VAT schaltet einen Gang höher

Vor einem Jahr hat die Gründerfamilie Schertler die Werdenberger VAT-Gruppe an zwei Beteiligungsgesellschaften verkauft. Nun will die neue Führungscrew um den ehemaligen Unaxis-Chef Heinz Kundert das Wachstum beschleunigen.

Patrick Stahl
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In Haag arbeiten 700 der 1200 Mitarbeitenden der VAT-Gruppe. (Bild: Elma Korac)

In Haag arbeiten 700 der 1200 Mitarbeitenden der VAT-Gruppe. (Bild: Elma Korac)

HAAG. Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum der VAT-Gruppe wollen die Schweizer Beteiligungsfirmen Partners Group und Capvis dem Unternehmen zu beschleunigtem Wachstum verhelfen. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der VAT haben unter dem Titel VATmotion eine Reihe von Massnahmen beschlossen, um das Unternehmen weiter zu stärken. Das Programm sieht unter anderem vor, das Produkteangebot zu verbreitern, die Organisation in Asien zu stärken und das Servicegeschäft auszubauen.

«Die VAT ist an der Schwelle zu einem Grossunternehmen angekommen», sagt Heinz Kundert. Der frühere Konzernchef von Unaxis (heute Oerlikon), leitet seit Anfang Juni die Geschicke der VAT-Gruppe. Kundert ist seit über 30 Jahren in der Vakuum- und Beschichtungsindustrie tätig und war zuletzt Vizepräsident des Weltverbandes der Halbleiterbranche mit Sitz in den USA. Einen Grossteil der vergangenen zehn Jahre verbrachte er im Silicon Valley in Kalifornien.

Führend bei Vakuumventilen

Jetzt will Kundert sein Wissen sowie seine Erfahrung und weltweiten Kontakte in die VAT-Gruppe einbringen. Er sieht die neue Aufgabe als «grosse Herausforderung und Ehre». Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, sei es nötig gewesen, die Strukturen der VAT-Gruppe der Grösse des Unternehmens anzupassen. Aus diesem Grund wurde die Führungsebene mit Kundert an der Spitze zusätzlich mit dem betrieblichen Leiter Kurt Trippacher und Finanzchef Andreas Leutenegger verstärkt.

VAT ist Weltmarktführer bei Vakuumventilen, die es zur Herstellung von Mikroprozessoren, Speicherchips, Displays und Solarzellen braucht. Die Produktionsverfahren für Prozessoren und Chips müssen im hochreinen Vakuum stattfinden. Die Chips dienen dann in Smartphones, Computern, Autos oder im Internet der Dinge, wo alle möglichen Gegenstände mit dem weltweiten Netz verbunden sein werden. «Dieses Geschäftssegment wollen wir noch weiter ausbauen», sagt Kundert. Ferner liefert VAT auch Ventile für andere industrielle Anwendungen sowie in die Forschung. Der Umsatz nähert sich mittlerweile der Marke von 400 Mio. Franken.

Ausbau des Services und in Asien

Grosses Potenzial sieht Kundert im Servicegeschäft: «Über 500 000 VAT-Hochleistungsventile sind weltweit im 24-Stunden-Einsatz. Praktisch jeder Mikrochip wurde mehrmals in der Herstellung durch ein Vakuumventil von VAT geschleust, das hohen Anforderungen wie Partikelfreiheit, Präzision oder Zuverlässigkeit genügen muss.» Daher sei ein kompetenter und umgehender Service vor Ort von grosser Bedeutung. «Wir wollen unsere weltweite Präsenz verstärken und jederzeit einwandfreien Betrieb unserer Produkte beim Kunden gewährleisten.»

Die neue Unternehmensstrategie hat zur Folge, dass sich die VAT-Gruppe noch globaler ausrichten wird. Das Unternehmen beschäftigt bisher nach wie vor mehr als die Hälfte des Personals in der Schweiz. Aktuell sind 700 der 1200 Mitarbeitenden am Hauptsitz in Haag tätig. Dieses Verhältnis könnte sich in absehbarer Zeit wachstumsbedingt zugunsten des Auslands verändern: Vor allem Asien steht dabei im Fokus, um den Wunsch nach Kundennähe zu erfüllen. «Mehr als 80 Prozent unserer Produkte werden ausserhalb Europas installiert», erklärt dazu Kundert.

Erste Fussspuren hat die VAT-Gruppe bereits vor zwei Jahren in Asien hinterlassen, als ein neues Produktionswerk in Malaysia eröffnet wurde. Aktuell hat dieses 100 Mitarbeitende, Tendenz weiter steigend. «Das Werk in Malaysia ist eine gute Basis und stärkt unsere Ausgangslage für weiteres Wachstum. Damit können wir auch weitere Märkte erschliessen», sagt Kundert.

Wegen der hohen Exportabhängigkeit hat sich die Frankenstärke auch bei der VAT negativ bemerkbar gemacht. «Solche starken Wechselkursverwerfungen innert kürzester Zeit sind Gift für die Industrie. Da hätte man sich seitens der Schweizerischen Nationalbank eine bessere Strategie gewünscht», sagt Kundert. Bei der VAT hätten sich die negativen Folgen aber in Grenzen gehalten, vor allem dank organisatorischer Massnahmen und Währungsabsicherungen.

«Einzigartige Kombination»

Am Hauptsitz in der Schweiz will der Chef nicht rütteln: «Haag bleibt der Motor der VAT-Gruppe. Der Standort ist essenziell für die VAT. Die Kombination aus Innovationskraft, Fachwissen, Verlässlichkeit, Präzision und Passion ist hier einzigartig.» Aktuell sind ein Dutzend offener Stellen im technischen Bereich in Haag ausgeschrieben.

Kundert zeigt sich denn auch zuversichtlich, «unsere Ziele zu erreichen». Dabei sollen auch neue Anwendungen für die VAT-Vakuumventile erschlossen werden. Die VAT sieht beispielsweise bei der Tochterfirma Comvat noch viel Potenzial in den Märkten USA und Asien. Die Membranbälge von Comvat werden hauptsächlich in Vakuumanwendungen der Halbleiterindustrie, der Medizintechnik, der Forschung und der Autoindustrie eingesetzt.