US-Notenbank erhöht den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve erhöht erwartungsgemäss den Leitzins um einen Viertelpunkt – kündigt aber auch an, dass sich der Aufschwung im nächsten Jahr abschwächen werde.

Renzo Ruf, Washington
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Aktienhändler an der New Yorker Börse NYSE verfolgen die Rede von Fed-Präsident Jerome Powell. (Bild: Mark Lennihan/AP (19. Dezember 2018))

Aktienhändler an der New Yorker Börse NYSE verfolgen die Rede von Fed-Präsident Jerome Powell. (Bild: Mark Lennihan/AP (19. Dezember 2018))

Die amerikanischen Währungshüter halten Kurs und lassen sich von präsidialen Querschüssen nicht beirren. Am Mittwochabend gab der Offenmarktausschuss der Federal Reserve bekannt, dass der Leitzins um einen Viertelpunkt auf 2,25 bis 2,5 Prozent erhöht werde – die vierte Zinserhöhung im laufenden Jahr. Die Entscheidung fiel einstimmig; sämtliche zehn stimmberechtigten Mit­glieder des geldpolitischen Gremiums sagten Ja, darunter auch diejenigen, die ihr Amt dem aktuellen Präsidenten verdanken.

Donald Trump hatte zuletzt am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Federal Reserve dazu aufgefordert, von weiteren Zinserhöhungen abzusehen, damit auf den nervösen Finanzmärkten wieder Ruhe ­einkehre. Und weil Trump weiss, dass er der politisch unabhängigen Notenbank keine Befehle erteilen kann, beendete er seine Twitter-Botschaft mit einem höflichen «Alles Gute!».

Finanzmärkte reagieren skeptisch

Fed-Chef Jerome «Jay» Powell rechtfertigte die Zinserhöhung mit der anhaltenden Stärke der «robusten» amerikanischen Volkswirtschaft. Er sprach an einer Pressekonferenz von einem gesunden Arbeitsmarkt und davon, dass die Konsumausgaben weiterhin hoch seien. Auch habe die Federal Reserve die Inflationsrate unter Kontrolle; das Preisniveau befinde sich «leicht» unter dem Fed-Zielband von 2 Prozent. Gleichzeitig räumte Powell – der sein Amt als oberster Währungshüter seit Februar 2018 ausübt – aber auch ein, dass die amerikanische Volkswirtschaft im Gegenwind stehe. Auch zeigten sich viele Marktteilnehmer darüber besorgt, dass den USA ein Abschwung bevorstehe. Powell signalisierte deshalb, dass die Federal Reserve nicht auf Autopilot geschalten habe, sondern ihre geldpolitischen Entscheidungen regelmässig den aktuellen Daten anpasse.

So gab Powell bekannt, dass im kommenden Jahr wohl nun nur noch zwei weitere Zinserhöhungen anstünden – und nicht mehr drei, wie es die Währungshüter noch vor drei Monaten prognostiziert hatten. 11 der 17 Experten, die im Vorfeld der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses eine Prognose abgegeben hatten, sehen den Leitzins im nächsten Jahr bei 3 Prozent. In der Finanzgemeinde scheint sich die Meinung durchzusetzen, dass die amerikanischen Zinsen damit im Jahr 2019 ein neutrales Territorium (2,5 bis 3,5 Prozent) erreichen werden. Auch sagte Powell für das nächste Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2 bis 2,7 Prozent voraus, leicht tiefer als noch im September prognostiziert. Die Arbeitslosenrate ­werde aber weiterhin sinken, auf gegen 3,5 Prozent.

Keine Kommentare zu Trump

Powell lehnte es während der Pressekonferenz – erwartungsgemäss – ab, über die Kritik von Präsident Trump an der Fed-Politik Auskunft zu geben. Er sagte, dass «politische Überlegungen» überhaupt keinen Einfluss auf die Beratungen des Offenmarktausschusses genommen hätten. Und er betonte, dass «nichts und niemand» die Währungshüter davon abhalten werde, Entscheidungen zu treffen, die positive Auswirkungen auf die amerikanische Volkswirtschaft haben würden.

Die Finanzmärkte allerdings zeigten sich skeptisch. Der Leitindex an der New Yorker Börse brach nach der Veröffentlichung der Fed-Stellungnahme um 400 Punkte ein. Dann folgte eine leichte Erholung um 200 Punkte; während Powells Pressekonferenz sackte der Dow Jones zwischenzeitlich erneut um mehr als 650 Punkte ab.