«Unternehmer haben dazugelernt»

Die Thurgauer Unternehmer stecken in den aktuell turbulenten Zeiten den Kopf nicht in den Sand. Das hat auch Heinz Huber, der Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB), anhand der Ergebnisse der Firmenkundenumfrage festgestellt.

Stefan Borkert
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TKB-Chef Heinz Huber sagt, dass Thurgauer Unternehmen nach einem erfreulichen Jahr 2014 nun in einem unsicheren Umfeld kalkulieren müssen. (Bild: Nana do Carmo)

TKB-Chef Heinz Huber sagt, dass Thurgauer Unternehmen nach einem erfreulichen Jahr 2014 nun in einem unsicheren Umfeld kalkulieren müssen. (Bild: Nana do Carmo)

Herr Huber, die Wechselkursproblematik macht den Ostschweizer und auch Thurgauer Unternehmen zu schaffen. Aber ist deswegen der Werkplatz Ostschweiz in Gefahr?

Heinz Huber: Grundsätzlich sind Branchen und Unternehmen unterschiedlich betroffen von Währungsschwankungen. Um konkrete Aussagen zu treffen, ist es allerdings noch zu früh. Den Werkplatz Thurgau oder Ostschweiz sehe ich nicht gefährdet.

Wie meinen Sie das?

Huber: Erste konkrete Aussagen über die Folgen der Aufhebung des Mindestkurses kann man wohl erst machen, wenn die Halbjahresbilanzen vorliegen. Generell kann man sagen, dass die Unternehmen besser vorbereitet waren als noch bei der Krise 2011. Damals war das Gefälle zudem viel stärker. Der Franken ist von 1.60 auf Parität zum Euro gestiegen. Dann hat die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs eingeführt. Man wusste aber, dass der Mindestkurs eine temporäre Massnahme ist. Für viele überraschend war indes der Zeitpunkt der Aufhebung. Aber man sieht auch, dass die Unternehmer dazugelernt haben. So wurden Preisvorteile dieses Mal sehr rasch an die Konsumenten weitergegeben.

Hat es denn schon Unternehmen gegeben, die Kredite für Investitionen bei der TKB wieder zurückgezogen haben?

Huber: Das ist mir nicht bekannt.

Oder gibt es Firmen, die die Gunst der Stunde nutzen und nun im EU-Ausland Maschinen vorgezogen einkaufen?

Huber: Ich kann mir schon vorstellen, dass Unternehmen den starken Franken nutzen, um Maschinen oder Güter günstiger im Ausland einzukaufen. Aber ich denke, das sind eher Einzelfälle. Im Thurgau haben wir viele inhabergeführte Unternehmen und Familienbetriebe – und diese erstellen die Budgetpläne eher mittel- und langfristig. Schnellschüsse passen da weniger in die Firmenphilosophie.

Zurück zur Firmenkundenumfrage. Sie haben erstmals die St. Galler Firma Ecopol damit betraut. Warum?

Huber: Das Unternehmen kennt sich in der Ostschweizer Firmenlandschaft sehr gut aus und beschäftigt sich auch regelmässig mit der Ostschweizer Konjunktur. Die Firmenkundenumfrage haben wir selber durchgeführt. Ecopol wertet die Daten für uns aus.

Erstmals mussten Sie auch wegen der SNB noch mal Fragebögen verschicken.

Huber: Das stimmt. Nach dem 15. Januar haben die von uns zuvor erhobenen Prognosen der Unternehmen nicht mehr zugetroffen. Also befragten wir die Firmen noch einmal zu ihren Aussichten. Und wie schon bei der eigentlichen Umfrage war der Rücklauf erfreulich hoch. Das zeigt auch, dass die Firmen diese Umfrage schätzen.

Die dann geäusserten Prognosen fallen erwartungsgemäss deutlich pessimistischer aus. Allerdings gibt es doch Unterschiede.

Huber: Das ist interessant. Die Planungssicherheit ist ein Stück weit weggebrochen. Die Unternehmen müssen nun auf einer unsicheren Währungsbasis neu kalkulieren. Das ist eine grosse Herausforderung. Natürlich sind die exportorientierten Unternehmen wie die Metall- und Maschinenindustrie besonders stark betroffen und prognostizieren deutlich vorsichtiger. Aber auch dort hat man sich Gedanken gemacht und Massnahmen geplant für solche Szenarien. Wer volle Auftragsbücher hat, verlängert die Arbeitszeit.

Boombranchen wie der Bau äussern sich in letzter Zeit vorsichtiger. Trifft das auch auf den Thurgau zu?

Huber: Der Bau hat vielleicht etwas an Dynamik eingebüsst, aber der Markt ist weiterhin belebt. Die Bauwirtschaft im Kanton Thurgau profitiert von der Einwanderung aus dem In- sowie dem Ausland.

Was hat Sie denn bei der Umfrage am meisten überrascht?

Huber: Mich hat überrascht, dass branchenübergreifend mehr als 70 Prozent der Befragten die Konzentration auf das Kerngeschäft als grösste Chance für die kommenden Jahre sehen, mehr noch als Innovation und Kostensenkungen. Das spricht für langfristige Perspektiven und solide Geschäftsmodelle.

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