Utilis setzt auf Werkplatz Schweiz

MÜLLHEIM. Die in der Herstellung und im Handel von Präzisionswerkzeugen seit 100 Jahren tätige Thurgauer Utilis AG treibt ihre Internationalisierung voran. Der Exportanteil beträgt 60 Prozent, und der Standort Müllheim wird ausgebaut.

Martin Sinzig
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Mit fingergrossen Zerspanungswerkzeugen auf Kurs: Hauptaktionär Wolfgang Vilsmeier (links) und Geschäftsführer Mario Macario. (Bild: Martin Sinzig)

Mit fingergrossen Zerspanungswerkzeugen auf Kurs: Hauptaktionär Wolfgang Vilsmeier (links) und Geschäftsführer Mario Macario. (Bild: Martin Sinzig)

Seit 1915 entwickelt, fertigt und vertreibt die Utilis AG hochpräzise Zerspanungswerkzeuge. Gleichzeitig agiert das 100jährige Unternehmen als Exklusivvertretung für international etablierte, führende Handelsmarken. Auf den Märkten ist die Utilis AG gut unterwegs. Ihre Exportquote hat die Werkzeugherstellerin innerhalb der vergangenen drei Jahre von unter 40% auf heute über 60% erhöht. In Asien wird vor allem die Computer-, Elektronik- und Handyindustrie beliefert. In den USA und in der Schweiz ist die Utilis bei global tätigen Medizinaltechnikunternehmen, Dentalimplantateherstellern, bei den Uhrenherstellern und generell bei den Metallbearbeitern gut positioniert.

Hohe Investitionen

«Wir glauben an den Werkplatz Schweiz und verfolgen eine klare Vorwärtsstrategie», betont Wolfgang Vilsmeier, seit 2003 Hauptaktionär und Verwaltungsrat. Der hohe Investitionsrhythmus in Ausbildung (10% der Beschäftigten sind Lehrlinge), Vertrieb, Maschinen und Gebäude hat sich ausgezahlt.

Ein Meilenstein war der 2009, mitten in der Wirtschaftskrise, bezogene Erweiterungsbau. Damit ist die Produktion verdoppelt worden. «Die neue Halle ist mit Maschinen heute bereits wieder voll belegt», sagt Geschäftsführer Mario Macario. Der strategische Entscheid, stärker auf Automatisierung zu setzen, habe sich als richtig herausgestellt. Die Produktivität wurde markant gesteigert. «Früher arbeiteten drei Mitarbeitende an einer Maschine, heute bedient ein Mitarbeiter drei Maschinen», illustriert Macario die Fortschritte der vergangenen zehn Jahre. Als weiteren Erfolg nennt der operative Leiter die erfolgreiche Einführung des elektronischen Shops, womit die Bestellprozesse von über 82 000 Produkten automatisiert wurden.

Dennoch setzt die Utilis weiterhin auf eine gut besetzte Vertriebsabteilung. 13 Aussendienstmitarbeiter sind in der Schweiz aktiv, sieben Mitarbeitende betreuen von Müllheim aus Kunden im Ausland. Dazu kommen die eigenen Niederlassungen in Frankreich und in China sowie eine grosse Kooperation in den USA. «Wir müssen präzise verstehen, was unsere Kunden von unseren Präzisionswerkzeugen wollen, sowie Anwendungstechnik bieten. Das geht nur über vertrauensvolle persönliche Kontakte», betont Vilsmeier.

Dass die Nachfrage nach Eigenprodukten wächst, wertet die Unternehmensführung positiv. Der Anteil der Eigenmarke Multidec hat sich von früher 30% auf neu 55% erhöht.

Technische Innovationen

Die Fokussierung auf das Segment maximal fingergrosser Werkstücke bewähre sich, und die Miniaturisierung in vielen Branchen komme der Müllheimer Präzisionsfabrik entgegen, sagt Macario. Innovationen auf technischer Ebene stärken die Position der Utilis AG. Praktisches Beispiel dafür ist eine neue Lösung für die Kühlmittelzufuhr, welche die Utilis unter dem Namen Multidec-Lube exklusiv anbietet. Die Kühlmittelzufuhr für Zerspanungswerkzeuge wurde so konzipiert, dass der Werkzeugwechsel schnell, genau und einfach ist. «Das wissen unsere Kunden weltweit zu schätzen», sagt der Geschäftsführer. Vilsmeier bezeichnet die Utilis als «profitables und kerngesundes Unternehmen», das mit seinen 75 Mitarbeitenden am Standort Müllheim ein «jederzeit verlässlicher Partner» sei.

Trotz der jüngsten Verschiebung der Währungsverhältnisse ist die Firma in der Preisgestaltung vorsichtig geblieben und trägt aktuell das ganze Währungsrisiko selber. Das erfreuliche Volumenwachstum bei den Eigenprodukten habe die Margenverluste der letzten sechs Monate kompensiert, sagt Macario. Die Erhöhung der Produktivität, die Anpassung von der 40- auf die 42-Stunden-Woche sowie neue Absatzmärkte sollen die Utilis voranbringen. «Wir wollen uns auf das Verstärken unserer Stärken, nicht auf die Beseitigung von Schwächen konzentrieren», sagt Vilsmeier.

Kapazitäten verdoppeln

Der nächste Expansionsschritt steht bevor. Gegenwärtig laufen die Planungen für einen neuen Erweiterungsbau. Er wird die Produktions- und Bürokapazitäten der Utilis AG nochmals verdoppeln. Bis 2017 soll für den Neubau, für die Maschinen und Einrichtungen ein zweistelliger Millionenbetrag eingesetzt werden.

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