Unternehmerin liest der Politik die Leviten

Thomas Griesser Kym
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Freiraum Magdalena Martullo weiss, worauf es im Leben als Unternehmerin ankommt, um Erfolg zu haben: «Positiv sein für Neues und für Veränderungen, Chancen erkennen und erschliessen», sagte gestern in St. Gallen die Konzernchefin der Ems-Chemie an einer Gästeveranstaltung der UBS, an der auch deren Chefökonom Daniel Kalt referierte. Nur dann, fuhr Martullo fort, seien Innovationen möglich, und nur mit solchen liessen sich höhere Preise erzielen. Diese wiederum seien nötig, wenn man wie die Ems-Chemie auch am relativ teuren Standort Schweiz produziert. «Hier haben wir unsere Basis, und hier wollen wir beste­hen», sagt Martullo, die zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Rahel eine Mehrheit an der Ems-Chemie hält. Von den 2900 Beschäftigten sind 1000 hierzulande tätig, nicht nur am Hauptsitz in Domat/Ems, sondern auch in Romanshorn bei Ems-Eftec.

Um sich schnell anpassen zu können, «brauchen wir unternehmerischen Freiraum», sagt Martullo. Diesen zu gewähren, scheint indessen die Politik total zu versagen, glaubt man den Worten der SVP-Nationalrätin. Mit Bundesbern geht sie hart ins Gericht. Die Regulierung nehme überhand und beschränke die unternehmerische Freiheit. Im Parlament sässen mittlerweile mehr als die Hälfte Berufs­politiker und zu viele Juristen. Es mangle ihnen an Sachkenntnissen, sie neigten zu Schnellschüssen, und statt ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger zu haben, führten sie sich als «Belehrer und Besserwisser» auf. Als Beispiel nennt Martullo die Masseneinwanderungs-Initiative, deren Umsetzung den Willen des Stimmvolks völlig missachte.

Gegen aussen müsse die Schweiz selbstbewusster auftreten, um Vorteile herauszuholen. Beispiel Brexit: Die Schweiz solle mit Grossbritannien rasch über ein Freihandelsabkommen sprechen, sagt Martullo: «Dabei ist es mir egal, ob die EU beleidigt ist.»

Thomas Griesser Kym