Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNTERSUCHUNGSHAFT FÜR EX-CHEF: Affäre Vincenz: Was Ostschweizer Raiffeisen-Bankleiter an der Front erleben

Bei den Raiffeisenbanken vor Ort geht es an den Schaltern ziemlich normal zu. Die Vincenz-Affäre wird schon mal angesprochen, aber Konten werden nicht leergeräumt. Im Gegenteil.
Stefan Borkert
Den Raiffeisenbanken laufen die Genossenschafter nicht davon, aber die Kunden sprechen über die Affäre Vincenz. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Den Raiffeisenbanken laufen die Genossenschafter nicht davon, aber die Kunden sprechen über die Affäre Vincenz. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Stefan Borkert

Langrickenbach oberhalb von Kreuzlingen gehört zur Raiffeisenbank Regio Altnau. Noch gibt es hier eine kleine Aussenstelle. Eine Kundin schüttelt den Kopf, spricht kurz die Affäre Vincenz an: «Hätte man das gedacht?» Und dann erledigt sie ihre Bankgeschäfte. In Russland gibt es ein Sprichwort, das besagt: «Der Zar ist weit in Moskau.» Für die regionalen Genossenschafter ist Moskau Raiffeisen Schweiz in St.Gallen.

Es gibt 255 eigenständige Raiffeisenbanken in der Schweiz. Alle sind ausgestattet mit einer Bankleitung und einem eignen Verwaltungsrat. So auch die Raiffeisenbank in Tägerwilen, immerhin die drittgrösste in der Schweiz. Bankleiter Josef Maier führt hier schon lange die Geschäfte. Seit er vor gut 30 Jahren die Leitung übernommen hat, ist das Geschäftsvolumen um das Hundertfache angestiegen. Dieses Wachstum kann auch die Affäre Vincenz nicht bremsen. Natürlich werde er von Kunden hin und wieder darauf angesprochen. Aber dass Geld abgezogen wird, kann er überhaupt nicht feststellen. Die Geschäfte laufen gut, und die Zahl der Genossenschafter steigt. Ganz ähnlich sieht es bei anderen Raiffeisenbanken aus.

Norbert Lüchinger, Bankleiter der Raiffeisenbank Oberes Rheintal, erklärt: «Selbstverständlich kommt das Thema ­Vincenz ab und zu auf den Tisch.» Aber Kontoauflösungen gebe es bisher keine. «Die Kunden unterscheiden klar zwischen ihrer Bank vor Ort und möglichen Verfehlungen von Einzelpersonen in der Vergangenheit bei Raiffeisen Schweiz.» Und er fährt fort: «Wir rechnen nicht mit einem Abflachen. Im Moment wachsen wir täglich weiter mit Privat- und Firmenkunden. Die Kunden spüren und schätzen den Service und die Kompetenz unserer Mitarbeitenden vor Ort.» So tönt es bei vielen Raiffeisenbanken. Nicht alle Bankleiter wollten Auskunft geben und verwiesen auch schon mal an die Medienstelle von Raiffeisen Schweiz. Andere wie etwa der Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Wil, Erwin Scherrer, bestätigt, dass die Kunden vor Ort sehr wohl trennen können zwischen Raiffeisen Schweiz und ihrer ­Genossenschaftsbank vor Ort.

Schwierige Erziehungsaufgabe

Die 255 Genossenschaftsbanken seien die Eigentümer von Raiffeisen Schweiz. Bei so vielen Eltern sei die Erziehungsaufgabe manchmal nicht einfach, sagt er mit Humor. Den Humor hat auch Peter Bühler, seit einem Vierteljahrhundert Bankleiter der Raiffeisenbank Aadorf, nicht verloren. Vehement verteidigt er das Genossenschaftsmodell und diktiert all jenen ins Heft, die das Genossenschaftmodell in Frage stellen, dass gerade Raiffeisen besser durch die Krisenjahre gekommen sei als viele Aktien­gesellschaften. «Wir wären völlig von allen guten Geistern verlassen, wenn wir dieser Aufforderung auch nur mehr als fünf ­Minuten Bedenkzeit einräumen würden.»

Er reagiert auf ein Interview im «Tagblatt» mit Peter V. Kunz, der den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz als amateurhaft kritisiert hatte und der das Genossenschaftsmodell für Raiff­eisen für überholt hält. «Der liebe Gott behüte uns vor solchen Entwicklungen und Fehlkonstruktionen.» Raiffeisen hatte nicht gerettet werden müssen, und Raiffeisen müsse nicht jedes Jahr Hunderte Millionen Franken für Bussen für das Fehlverhalten des Managements bezahlen, sagt Bühler und fährt fort, am Schalter und bei Kunden werde die ­Affäre Vincenz verblüffend wenig thematisiert. Er weiss allerdings auch von zwei Kunden, die ihr Geld wegen der Affäre Vincenz abziehen wollen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.