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Interview

«Verkaufsentscheide im Private Banking sind hochemotional»

Roman Schenkel
Klaus Kirchmayr ist Co-Gründer des Beratungsunternehmens Millennium Associates mit Sitz in Zürich und London. (Bild: Keystone)

Klaus Kirchmayr ist Co-Gründer des Beratungsunternehmens Millennium Associates mit Sitz in Zürich und London. (Bild: Keystone)

Klaus Kirchmayr, wie gross ist der Konsolidierungsdruck im Schweizer Private Banking?

Der Druck ist aktuell bedeutend. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Im Zuge des Wegfalls des Bankgeheimnisses hat sich das Geschäftsmodell im Private Banking sehr stark verändert. Die Zeiten des billigen, bequemen Geldverdienens sind definitiv vorbei. Aber auch die Klientel hat sich aufgrund der Demografie gewandelt. Ältere, oft wenig anspruchsvolle Kunden sterben weg. Die Erben haben deutlich höhere Ansprüche. Das macht das Geschäft für die Privatbanken aufwendiger und damit teurer. Hinzu kommen die zusätzliche Regulierung und eine viel strengere Finanzmarktaufsicht.

Die Margen der Privatbanken sind extrem unter Druck.

Der Wettbewerb hat sich deutlich verschärft. Die grossen Investitionen des letzten Jahrzehnts in die Backoffices werden jetzt eingesetzt. Wer das gut gemacht hat und eine billigere Kostenstruktur hat, der wird den gewonnenen Spielraum teilweise für wettbewerbsfähige Preise einsetzen können. Zudem gibt es neue Wettbewerber, etwa Kantonalbanken, welche beispielsweise aus dem Retailgeschäft heraus das obere Segment angreifen. Viele Produkte oder Dienstleistungen, welche früher exklusiv Private-Banking-Kunden vorbehalten waren, sind heute quasi «ab der Stange» für viele verfügbar und in der Regel deutlich billiger und so mit weniger Marge versehen.

Wenn der Druck und der Wettbewerb so gross sind, wieso kommt es im Schweizer Bankenmarkt nicht zu mehr Übernahmen?

Der Offenbarungseid fällt vielen schwer. Im Gegensatz zur angelsächsischen Welt sind Verkaufsentscheide im Schweizer Privatbanking eine hochemotionale Angelegenheit. Mehr Rationalität in den Entscheidungsgremien wäre für die Bankenbranche als Ganzes mit Sicherheit gut. Dazu bräuchte es aber auch mehr entsprechendes, praxiserprobtes, strategisches Know-how in den Entscheidungsgremien der hiesigen Privatbanken. Viel zu häufig sitzen heute praxisferne Theoretiker oder Risiko-Minimierer in den Verwaltungsräten – ein proaktives Handeln erfolgt da meist zu spät.

Finden dafür viele «stille Transaktionen» statt, also dass Banken voneinander Teams und Kunden abwerben?

«Stille» Transaktionen dürften in der Schweiz die Ausnahme bleiben. Heute sind so viele Interessen zufriedenzustellen, dass ein strukturierter Prozess in jedem Fall ratsam ist. Dies kann aber durchaus auch viel schneller passieren, als das noch vor etwa zehn Jahren üblich war.

Der Appetit auf Notenstein war offenbar sehr gross, es sassen gleich vier Banken am Tisch.

Die Konsolidierung im Private Banking in der Schweiz ist bereits weit fortgeschritten. Mit Notenstein bot sich für einmal eine seltene Gelegenheit, einen «angeschlagenen» Konkurrenten zu übernehmen. Die bedeutenden Synergien, die sich hier potenziell erzielen lassen, sind gerade für die Bank Vontobel attraktiv.

Erwarten Sie im Schweizer Private Banking weitere Übernahmen?

Ja, davon ist auszugehen.

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