Valiant trotzt den Negativzinsen

Die Retailbank mit Holdingsitz in Luzern hat sich im vergangenen Jahr gut geschlagen. Den Aktionären winkt – erneut – eine höhere Dividende. Der Entscheid, den älteren Mitarbeitern die zusätzlichen Ferientage zu streichen, wird aber nicht überdacht.

Livio Brandenberg
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Übernimmt Ende Mai den Chefposten bei Valiant: der heutige CFO Ewald Burgener am Mittwoch in Bern. (Bild: Alex Spichale)

Übernimmt Ende Mai den Chefposten bei Valiant: der heutige CFO Ewald Burgener am Mittwoch in Bern. (Bild: Alex Spichale)

Für eine Bank, die möglichst «einfach» sein will (Eigenwerbung), ist bei der Valiant Bank derzeit ziemlich viel los. Dies wurde einmal mehr deutlich bei der Präsentation der Jahresergebnisse am Mittwoch in Bern. Neben den guten Zahlen waren die Wachstumsstrategie, die anstehenden Wechsel im Management und die erneut steigende Dividende ein Thema. Doch zuerst zu den Ergebnissen.

Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn der Valiant um 0,9 Prozent auf 120,3 Millionen Franken (siehe Tabelle). Der Geschäftserfolg, also die operative Leistung der Bank, lag gar um 11,5 Prozent über dem Vorjahreswert bei 151,9 Millionen Franken. Darin spiegelt sich vor allem ein ausserordentlicher Ertrag aus einer Sonderdividende des Kartenzahlunternehmens Aduno, an dem Valiant beteiligt ist.

«Kunststück» bei der Zinsmarge

Als absolutes Highlight strichen die Verantwortlichen – Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher, CEO Markus Gygax sowie Finanzchef Ewald Burgener – die gesteigerte Zinsmarge heraus. Dies im Negativzinsumfeld erreicht zu haben, sei «ein Kunststück», sagte Gygax. Geschafft habe man die Steigerung hauptsächlich auf der Refinanzierungsseite, also beim Zinsaufwand, der um gut 20 Prozent oder 17,5 Millionen zurückging. Denn bei den Zinserträgen gebe es nichts zu holen, «die gibt der Markt vor», so Gygax. Im wichtigen Zinsgeschäft legte die Retailbank im 2018 zu: Der Nettoerfolg stieg um 3,3 Prozent auf 305 Millionen Franken. Zu diesem Resultat hat laut Valiant unter anderem die Emission eigener hypothekenbesicherter Wertpapiere, sogenannter Covered Bonds, beigetragen.

Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft hingegen wurde das Ziel verpasst. Es verharrte auf dem Vorjahreswert von 62,2 Millionen Franken. In diesem Bereich will der neugewählte CEO Ewald Burgener, der Gygax nach der Generalversammlung im Mai in Luzern ablösen wird, den Hebel ansetzen: «Mit dem Kommissions- und Dienstleistungsergebnis dürfen wir nicht zufrieden sein», sagte er am Mittwoch.

Ob der insgesamt soliden Ergebnisse freuen dürfen sich die Aktionäre: Bereits zum vierten Mal in Folge soll die Dividende erhöht werden, heuer um 40 Rappen auf 4.40 Franken. Dies ergibt neu eine Dividendenrendite von rund 4 Prozent. Weiter erfreuen dürfte die Anleger, dass die Valiant die Kosten trotz Expansionsstrategie im Griff zu haben scheint: Der Geschäftsaufwand konnte im letzten Jahr mit 226 Millionen Franken konstant gehalten werden. Der höhere Personalaufwand sei durch einen tieferen Sachaufwand kompensiert worden. Aufgrund der Wachstumsstrategie erwartet die Bank auch im laufenden Jahr steigende Personalkosten.

Neuer Finanzchef wird im März ernannt

Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Retailbanken in der Schweiz verfolgt die Valiant eine Expansionsstrategie und eröffnet Filialen, anstatt solche zu schliessen. So werden in der zweiten Jahreshälfte 2019 neu St. Gallen, Wil und Rheinfelden eröffnet. Dazu wird der KMU-Standort in Winterthur aufgebaut.

Und auch bei den anstehenden personellen Wechseln laufe alles nach Plan, sagte Präsident Bucher: Der neue CFO werde Ende März ernannt, der Nominationsprozess komme gut voran. Und Markus Gygax werde zur Wahrung einer guten Corporate Governance nach seinem Wechsel in den Verwaltungsrat während des ersten Jahres nicht im Nominations- und Vergütungsausschuss Einsitz nehmen und künftig auch nicht dem Prüfungs- und Risikoausschuss angehören.

Was der Valiant in letzter Zeit Kritik einbrachte, war der Entscheid, die zusätzlichen Ferientage für ältere Angestellte zu streichen. Diesen Entscheid werde die Bank nicht überdenken, wie Sprecher Marc Andrey sagte. Es habe «einige, natürlich auch kritische, Reaktionen von Kunden» gegeben, allerdings nicht Dutzende. Von der mit den neuen Anstellungsbedingungen verankerten Möglichkeit, bis zu 20 zusätzliche Ferientage pro Jahr zu kaufen, werde bereits rege Gebrauch gemacht. «Rund 10 Prozent unserer Mitarbeitenden, also rund 100 Personen, haben schon zusätzliche Ferientage gekauft», so Andrey.