VERMÖGENSVERWALTUNG: St. Galler KB greift zu

M.M. Warburg verkauft ihr Schweizer Private Banking. Das illustriert die Probleme der Privatbanken.

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Thomas Griesser Kym

Vor zehn Jahren ist die Finanz­krise ausgebrochen, und seither steigt der Druck auf das Private Banking in der Schweiz. Das ­En­de des Schwarzgeldes, Steuertransparenz, der automatische Informationsaustausch, Abflüsse von Kundenvermögen, die strengere Regulierung – all das belastet das Geschäft mit reichen Privatkunden und bürdet der Branche zusätzliche Kosten auf.

Am stärksten spüren das die Kleinen. Laut der Prüfungs- und Beratungsfirma KPMG ist die Zahl der Privatbanken hierzulande zwischen 2010 und Mitte 2017 um fast ein Drittel gesunken, von 163 auf 112 (siehe Grafik). Vier von fünf Banken, die verschwunden sind, sind kleine Institute mit weniger als 5 Milliarden Franken verwalteten Vermögen. Ihr Geschäftsvolumen ist oft zu gering, um eine angemessene Eigen­kapitalrendite zu erarbeiten.

Mit dem Schweizer Ableger der Hamburger Privatbank M.M. Warburg stellt nun ein weiteres Institut das Private Banking für klassische Privatkunden ein. Alle fünf Kundenberater wechseln zur St. Galler Kantonalbank (SGKB) und betreuen ihre Kunden in Zukunft ab der SGKB-Niederlassung Zürich. Warburg selber fokussiert auf grössere Vermögen und institutionelle Investoren.

SGKB-Sprecher Adrian Kunz beziffert das von der Transaktion betroffene Kundenvermögen auf einen «mittleren dreistelligen Millionenbetrag». Zum Vergleich: Die SGKB verwaltet als Gruppe über 40 Milliarden Franken, davon rund 23 Milliarden im Private Banking. Warburg habe vor allem Privatkunden aus der Schweiz und aus Deutschland, was im Private Banking Kernmärkte der SGKB sind. Erfahrungsgemäss fliessen bei solchen Handänderungen 10 bis 20 Prozent der verwalteten Vermögen ab, weil sich nicht alle Kunden an die neue Bank quasi mitverkaufen lassen wollen. Es liegt nun an den Beratern, ihren Stamm möglichst zu halten. Kunz wirft zudem die Reputation und Expertise der SGKB in die Waagschale.

Dass M.M. Warburg ebenfalls zu beissen hatte, zeigt die jüngere Entwicklung. Das Institut verwaltete in der Schweiz per Ende 2016 in allen Segmenten knapp 1,5 Milliarden Franken. Seit 2014 sind innert drei Jahren netto 215 Millionen Franken abgeflossen.