Verhaltenes globales Wachstum erwartet

Anfang 2015 ist für die Weltwirtschaft ein reales Wachstum von etwa 3,5% prognostiziert worden. Diese Prognose musste seither auf leicht unter 3% gesenkt werden. Belastend auf das Wachstum wirkten einerseits langfristige demographische Trends.

Urs Kundert Leiter Marktgebiet St. Gallen Private & Wealth Management
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Anfang 2015 ist für die Weltwirtschaft ein reales Wachstum von etwa 3,5% prognostiziert worden. Diese Prognose musste seither auf leicht unter 3% gesenkt werden. Belastend auf das Wachstum wirkten einerseits langfristige demographische Trends. Stärker wogen die restriktiven geldpolitischen Massnahmen in einigen Schwellenländern, mit denen steigender Inflation und Währungsschwäche entgegengewirkt wurde. Die Wachstumsverlangsamung sorgte für anhaltenden Abwärtsdruck auf die Rohstoffpreise, der zusätzliche Belastungen für einige von Rohstoffexporten abhängige Länder mit sich brachte. Hingegen stützte er die verfügbaren Einkommen in Importländern. Für die meisten Industrieländer wird für 2016 ein stetiges Wachstum vorhergesagt. Gerade in der Eurozone sollte die Wachstumsdynamik nochmals zulegen. In vielen Schwellenländern wird hingegen die Anpassung binnen- und aussenwirtschaftlicher Ungleichgewichte das Wachstum weiterhin belasten. In einigen dieser Länder, wie Brasilien, werden die bremsenden Faktoren auch 2016 überwiegen. Hingegen sollte sich das Wachstum in China aufgrund weiterer geld- und finanzpolitischer Stützungsmassnahmen stabilisieren.

Schrittweise Zinserhöhung

Das daraus resultierende Gesamtbild eines verhaltenen globalen Wachstums deutet auf eine weiterhin niedrige Inflation hin. Da die USA im Wirtschaftszyklus weiter fortgeschritten sind, wird die Inflation hier anziehen. Es ist deshalb mit einer weiteren schrittweisen Zinserhöhung durch die US-amerikanische Federal Reserve zu rechnen. Als Folge dürften die Staatsanleihen an den Hauptmärkten magere, wenn nicht gar negative Renditen erzielen. Für Unternehmensanleihen und Aktien wird mit besseren, wenngleich mässigen Renditen gerechnet. Wegen der graduellen Straffung der US-Geldpolitik muss zudem mit beträchtlicher Volatilität an den Märkten gerechnet werden. Im Laufe des Jahres sollten die Zinserhöhungen dem US-Dollar nochmals etwas Schub verleihen. Demographische Trends beeinflussen das globale Wachstumsbild. Der wichtigste demographische Trend ist die Verlangsamung der Wachstumsrate und in einigen Fällen sogar ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Am deutlichsten sichtbar ist dieser Trend in Japan. Auch in Europa, insbesondere in Deutschland, ist er zunehmend erkennbar. Der Flüchtlingszustrom wirkt diesem demographischen Trend entgegen, sofern die Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Am langfristigen demographischen Bild ändert er jedoch wenig. In der Schweiz fiel das Wachstum in den vergangenen Jahren aufgrund der starken Zuwanderung stärker als erwartet aus. In den kommenden Jahren dürfte diese Dynamik jedoch nachlassen. Eine grössere Überraschung war der ausgeprägte Abwärtstrend bei der Erwerbsbeteiligung in den USA als Folge der Pensionierung von Babyboomern und einer rückläufigen Beteiligung von Frauen.

Japan setzt auf Frauen

Die japanische Regierung ist bemüht, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu steigern, um das Wachstum anzukurbeln. Die Wirkung dieser Massnahmen wird aber begrenzt bleiben, weil die Beteiligungsquote schon jetzt hoch ist. In einigen Ländern wie Italien dürften Massnahmen zur Liberalisierung des Arbeitsmarktes diesbezüglich mehr Früchte tragen. Schliesslich hat auch in mehreren Entwicklungsländern, an vorderster Front in China, die demographische Alterung eingesetzt. Hohes Wachstum wird deshalb zunehmend auf Produktivitätsfortschritte abstellen müssen, was eine Verstärkung der Reformmassnahmen bedingt.