St.Galler Familienunternehmen an schwedischen Verpackungskonzern verkauft

Die St.Galler K+D verkauft das Kerngeschäft Pharmaverpackungen an den internationalen Konzern ARP.

Kaspar Enz
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K+D eröffnete vor drei Jahren einen Neubau. Bild: Hanspeter Schiess

K+D eröffnete vor drei Jahren einen Neubau. Bild: Hanspeter Schiess

Rund 24 Jahre lang führte Stefan Kuhn das Familienunternehmen K+D. Im Osten der Stadt St.Gallen produzierte die K+D Faltschachteln für Kunden in der Pharmaindustrie. Nun verkauft Kuhn das Kerngeschäft an den schwedischen Konzern AR Packaging. Etwas Emotionen habe der Schritt schon gekostet. «Ich habe zwei erwachsene Kinder, die Betriebswirtschaft studieren», sagt er. Sie hätten die 85-jährige Familientradition weiterführen können. Doch «es war ein Vernunftentscheid». Es sei besser, das Angebot der ARP anzunehmen, als später den Anschluss zu verpassen.

Je grösser die Kunden, desto grösser die Zulieferer

Denn bei den Kunden in der Pharmaindustrie gab es in letzter Zeit immer mehr Fusionen. Es entstanden internationale Konzerne, die Zulieferer bevorzugen, die auch weltweit liefern können, sagt Kuhn. Deshalb beschleunige sich auch in der Verpackungsindustrie die Konzentration. Das zeige sich unter anderem daran, dass K+D seit 2002 das einzige verbleibende Schweizer Familien-KMU ist, das sich auf Faltschachteln für den Medizin- und Kosmetikmarkt spezialisiert hat.

Übernahme soll Standort stärken

Die Integration des KMU in den schwedischen ARP-Konzern ­eröffne der K+D deshalb mehr Entwicklungschancen als sie im Alleingang hätte. Das Werk und die Arbeitsplätze in St.Gallen seien wegen der Übernahme nicht gefährdet, versichert Kuhn. «Wir werden zum Hub für Medizinalverpackungen für die Schweiz und die angrenzenden Länder.» Das lohne sich auch für die Käufer. Denn K+D sei nicht nur finanziell kerngesund. Das Werk in St.Gallen mit seinen gegen 80 Mitarbeitern sei das modernste und produktivste Faltschachtelwerk Europas.

Die Übernahme von K+D ist Teil eines grösseren Übernahmemanövers der AR Packaging. Der schwedische Konzern hatte bisher in elf Ländern rund 3300 Mitarbeiter. Neben der St.Galler K+D übernimmt ARP nun auch die deutsche Gruppe rlc Packaging, die mit der Limmat Druck Zeiler AG bereits eine Schweizer Tochtergesellschaft hat. Insgesamt hat die Gruppe rund 1500 Mitarbeiter in Deutschland, der Schweiz und Polen. Die ARP, bisher vor allem für Tabak- und Lebensmittelverpackungen bekannt, stärkt mit diesen Zukäufen ihre Stellung bei Verpackungen im Pharma- und Kosmetikbereich in Europa und Asien, wie der Konzern gestern mitteilte.

Kuhn bleibt im Unternehmen

Stefan Kuhn, bisher Verwaltungsratspräsident der K+D wird auch als Verwaltungsrat bei der neuen ARP-Tochtergesellschaft aktiv sein und den Konzern bei der Integration des Pharmageschäfts beraten. Mit der Beteiligungsgesellschaft K+D Valueinvest und der Immobiliendivision bleiben auch einige Teile des Unternehmens in der Familie.

K+D: Jüngere Kräfte am Steuer

Stefan Kuhn legt die operative Leitung der Verpackungsfirma in die Hände seiner Nachfolger. Als Alleinaktionär und Verwaltungsratspräsident definiert er aber weiterhin die Strategie.
Thomas Griesser Kym