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UNTERNEHMENSETHIK: Etikett für Menschlichkeit

Als erstes Unternehmen in der Ostschweiz hat sich die B+S Bau GmbH mit dem Human Ethik Label zertifizieren lassen. Das Label steht für gute Führung, ist aber auch Imagepflege.
Janique Weder
Unternehmen können gute Führung zertifizieren lassen und auf motivierte, zufriedene Mitarbeitende hoffen. (Bild: Paul Bradbury/Getty)

Unternehmen können gute Führung zertifizieren lassen und auf motivierte, zufriedene Mitarbeitende hoffen. (Bild: Paul Bradbury/Getty)

Unternehmen wollen weisse Westen. Hoch im Kurs stehen Engagements im Bereich der sozialen Verantwortung. Doch wie können die Firmen beweisen, dass Ethik drinsteckt, wo sie «ethisch» propagieren? Eine Möglichkeit will das Human Ethik Label bieten. «Wer das Label trägt, belegt, seine Mitarbeitenden mit Respekt, Fairness, Anstand und Verantwortung zu behandeln», sagt Manuela Broz. Die gebürtige Rheintalerin hat ihr Unternehmen vor zwei Jahren gegründet und seither zehn Unternehmen mit der Garantiemarke ausgezeichnet. Im jüngsten Fall die Widnauer B+S Bau GmbH.

Im Grund genommen betreibt das Human Ethik Label eine auf den kulturellen Aspekt einer Firma beschränkte Unternehmensberatung. «Wie oft habe ich in meiner früheren Tätigkeit als Personalentwicklerin beobachtet, dass Firmen hohe Investitionen tätigen und dann doch nicht erfolgreich sind», sagt Broz. Die Ursache sei in den meisten Fällen dieselbe gewesen: «Die Kultur hat nicht gepasst.»

Perparim Bllaca (links) und Fabio Schlatter von der B+S Bau. (Bild: PD)

Perparim Bllaca (links) und Fabio Schlatter von der B+S Bau. (Bild: PD)

Dass der Kulturbegriff oft etwas Schwammiges meint, dem sei sie sich bewusst, sagt Broz weiter. Unterschätzen dürfe man ihn dennoch nicht. «Es geht darum, wie man Geschäfte macht. Und um die Erkenntnis, dass Kultur nichts Passives ist.» Sie könne in jedem Fall gestaltet werden.

Label gegen demotivierte Mitarbeiter

Dies zeigt das Beispiel der B+S Bau. Das Rheintaler General- und Bauunternehmen wuchs in knapp zwei Jahren von zwei auf 17 Mitarbeitende. Für die Geschäftsleiter Fabio Schlatter und Perparim Bllaca war dies eine Herausforderung. Keiner von ihnen hatte Führungserfahrung. «Das führte dazu, dass niemand wusste, was seine Aufgabe war. Jeder arbeitete in den Tag hinein», sagt Schlatter. «Auch unser Team war demotiviert.» Das Label habe Abhilfe geschaffen: Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses erarbeitete die B+S Bau ein Organigramm. Ausserdem folgen Ein- und Austritte nun einer Checkliste, die Mitarbeiter arbeiten nach einem Aufgabenbeschrieb, und neue Angestellte absolvieren ein Einführungsprogramm.

Das Label sei auch ein Stück Imagepflege, sagt Schlatter weiter. «Generalunternehmen haben einen schlechten Ruf. Das Label hingegen bestätigt, dass wir seriös arbeiten und nur ausgebildete Arbeiter engagieren.» 50 bis 60 Arbeitsstunden, auf­geteilt auf vier Monate, hat die B+S Bau für die Zertifizierung investiert.

Auf dem Weg zum Zertifikat werden die Firmen von Beratern des Human Ethik Labels unterstützt. Um deren Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Firmen ein Reglement von 39 Punkten erfüllen. «Wir überprüfen etwa, ob Mitarbeitende mit denselben Funktionen den gleichen Lohn und das gleiche Ferienpensum erhalten», sagt Broz. Dazu gehört auch, dass Frauen gleich viel verdienen wie ihre Kollegen. Am Schluss prüft ein Auditor, ob die geforderten Standards erfüllt worden sind. Drei Jahre ist das Label gültig.

«Wenn gut gemacht, sind solche Labels doppelt wertvoll», sagt Heike Bruch, Professorin für Leadership an der Universität St. Gallen. Zum einen könnten sich Unternehmen durch ein Label positiv hervorheben und so ihr Image aufpolieren. «Gerade in Zeiten der Unverbindlichkeit wird das Thema Vertrauen beim Arbeitgeber wieder wichtiger.» Zum anderen führe das Label zu einer Auseinandersetzung des Unternehmens mit sich selbst und mit Fragen der Mitarbeiterführung. «Wichtig dabei ist, dass das Label seriös arbeitet. Alles andere schadet dem Ansehen von Labels im Allgemeinen», sagt Bruch.

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