USA
Sand im Getriebe der grössten Volkswirtschaft der Welt

Im zweiten Quartal 2021 wuchs das US-amerikanische Bruttoinlandprodukt um 1,6 Prozent – und verfehlte damit die optimistischen Prognosen der Konjunkturexperten.

Renzo Ruf, Washington
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Blick auf die New Yorker Börse. Trotz stockendem Wirtschaftswachstum legten die Leitindexe zu.

Blick auf die New Yorker Börse. Trotz stockendem Wirtschaftswachstum legten die Leitindexe zu.

Mary Altaffer / AP

Die gute Nachricht: Die grösste Volkswirtschaft der Welt hat den Coronaschock überwunden. Im zweiten Quartal 2021 überstieg das US-amerikanische Bruttoinlandprodukt (saisonbereinigt und aufs ganze Jahr hochgerechnet) die Marke, die im Frühjahr 2020 gemessen wurde. In rekordverdächtiger Zeit haben sich die USA damit aus dem tiefen Loch befreit, in das die Volkswirtschaft im vorigen Jahr gefallen war.

Die schlechte Nachricht: Der Aufschwung stottert. Von April bis Juni des laufenden Jahres wuchs das Bruttoinlandprodukt nur um 1,6 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Aufs ganze Jahr hochgerechnet betrug das Wirtschaftswachstum damit 6,5 Prozent – satte zwei Punkte weniger als die Analysten prognostiziert hatten.

Branchen leiden unter Versorgungsengpässen

Nun lässt sich trefflich über den Wert solcher Prognosen streiten – so unterschätzten die Wirtschaftswissenschafter wohl die negativen Auswirkungen der Versorgungsengpässe, unter denen Branchen wie die Autoindustrie oder der Hausbau immer noch leiden. Auch handelt es sich bei der nun publizierten Schätzung erst um eine Trendmeldung, die in den kommenden Wochen mit Hilfe neuer Daten noch verfeinert werden kann.

Zweifelsohne aber befindet sich Sand im Getriebe der Konjunkturlokomotive. Hinzu kommt, dass die Aussichten im laufenden Quartal aktuell alles andere als gut sind. So sorgt eine neue Welle von Covid-19-Erkrankungen im Süden und Mittleren Westen für Alarmstimmung. Auch tun sich einige Branchen immer noch ausgesprochen schwer damit, ausreichend Arbeitskräfte anzustellen. Restaurants und Hotels klagen über Personalmangel, was sich negativ auf die Umsatzzahlen auswirkt. Michelle Meyer, eine Ökonomin der Bank of America, verwies in einer Stellungnahme darauf, dass bereits eine «bescheidene Anpassung» des Konsumverhaltens «bedeutsame» Auswirkungen auf die Konjunktur haben könnte, angesichts der starken Stellung des Servicesektors in den USA.

Fed-Chef sagt: Jede Corona-Welle wirkt sich weniger stark aus

In den Augen von Experten ist es aber noch zu früh für eine neue Panik. Jay Powell, der oberste Währungshüter der USA, sagte am Mittwoch an einer Pressekonferenz: «Jede Corona-Welle hat geringere wirtschaftliche Folgen» als die Welle zuvor. Auch versicherte der Chef der Federal Reserve, dass er nicht mit einer anhaltend hohen Inflation rechne. «Die aktuellen Preissteigerungen werden nicht ewig anhalten.»

Auch deshalb reagierten die Aktienmärkte am Donnerstag positiv auf die Wirtschaftsdaten. An der Börse in New York legten die Leitindexe zu.

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