Vectronix schärft den Blick

Nach dem Einbruch des Militärgeschäfts und einem Stellenabbau geht es bei der Vectronix wieder allmählich aufwärts. Der Optimismus fusst auf dem Geschäft mit zivilen Firmenkunden.

Thomas Griesser Kym
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Das Militärgeschäft wird für Vectronix weniger wichtig. Hier Soldaten mit einem Beobachtungs- und Lokalisierungsgerät des Typs Moskito TI. (Bild: pd)

Das Militärgeschäft wird für Vectronix weniger wichtig. Hier Soldaten mit einem Beobachtungs- und Lokalisierungsgerät des Typs Moskito TI. (Bild: pd)

HEERBRUGG. Im Herbst vergangenen Jahres kündigte die Vectronix AG in Heerbrugg an, ihre Belegschaft zu verkleinern. Letztlich erhielten 27 der 214 Mitarbeitenden die Kündigung. Das Unternehmen litt unter dem Spardruck vieler Staaten, den internationalen Sanktionen gegen Russland und Exportauflagen bei der Ausfuhr militärischer Güter. Erschwerend hinzu kam ein Zerfall verschiedener asiatischer Währungen. Resultat war ein Einbruch der Bestellungen vor allem von Tag- und Nachtsichtgeräten für Militär, Polizei, Grenzschutz usw.

Knapp ein Jahr später sieht es für die Vectronix etwas besser aus. Wie Firmenchef Efthimios Katsidis sagt, haben 25 der damals Gekündigten neue Arbeit ausserhalb des Unternehmens gefunden. Er führt dies auch auf die Begleitung durch ein professionelles Personalvermittlungsbüro zurück. «Das Massnahmenpaket hat gegriffen. Unter dem Strich haben wir ein gutes Resultat erzielt», sagt Katsidis. Im ganzen 2015 habe die Vectronix gut 80 Mio. Fr. umgesetzt, und der befürchtete Sturz in die roten Zahlen habe vermieden werden können, wenn auch nur knapp. Die Vectronix, die zur französischen Safran Group gehört, war 2002 aus der Leica Geosystems ausgegliedert worden.

«Nicht in heikle Gebiete»

Heute zeige sich, dass der Stellenabbau «richtig dimensioniert» gewesen sei. Gegenwärtig beschäftigt die Vectronix 182 Mitarbeitende, und laut Katsidis wird bereits wieder Personal rekrutiert, um natürliche Abgänge zu ersetzen. «Wir kommen wahrscheinlich aus der Talsohle heraus», sagt der Chef. Für das laufende Jahr rechnet er mit Verkäufen auf Vorjahreshöhe und einem etwas besseren Ergebnis, bevor 2017 dann «ein deutliches Umsatzwachstum» bringen soll.

Zudem sieht Katsidis für das nächste Jahr «reelle Chancen, die Profitabilität auf das gewünschte Niveau» hieven zu können. Diese Zuversicht basiert auf einer Hinwendung zum Geschäft mit kommerziellen Firmenkunden. Vorgängig hat die Vectronix den Markt analysiert und in der Folge 50 Mitarbeitende intern neu plaziert. Geplant ist ein Schub im «sehr interessanten» Geschäft mit Distanzmessgeräten und Kompassen für Firmenkunden. Vectronix hatte diese Produkte schon bisher im Angebot, bearbeitet nun aber den Markt viel aktiver als früher, der immer stärker in Schwung komme. Ein weiterer Vorteil ist, dass die kommerziellen zivilen Güter vorgängig vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) klassifiziert werden und anders als die militärischen Güter wesentlich einfacher zu betreiben sind aus Sicht der Compliance, also der Einhaltung von Richtlinien. Katsidis räumt ein, dass das Militärgeschäft das Unternehmen nach wie vor belastet, und «wir wollen nicht in heikle Gebiete liefern». Langfristig wolle Vectronix «mindestens zwei Drittel» des Umsatzes mit kommerziellen Geräten und Komponenten erarbeiten.

«Mit grösster Vorsicht»

Der Aufbau erfordert noch ein paar Jahre, doch Katsidis schliesst nicht aus, dass sich das Geschäft schon kurzfristig besser entwickelt als budgetiert. «Wir haben ungewöhnlich grosse Offerten am Laufen.» Sollten diese kräftiger als erwartet in Aufträge umgewandelt werden, «müssten wir in der Produktion Kapazität aufbauen und könnten wohl einen Teil der abgebauten Stellen kompensieren». Katsidis will dabei aber «mit grösster Vorsicht» vorgehen, um später «nicht noch einmal Arbeitsplätze streichen» zu müssen. Parallel dazu will Katsidis aber das angestammte Militärgeschäft nicht vernachlässigen. Aus den USA, wo die Hälfte des Vectronix-Umsatzes herkommt, empfange man «ermutigende Signale», und mit Armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung in Bern, steht das Unternehmen in Kontakt betreffend einer Zusammenarbeit.