US-Notenbank will nachlegen

Der gestrigen Erhöhung des Leitzinses will die amerikanische Notenbank Fed kommendes Jahr drei weitere Schritte folgen lassen. Fed-Chefin Janet Yellen erwartet ein moderates Wirtschaftswachstum.

Renzo Ruf/Washington
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Die Zinserhöhung der US-Notenbank dürfte den Dollar weiter erstarken lassen. (Bild: PD)

Die Zinserhöhung der US-Notenbank dürfte den Dollar weiter erstarken lassen. (Bild: PD)

Renzo Ruf/Washington

Janet Yellen ist eine vorsichtige Frau. Deshalb lehnte es die oberste amerikanische Währungshüterin gestern ab, sich über das angedachte Regierungsprogramm des künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu äussern. Dieses sieht ein gewaltiges Konjunkturprogramm vor. Journalistenfragen an der Pressekonferenz nach der geldpolitischen Sitzung der Fed beantwortet Yellen mit einem Schwall an Worten. So nannte sie die Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt auf 0,5% bis 0,75%, zu der sich der Offenmarktausschuss der Fed wie erwartet entschlossen hatte, ein «Vertrauensvotum zu Gunsten der amerikanischen Kon­junktur».

Aus den schriftlichen Unterlagen lässt sich aber ablesen, dass die Fed vorerst nicht mit einem Wirtschaftsboom rechnet. Demnach gehen die Prognostiker der Fed von einem US-Wirtschaftswachstum von 1,7% bis 2,4% im kommenden Jahr und von 1,7% bis 2,3% im Jahr 2018 aus. Das ist zwar «ein kleines bisschen» ­höher als 2016, wie Yellen sagte, aber weit entfernt von einem Boom, wie ihn Trump im Wahlkampf versprochen hatte. Auch die Arbeitslosenquote von derzeit 4,6% dürfte demnach nächstes Jahr nicht signifikant sinken, sondern sich bei 4,5% einpendeln.

Noch kein heftiger Tritt auf die Bremse

Folglich glaubt Yellen auch nicht, dass die Fed nächstes Jahr bereits heftig auf die Bremse treten muss, um die Konjunktur vor einer Überhitzung zu schützen. Die Währungshüter rechnen nun mit drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr, eine mehr als nach der Septembersitzung prognostiziert. Auch 2018 sei mit drei Zinserhöhungen zu rechnen, lautet die Prognose der Fed-­Experten. Allerdings wies Yellen dar­auf hin, dass diese Vorhersagen mit Vorsicht zu geniessen seien und dass sie sich rasch ändern könnten, wenn die Fiskalpolitik angepasst würde.

Die Fed-Chefin, deren Amtszeit bis mindestens Februar 2018 dauert, wählte zur Beschreibung der wirtschaftlichen Lage vorsichtige Worte. Sie erwähnte ein «moderates» Wirtschaftswachstum und einen robusten Arbeitsmarkt. Auch zeigten sich die Konsumenten ausgabenfreudiger, während sich Unternehmen mit Investitionen weiterhin zurückhielten. Die Inflationsrate nähere sich nun endlich dem Zielwert von 2% an. Darum sei die gestrige Zinserhöhung, die zweite seit Dezember 2015, angebracht, sagte Yellen. Diese Anhebung erfolgte einstimmig, nachdem an den Sitzungen im November und im September keine Einigkeit im Offenmarktausschuss geherrscht hatte. Die Fed beginnt also die neue Ära in Washington, die Präsidentschaft Donald Trumps, mit neugefundener Einigkeit.

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