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Verkehrte Welt in Japan

Börsenspiegel

Shinzo Abe erlebt die erste grosse Krise seiner bald fünfjährigen Amtszeit. Vorwürfe über Günstlingswirtschaft, der alte Streit um die Rolle des Militärs und eine verlorene Stadtratswahl von Tokio haben die Umfragewerte des japanischen Premiers erstmals auf unter 40 Prozent gedrückt.

Seine Wirtschaftspolitik namens «Abenomics» wurde von ­Anfang an als Verzweiflungsakt abgetan. Die Vorstellung, das Schleifen der geldpolitischen Zügel führe nur zu Geldentwertung und damit zu praktisch wertlosen Scheingewinnen an der Börse, sitzt tief. Der Verweis auf Fakten, die dagegensprechen, nützt bei Skeptikern kaum etwas. Zum Beispiel, dass der Tokioter Aktien­index Nikkei 225 unter den «Abenomics» eine höhere Gesamtrendite erzielte als die Börsenindizes der anderen Industrieländer, mit Ausnahme der USA.

Japans Wirtschaft wächst seit mindestens sechs Quartalen über Potenzial und erlebt damit die längste stabile Konjunkturphase seit dem letzten globalen Boom vor über zehn Jahren – und dies, obwohl der Yen seit rund zwei Jahren handelsgewichtet tendenziell wieder zur Stärke neigt. Die Unternehmensgewinne haben sich rascher als anderswo von der Rohstoffbaisse von 2015 erholt und wachsen derzeit stärker als im ohnehin ansehnlichen globalen Schnitt, während der immer noch günstige Yen und der aufgehellte Welthandel die Auslanderträge und die Exporte beleben.

Auch die Binnenwirtschaft leistet ihren Beitrag: Die Anlageinvestitionen erklimmen gerade das Hoch von 2007, während die Arbeitslosigkeit sinkt. Erstmals seit über 40 Jahren gibt es pro Arbeitssuchenden einen offenen, festen Vollzeitjob. Nachdem die private Kreditvergabe Jahrzehnte lang geschrumpft ist oder stagniert hat, wächst auch sie jetzt moderat, aber stetig. Die Firmenbankrotte nähern sich dem Rekordtief von 1989.

Am Ende renkt sich vielleicht doch alles ein

Enttäuschend ist einzig die Inflation, die trotz der Geldmengenausweitung der letzten Jahre deutlich unter dem Zielwert der Notenbank von etwas über 2 Prozent pro Jahr verharrt. Für die Börsen dürfte dies am Ende ein Segen sein. Es bewegt die Notenbank dazu, ihren lockeren Kurs zu verlängern und nötigenfalls noch weiter zu lockern.

Diese Entwicklungen legen nahe, dass sich Japans Wirtschaft inzwischen so weit erholt hat, dass viele Bürger eine gute Konjunktur wieder als selbstverständlich ansehen. Anders ist kaum nachvollziehbar, warum die Innenpolitik die aktuellen Meinungsumfragen so stark belastet. Die Vermutung liegt daher nahe, dass sich Premier Shinzo Abes Tief am Ende doch als vorübergehend herausstellen wird.

Mikio Kumada

LGT Capital Partners

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