Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Verjüngung bei Bischoff Textil

In der Geschäftsleitung der St. Galler Stickereifirma löst ein vierköpfiges Team die beiden bisherigen Patrons ab. Trotz zahlreicher Herausforderungen wie Frankenstärke oder schwächelnden Märkten wird auch Zuversicht versprüht.
Thomas Griesser Kym
Unterwäsche der chinesischen Luxusmarke Enweis mit Stickereien von Bischoff Textil. (Bild: pd)

Unterwäsche der chinesischen Luxusmarke Enweis mit Stickereien von Bischoff Textil. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Vor einem Jahr hat die traditionsreiche St. Galler Stickereifirma Bischoff Textil AG ihr Verwaltungsratspräsidium neu besetzt, nun steht die Nachfolgeregelung in der Geschäftsleitung bevor. Diese wird per Anfang Juli von Thomas Meyer und Markus Hungerbühler, die seit 2010 als Co-Geschäftsführer amtieren, an ein vierköpfiges Führungsteam übergeben. Die neue Geschäftsleitung steht unter dem Vorsitz Andreas Hungerbühlers, der bisher als Mitglied der Geschäftsleitung die Partnerbetriebe von Bischoff in der Türkei, in Thailand und Sri Lanka betreut sowie die Forschung und Entwicklung geleitet hat. Ihm zur Seite stehen David Rygula, der von Thomas Meyer die Verantwortung für Marketing, Verkauf und Kundenbetreuung im In- und Ausland übernimmt, sowie Thomas Neff (Finanzen) und Wolfgang Keller (Produktion und Liegenschaften). Mit Ausnahme Rygulas, der vor acht Monaten vom Messerhersteller Victorinox zu Bischoff gestossen ist und davor für die Kreuzlinger Holy Fashion Group gearbeitet hat, sind die Neuen an der Firmenspitze langjährige Mitarbeiter des St. Galler Unternehmens.

«Potenzial bei den Aufträgen»

Auf Anfrage sagen Thomas Meyer und Andreas Hungerbühler, mit dem Stabwechsel werde der bisherige, eher patronale und autonomere Führungsstil durch eine Leitung abgelöst, die sich mehr dem Teamgedanken mit klaren Aufgabenteilungen verschrieben habe. Damit reagiere man darauf, dass der Markt immer härter umkämpft sei und die Komplexität des Geschäfts zunehme.

Über den Geschäftsgang sagen Meyer und Hungerbühler, die Auftragseingänge lägen auf Vorjahresniveau. Das sei «noch nicht zufriedenstellend», aber immerhin habe man damit die Rückgänge der Jahre davor gestoppt. Meyer sagt, die Lage sei «nicht glorios», aber Bischoff sei «zuversichtlich, das diesjährige Budget zu erreichen». Hungerbühler ergänzt, er sehe «Potenzial bei den Aufträgen» und hoffe, im ganzen laufenden Jahr den Umsatz des Vorjahres 2015 zu übertreffen.

Andreas Hungerbühler Neuer Chef der Bischoff Textil (Bild: Michel Canonica)

Andreas Hungerbühler Neuer Chef der Bischoff Textil (Bild: Michel Canonica)

Fabrik in Diepoldsau ausgelastet

Dem Unternehmen mache zu schaffen, dass Zukunftsmärkte wie vor allem China, aber auch Japan und Korea, seit geraumer Zeit unter gedrückter Kauflaune der Konsumenten litten. Kommt hinzu, dass bei Unterwäsche Stickereien weniger dem Zeitgeist entsprächen als auch schon und darüber hinaus zunehmend von Spitzen konkurrenziert werden. Dieses Gewirk hole qualitätsmässig auf. Im Trend liegen Stickereien dafür bei Damenoberbekleidung, wie Hungerbühler sagt. Und: «Wir glauben nach wie vor an beide Segmente.»

Dem herausfordernden Geschäftsgang ist Bischoff mit mehreren Massnahmen begegnet, wozu auch Kostensenkungen zählen. Dabei seien teils auch natürliche Abgänge nicht ersetzt worden. In der Schweiz hat Bischoff 80 Mitarbeitende, in Vollzeitstellen gerechnet sind es 75. Sie verteilen sich auf den Hauptsitz in St. Gallen und die Fabrik in Diepoldsau, die laut Meyer im Drei-Schicht-Betrieb läuft und «voll ausgelastet» ist. «Wir müssen unseren Personalbestand hier halten, um unser Angebot und die Kundenbetreuung aufrechterhalten zu können», sagt Meyer. Ausserdem stecke das unverzichtbare Know-how in den Köpfen der Mitarbeitenden. Über 1000 arbeiten in den Fabriken der ausländischen Partnerbetriebe von Bischoff, wo die Lohnkosten günstiger sind.

Sorgen wegen Frankenstärke

Hungerbühler sagt, mit dem Wechsel in der Geschäftsleitung werde man vorerst «an kleinen Schrauben drehen». So möchte er beispielsweise neue Segmente bearbeiten und die Kooperation mit den Partnerbetrieben noch enger knüpfen. Die Entwicklung von Innovationen im Sinne neuer Produkte in lukrativen Nischen bleibe «ein permanenter Prozess». Sorgen bereiten die Schwäche des Euro und neuerdings, als Folge des Brexit-Ja, des britischen Pfunds. Das dürfte laut Meyer dazu führen, dass der Preisdruck seitens Retailer wie Marks & Spencer und sogar britischer Modelabels wie Stella McCartney oder Alexander McQueen zunehme.

Jahrzehnte im Unternehmen

Die beiden abtretenden Co-Geschäftsführer Thomas Meyer und Markus Hungerbühler haben 44 respektive 38 Jahre im Unternehmen gearbeitet. Markus Hungerbühler sitzt weiterhin im Verwaltungsrat der Bischoff Textil AG. Dieser wird von Reto Spaar präsidiert, der in diesem Amt Mitte vergangenen Jahres den langjährigen Patron Max R. Hungerbühler abgelöst hat. Dieser ist seither Ehrenpräsident. Er hatte das Unternehmen internationalisiert, das 1927 gegründet worden war – «inspiriert von den Handstickereien aus dem schönen Appenzellerland und der langen St. Galler Textiltradition», wie die Website erzählt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.