UNTERNEHMERPREIS: Spezialitäten als Erfolgsfaktor

Im Finale des Raiffeisen-Unternehmerpreises Ostschweiz wetteifern kleinere Firmen um die Krone. Es geht um Töffkleider, Käse und Beleuchtungen – und dabei stets um Innovation.

Thomas Griesser Kym
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Nominiert für den ersten Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz (von oben): Kai Glatt und Michael Kuratli von The Rokker Company, Reto Güntensperger von der Käse Bütschwil AG und Thomas Stepan von Smarterion. (Bilder: Mareycke Frehner, Michel Canonica)

Nominiert für den ersten Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz (von oben): Kai Glatt und Michael Kuratli von The Rokker Company, Reto Güntensperger von der Käse Bütschwil AG und Thomas Stepan von Smarterion. (Bilder: Mareycke Frehner, Michel Canonica)

Thomas Griesser Kym

Sechs kleinere innovative Firmen, aber keine aus dem Thurgau oder aus Appenzell Ausserrhoden, und keine einzige, die von einer Frau geführt wird – mit diesen Eigentümlichkeiten geht der erstmals vergebene Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz ins Finale.

Töfffahrer erkennt man meist an ihrer Kleidung, und das von weitem. So nicht, dachten sich Kai Glatt und Michael Kuratli – und kamen auf die Idee, Töffhosen zu entwickeln, die nicht als solche erkennbar sind, sondern wie Alltagsjeans aussehen. Mit diesem Geistesblitz gründeten die beiden Jungunternehmer vor bald zehn Jahren The Rokker Company in Widnau. «Unsere Mission ist es, sich auf dem Motorrad ebenso sicher, bequem und stilvoll angezogen zu fühlen wie nach dem Ride», sagt Glatt. Die Her­ausforderung war, Jeans derart aufzurüsten, dass sie Abriebwerte und damit Schutz gewährleisten wie herkömmliche Töffbekleidung. Daraus entstand eine Zusammenarbeit mit Schoeller Textil in Sevelen. Das Werdenberger Unternehmen ent­wickelt und produziert für Rokker Hightech-Innengewebe, die in den Jeans verbaut werden, was diese in «vollwertige und extrem sichere» Töffhosen verwandelt, wie Glatt sagt.

Das Sortiment ist über die Jahre laufend erweitert worden, wobei nicht selten Kunden den Anstoss zu Innovationen geben. Mittlerweile führt Rokker 18 Töffjeans im Angebot, darüber hinaus aber auch Schuhe, Jacken, Gilets, Handschuhe und Accessoires, alles in der Schweiz designt und zu annähernd 100 Prozent gefertigt in Europa. Vertrieben werden die Produkte über den Fachhandel und den hauseigenen Onlinestore.

Roter Teufel aus dem Toggenburg

Die Bütschwil Käse AG war ursprünglich eine traditionelle Käserei, wie es viele gibt. Fokussiert auf eine Sorte, den Appenzeller, und auf einen übersättigten Heimmarkt. Doch dann hat Reto Güntensperger das Unternehmen neu ausgerichtet. Er hat eigene Innovationen entwickelt wie den Gwitterchäs oder den Roten Teufel, und seine Spezialitäten setzt er mittlerweile global ab. Konkret vermarktet die Toggenburger Käserei ihre Produkte in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Russland selbstständig. Zur Bearbeitung der Märkte England, Irland, Belgien, Niederlande, Finnland, USA und Australien arbeitet man mit externen Handelsfirmen zusammen. Der Export in die grosse weite Welt kontrastiert mit der Beschaffung und der Produktion: Der Familienbetrieb, den Güntensperger in dritter Generation leitet, ist regional stark verwurzelt und kauft die Milch von 67 Bauern aus dem Toggenburg. Jüngst hat die Käse Bütschwil AG für den Milchtransport einen eigenen Lastwagen erworben. Und kommenden März bezieht das Unternehmen unweit der Käserei in Bütschwil einen Neubau, der ein Käsereifungslager samt Affinage, Kühlräumen, Spedition und Büros beherbergt.

«Dank dieser Infrastruktur sind wir in der Lage, die Produktion massiv auszubauen, neue Vertriebskanäle zu erschliessen und bestehende zu erweitern», sagt Güntensperger. Das kräftige Wachstum der vergangenen paar Jahre und der Ausbau des Betriebs führen auch dazu, dass die Käserei die Zahl ihrer Mitarbeitenden aufstockt, von 13 auf 16. «In Zukunft möchten wir unseren Absatz auf weitere Länder ausbauen und auch im Inland den Kundenstamm erweitern», sagt der Käsermeister.

Wenn Licht nicht bloss hell macht

Elektrische Energie sparen und die Lebensdauer von Leuchten zu verlängern – das ist möglich dank Leuchtdioden (LED). Doch diese Technologie biete noch weit mehr, sagt Thomas Stepan. Der Geschäftsführer der Smarterion AG, der das Unternehmen 2009 mit zwei Kollegen gegründet hat, spricht von der Umsetzung «völlig neuer Lichtkonzepte» mittels LED, von «Lichtinszenierungen in der Architektur». An zwei Standorten in Sargans entwickelt das Unternehmen sämtliche Produkte und fertigt sie. Im Programm finden sich Standardlösungen genauso wie Sonderlösungen von LED-Beleuchtungen. Der Fokus liegt auf den Spezialitäten, denn mit diesen können Leuchtenhersteller, Elektrogrossisten und Lichtfachhändler ihr bestehendes Sortiment ergänzen und so den Kunden eine grössere und individuellere Auswahl bieten. Ausserdem können Kunden über einen firmeneigenen Profilkonfigurator LED-Linien auf Mass bestellen, die innert 48 Stunden auf die Baustelle geliefert werden, wo sie dann in Wohn-, Geschäfts- oder Technikräumen oder Tiefgaragen montiert werden.

Dank viel Know-how betreffend Engineering, Produktion und Prozessen sowie dank Fertigungsautomatisierung kann Smarterion laut Stepan «auch trotz hoher Lohnkosten am Standort Schweiz konkurrenzfähig bleiben». Momentan zählt das Unternehmen 38 Mitarbeitende. Doch die Zeichen stehen auf Wachstum und Ausbau der Marktposition. Dabei sieht Stepan «die Möglichkeit, in den nächsten drei bis fünf Jahren weitere 20 Arbeitsplätze schaffen zu können». Mit Hilfe einer Produktionssoftware, vergeben im Franchisingsystem, will die Firma künftig auch etwas fernere Auslandmärkte wie Norddeutschland erobern.

Der Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz wird am kommenden 9. November erstmals verliehen. Die Hälfte der sechs nominierten Firmen werden in diesem Beitrag vorgestellt, die anderen drei Finalisten sind in der Ausgabe vom vergangenen 11. Oktober präsentiert worden.