitenden in Spreitenbach «alternative Arbeitsplätze an anderen Standorten» zu schaffen, um so den Kahlschlag bei der Limmatdruck Zeiler «aufzufangen». Für Mitarbeitende ohne direkte Anschlusslösung wird ein Sozialplan in Aussicht gestellt.

Hohe Kosten, hohe Leistung

Das klingt, als sei der Entscheid zur Verlagerung gefallen. «Noch nicht hundertprozentig», sagt Stefan Kuhn, der nach wie vor im Verwaltungsrat der K+D sitzt und ein Beratungsmandat für die ganze ARP-Gruppe ausübt. Aber er ist «hoch wahrscheinlich». Erst will die ARP das Ergebnis des eingeleiteten Konsultationsverfahrens mit der Personalkommission abwarten, das bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben ist. Kuhn geht davon aus, dass man in etwa einem Monat den definitiven Entscheid kommunizieren könne.

Mit der angedachten Verlagerung zur K+D will ARP die operative Leistungskraft stärken und kosteneffizienter werden. ARP-Chef Harald Schulz sagt, «wir sind überzeugt, dass es möglich ist, auch in Hochkostenländern wie der Schweiz erfolgreich zu produzieren, sofern eine höchst effiziente Infrastruktur vorhanden ist». Und: «Hochleistungsstandorte mit Branchenfokus im Hinblick auf Technik und Know-how sichern unsere Innovationskraft, Zukunftsfähigkeit und Marktführerschaft». Laut Kuhn ist die K+D so ein Hochleistungsstandort:

«Wir sind trotz unseres teuren Schweizer Standorts die profitabelste und produktivste Tochtergesellschaft der ganzen ARP-Gruppe.»

Die ARP-Gruppe hat 5500 Beschäftigte an 28 Standorten in 13 Ländern und setzt 920 Millionen Euro (985 Millionen Franken) um. Vor den Schweizer Zukäufen war sie vor allem bekannt für Tabak- und Lebensmittelverpackungen.

Kuhn sagt, dass die K+D so solide dastehe, sei das Ergebnis jahrelanger und kontinuierlicher Investitionen in die Produktivität, Standardisierung, Digitalisierung usw. Das sei zwingend, denn in der Branche herrschten Überkapazitäten und ein enormer Preisdruck aus dem Ausland.

Ein Standort ohne Zukunft

Bei der Limmatdruck Zeiler dagegen ist kaum mehr etwas zu retten. 2019 hatte sie die Produktion in Köniz bei Bern dicht gemacht und Teile davon nach Spreitenbach verlegt, aber das hat dem Unternehmen auch nicht nachhaltig geholfen. Am Aargauer Standort ist die Limmatdruck Zeiler in den Komplex des Einkaufszentrums Shoppi Tivoli integriert. Die Produktion ist verschachtelt und über mehrere Stockwerke verteilt, was die Prozesse laut Kuhn ineffizient macht. Kurzum:

«Der Standort ist nicht mehr konkurrenzfähig.»

Bei der K+D dagegen ist die Produktion auf einer Ebene angesiedelt. Auf der einen Seite des Gebäudes gehen die Kartonpaletten in den Betrieb, auf der anderen Seite kommen die fixfertigen bedruckten Faltschachteln heraus. Dennoch. Ausruhen ist keine Option, wie Kuhn weiss:

«Der Ausbau, der sich abzeichnet, ist eine Chance für uns, aber wir müssen weiterhin ständig an der Produktivität arbeiten.»