UNTERNEHMERPREIS: «Es geht um das K unter den KMU»

Kleine, innovative Firmen auszeichnen – das will Raiffeisen. Und sich damit auch bekannter machen als Bank für Firmenkunden. Gestartet wird mit dem Unternehmerpreis in der Ostschweiz.

Thorsten Fischer,
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Urs Gauch leitet das Departement Firmenkunden von Raiffeisen Schweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Urs Gauch leitet das Departement Firmenkunden von Raiffeisen Schweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Interview: Thorsten Fischer,

Thomas Griesser Kym

Die umfangreiche Palette der Unternehmerpreise erhält weiteren Zuwachs. Nun ist auch Raiffeisen auf diesen Zug aufgesprungen. Urs P. Gauch, Leiter des Departements Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz, erläutert die Beweggründe.

Urs Gauch, im November wird erstmals der «Raiffeisen Unternehmerpreis Ostschweiz» vergeben. Sie sind spät dran. Unternehmerpreise gibt es schon wie Sand am Meer.

Wir haben uns das auch sehr gut überlegt. Aber wir haben fest­gestellt, dass es bisher keinen Unternehmerpreis für kleinere Firmen gab. Die meisten Preise richten sich entweder an börsenkotierte Firmen oder an mittlere bis grössere Unternehmen, oder dann an Start-ups.

Der Raiffeisen-Preis ist offen für Bewerbungen von Firmen mit maximal 150 Mitarbeitenden. Grösser sind auch jene Firmen kaum, die jeweils um den «Prix SVC Ostschweiz» des Swiss Venture Clubs kämpfen, und das seit 2004.

Aber wir haben viele Bewerbungen erhalten vor allem von Unternehmen mit 10 bis 100 Mitar­beitenden, und auch solche von Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten. Hinzu kommt: Bei uns sind die einzelnen Raiffeisenbanken in die Suche nach Firmen involviert, die für eine Nomination in Frage kommen könnten. Die Banken kennen ihr Marktgebiet und damit auch die Unternehmen in ihrer Nähe.

Und hier geht es Ihnen vor allem um die Kleinen.

Richtig. Es geht um das K unter den KMU. Das sind unsere Kunden. Aber ebenso wichtig ist natürlich die unternehmerische Leistung, die von den Firmen jeden Tag erbracht wird. Wir wollen mit dem Preis innovatives Unternehmertum belohnen und dessen Bedeutung für die Ostschweizer Wirtschaft würdigen.

Die Bewerbungsfrist ist am 7. Juli abgelaufen. Wie viele Dossiers sind eingegangen?

Am Anfang war die Resonanz etwas zurückhaltend. Jetzt aber liegen 62 Dossiers auf dem Tisch. Das ist eine schöne Zahl, wir sind gut unterwegs. Die Qualität der Bewerbungen ist hoch. Wir haben Firmen aus allen Ostschweizer Kantonen und quer durch alle Sektoren und Branchen.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben drei erfahrene Unternehmer beauftragt, aus den 62 Bewerbungen die besten 20 auszuwählen. Dies gemäss Kriterien wie Erfolg, Agilität, Innovation, Nachhaltigkeit oder Ansehen. Die achtköpfige Jury wird dann aus diesen 20 die 6 Finalisten ermitteln, diese besuchen und den Sieger ermitteln.

Neben dem Jurypreis wird auch ein Publikumspreis vergeben. Warum?

Weil wir im Raiffeisen-Unternehmerclub viele Mitglieder haben, die sich eignen, Unternehmen zu beurteilen. Zudem entspricht die Beurteilung der Firmen durch die Clubmitglieder unserem genossenschaftlichen Gedankengut.

Der Preis wird im Raiffeisen-Unternehmerzentrum RUZ in Gossau vergeben. Mittlerweile gibt es noch zwei weitere Standorte in Baar und Aarau. Wie läuft es dem RUZ?

Der Raiffeisen-Unternehmerclub als eine Säule des RUZ hat 1400 Mitglieder, davon sind 900 in Gossau dabei. Wir haben inzwischen 400 Beratungen durchgeführt und 250 Mitglieder im Expertenclub. Dort sind aktive oder ehemalige Unternehmer dabei, die einen Kurs besucht haben und mit ihrem Wissen andere Unternehmer unterstützen. Ziel sind konkrete Handlungsempfehlungen im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe.

Sind weitere RUZ-Standorte geplant?

Wir planen eine Expansion nach Bern und in die Westschweiz.

Das RUZ ist für Unternehmer. Aber Raiffeisen ist in erster Linie bekannt als Hypothekenbank und weniger als Geldhaus für Firmenkunden.

Wir strengen uns an, unsere Angebote im Firmenkundengeschäft bekannter zu machen. Dazu wollen wir unter anderem das RUZ stärker mit den einzelnen Raiffeisenbanken vernetzen. Generell dient uns das RUZ auch als Marketinginstrument. Es soll helfen, die Marke Raiffeisen bei Firmenkunden stärker ins Bewusstsein zu rücken und Zusatzgeschäfte zu generieren.

Und der Unternehmerpreis ist ein weiterer Baustein dieser Strategie.

Genau. Raiffeisen ist laut Umfragen zwar die bekannteste Bankenmarke und geniesst am meisten Vertrauen. Aber für Firmenkunden sind wir meist nicht die erste Adresse. Wir haben zwar schon fast 160000 Firmenkunden, dennoch sind wir für dieses Geschäft noch nicht so bekannt.

Ihre Firmenkunden sind vor allem kleinere Unternehmen, und auch die lokalen Raiff­eisenbanken sind kleinere Geldinstitute. Was, wenn ein Unternehmen im Laufe der Zeit immer grösser wird?

Wir machen die Erfahrung, dass uns die meisten Firmen treu geblieben sind, auch wenn sie wachsen. Zudem haben die meisten Betriebe mehrere Bankbeziehungen. Wir wollen wenn immer möglich Hauptbank sein und bleiben. Dafür haben wir investiert, um mit Expertenwissen auch spezifische Fragen beantworten zu können. Kommt hinzu: Neben den beiden Grossbanken sind wir die einzige Gruppe, die in der ganzen Schweiz flächendeckend präsent ist.

Raiffeisen startet mit dem Un­ternehmerpreis in der Ost- schweiz. Wie geht es weiter?

Wir möchten den Preis regelmässig vergeben, und das auch in anderen Regionen. Am Turnus arbeiten wir noch. Sicher wird es aber den Preis nicht jedes Jahr in jeder Region geben.

Wie beurteilen Sie die Ostschweizer Wirtschaft?

Generell haben die Firmen den Frankenschock gut gemeistert, und die allgemein gute Auslastung belegt das. Die Unternehmen haben als Reaktion Innovationen forciert, Prozesse verbessert, die Produktivität erhöht, Kosten gesenkt usw.

Aber teils auch verlagert und Arbeitsplätze abgebaut.

Stimmt. Einige Industrieunternehmen haben Teile der Produktion ins Ausland verlagert oder mindestens den Bezug von Vorprodukten von der Schweiz in die EU verschoben. Damit haben sie den Margendruck als Folge der Frankenaufwertung gemindert. Auch sind im Maschinen- und Metallbau in den vergangenen zwei Jahren etwa 10000 Stellen verloren gegangen. Aber die Wertschöpfung der Schweizer Industrie ist nach wie vor hoch.

Also sind Sie zuversichtlich für die Zukunft?

Ja. Denn die Digitalisierung und die Robotik erlauben eine hohe Automatisierung der Prozesse. Die Schweiz ist hier ganz vorne mit dabei. Investitionen in die Industrie 4.0 schaffen auch neue Geschäftschancen und neue Arbeitsplätze.