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Unternehmen aus der Zelle geleitet: Pharma-Betrüger muss in Einzelhaft

Eine siebenjährige Freiheitsstrafe hinderte den umstrittenen Pharmaunternehmer Martin Shkreli nicht daran, seine Firma mit Sitz in Baar aus einem US-Gefängnis zu leiten. Nun wurden Massnahmen dagegen ergriffen.
Federico Gagliano
Martin Shkreli (vorne) mit seinem Anwalt Benjamin Brafman (links) auf dem Weg zu einer Verhandlung. (Bild: Justin Lane/EPA (Brooklyn, 4. August 2017))

Martin Shkreli (vorne) mit seinem Anwalt Benjamin Brafman (links) auf dem Weg zu einer Verhandlung. (Bild: Justin Lane/EPA (Brooklyn, 4. August 2017))

Das US-amerikanische Bundesgefängnis Fort Dix im Bundesstaat New Jersey greift durch: Nachdem ein Bericht des «Wall Street Journal» (WSJ) offenlegte, dass Pharmaunternehmer Martin Shkreli (36) sein Unternehmen weiter von seiner Gefängniszelle aus führte, sitzt er nun seit Mitte März in Einzelhaft, wie das Wirtschaftsmagazin «Forbes» am Montag berichtete.

Shkreli benutzte demnach ein geschmuggeltes Mobiltelefon, um seine Firma, die Phoenixus AG mit Sitz in Baar, aus der Ferne zu leiten. Damit verstiess er gegen die Vorschriften der Strafanstalt. Dort sitzt Shkreli eine siebenjährige Gefängnisstrafe ab, nachdem er Anlagegelder von über 11 Millionen US-Dollar veruntreut hatte. Neben der Einzelhaft könnte der Regelbruch eine weitere Folge haben: Shkrelis Haft könnte sich deswegen um ein Jahr verlängern. Das Gefängnis untersucht die Umstände noch.

«Meistgehasster Mann in Amerika»

Shkrelis Eingriffe in die Firma waren keineswegs kleiner Natur: Scheinbar veranlasste er Anfang Jahr auch die Kündigung des interimistischen Phoenixus-CEOs Kevin Mulleady von seiner Zelle aus. Mulleady habe Shkreli mit dem Wunsch nach einer Gehaltserhöhung erzürnt.

Shkreli und sein Unternehmen, früher als Turing Pharmaceuticals AG bekannt, waren 2015 in die Schlagzeilen geraten, als sie den Preis eines HIV-Medikaments von 13.50 Dollar auf 750 Dollar pro Tablette anhoben. Shkreli galt damals als «meistgehasster Mann in Amerika», auch weil er seinen Kritikern gerne mit weiteren Provokationen antwortete. Vor Gericht zeigte er sich damals aber reuig: «Dies wäre eine gute Zeit, um mich bei allen Investoren zu entschuldigen. Es tut mir schrecklich leid, Ihr Vertrauen verloren zu haben. Sie haben Besseres verdient. Bitte geben Sie mir eine Chance, zu zeigen, wozu ich fähig bin.»

Der 36-jährige Unternehmer, der vor etwas mehr als einem Jahr noch in einem millionenschweren Apartment in Man­hattan wohnte, soll sich an das Leben im Gefängnis gewöhnt ­haben. Laut WSJ wird Shkreli von zwei anderen Häftlingen begleitet, die ihm die Besonderheiten des Gefängnislebens beibringen und ihn beschützen. Gegenüber Mitschuldigen trete er grosszügig auf und begleiche beispielsweise deren Pokerschulden.

Picasso-Bild verkauft

Phoenixus schreibt derweil rote Zahlen: Ende September 2018 verzeichnete die Firma für die ersten neun Monate des Jahres 10,3 Millionen Dollar Verlust. Davon wurden 9,4 Millionen in nicht spezifizierte Forschung und Entwicklung investiert. Shkreli hat nämlich trotz allem noch grosse Pläne: Bis 2023 soll seine Firma 3,7 Milliarden Dollar wert sein. Phoenixus investiere deshalb stark in neue Arzneien gegen seltene Krankheiten. Shkreli gebe immer noch den Ton an, heisst es im WSJ-Bericht, die Firma dementiert dies.

Wie lange sein Einfluss anhalten wird, ist fraglich: Der Ex-Manager müsse den Behörden noch 7,36 Millionen Dollar Strafe zahlen, laut Gerichtsdokumenten besitze er allerdings nur noch etwa 5 Millionen. Ausserdem droht ihm auch eine Ermittlung durch das FBI. Möglich, dass er einige seiner Anteile verkaufen muss. Zurzeit gehören ihm noch 40 Prozent von Phoenixus. Von der einzigen offiziellen Kopie eines Albums der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan, die Shkreli vor vier Jahren für 2 Millionen Dollar ersteigert hat, und einem Picasso-Bild musste sich der Unternehmer bereits im März trennen.

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