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Der KPMG-Revisor Daniel wird zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt

Insiderhandel vor Sarasin-Übernahme: Der ehemalige KPMG-Chefrevisor Daniel Senn ist zu einer bedingten Geldstrafe sowie 5000 Franken Busse verurteilt worden. Einst prüfte er die Geschäfte von Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand.
Gerhard Lob, Bellinzona
Der ehemalige KPMG-Partner Daniel Senn erschien im Juli ohne Anwalt zum Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI)

Der ehemalige KPMG-Partner Daniel Senn erschien im Juli ohne Anwalt zum Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI)

Der grosse Gerichtssaal des Bundesstrafgerichts war weitgehend leer, als Einzelrichter Stefan Heimgartner heute das Urteil gegen den prominenten Wirtschaftsprüfer und ehemaligen KPMG-Chefrevisor Daniel Senn (60) eröffnete. Von den Parteien war einzig der Beschuldigte selbst vor Gericht erschienen, die Vertreter der Bundesanwaltschaft (BA) tauchten nicht auf. Nur wenige Personen verfolgten somit den Schuldspruch, der ganz im Sinne der BA ausfiel. Das Gericht folgte weitgehend den Strafanträgen der Ermittlungsbehörde. Dabei war es für eine Verurteilung kurz vor knapp: Am kommenden 22. September wäre die siebenjährige Verjährungsfrist für Insiderhandel eingetreten.

Daniel Senn wurde wegen der Verwendung von Insider-Informationen im Zusammenhang mit der Übernahme der Basler Privatbank Sarasin im Jahr 2011 sowie wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz zu einer Geldstrafe von 160 Tagsätzen à 430 Franken verurteilt, bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre. Begleichen muss er auf alle Fälle eine Busse von 5000 Franken, «um die Spürbarkeit der Strafe sicherzustellen», wie der Richter sagte. Zudem beansprucht die Eidgenossenschaft eine Ersatzforderung in Höhe von 29 073 Franken.

Er versuchte das Geschäft zu vertuschen

Dieser Betrag ist kein Zufall. Es handelt sich um den Buchgewinn, den Senn erzielte, nachdem er im September 2011 in zwei Tranchen 4000 Aktien der Bank Sarasin erworben hatte. Der Wert der Aktien schnellte innert eines Monats um 15 Prozent nach oben, nachdem offiziell bekanntgeworden war, dass Julius Bär Gespräche für eine Sarasin-Übernahme führte. Den Deal machte später nicht Julius Bär, sondern die brasilianische Safra Group. Senn wusste dank seiner Funktion als Geschäftsleitungsmitglied der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG schon vorab über das Interesse von Julius Bär, lud somit laut Gericht durch den Aktienkauf «eine erhebliche Schuld auf sich, auch wenn sich der Gewinn in Grenzen hielt». Richter Heimgartner: «Das geschützte Rechtsgut der Chancengleichheit zwischen Anlegern wurde erheblich verletzt.» Der Beschuldigte habe sogar versucht, das Geschäft zu vertuschen, indem er die Sarasin-Aktien auf die Konten seiner Kinder umbuchte.

Als «geringes Verschulden» wertete das Gericht die Tatsache, dass Senn seinerzeit die Fragen der eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde gar nicht oder nur teilweise beantwortet hatte. Senn hatte in der Hauptverhandlung Ende Juli alle Vorwürfe bestritten. Seine Verteidigung erledigte er dabei alleine und verzichtete auf einen Anwalt.

Gang ans Bundesgericht noch offen

Mit Senn wurde nicht irgendein Hinterbänkler verurteilt, sondern ein Experte, der bereits im nationalen Rampenlicht stand. Als Wirtschaftsprüfer hatte er 2003 die Geschäfte des Bankers Oskar Holenweger und 2012 jene von Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand untersucht. Er kam zum Schluss, dass Hildebrand mit seinen Devisengeschäften nichts Unzulässiges getan hatte. Nun ist er über eigene Geschäfte gestrauchelt. Die Revisionsaufsichtsbehörde hatte ursprünglich auch wegen Insidergeschäften bei Roche und der Deutschen Pfandbriefbank gegen Senn ermittelt. Doch von derartigen Delikten war in der Anklageschrift der BA keine Rede mehr.

Senn verliess nach der Urteilseröffnung kommentarlos das Gericht. Die Frage, ob er das Urteil vor Bundesgericht anfechten werde, liess er unbeantwortet. Das Urteil des Bundesstrafgerichts ist erstinstanzlich.

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